Weibliche Sexualstörungen und Behandlungsmöglichkeiten

13 April, 2020
Viele weibliche Sexualstörungen werden durch Stress, Nervosität oder auch Klischees und Tabus verursacht. Deshalb ist es grundlegend, die Situation nicht zu einem Drama zu machen und die präzisen Gründe herauszufinden. Viele Frauen müssen lernen, sich zu entspannen und zu genießen. 

Weibliche Sexualstörungen sind sehr häufig, trotzdem handelt es sich noch immer um ein Tabuthema. Natürlich leiden auch Männer an sexuellen Dysfunktionen, doch in unserem heutigen Artikel konzentrieren wir uns auf Probleme bei Frauen. Wichtig ist in diesem Fall, die genaue Ursache herauszufinden und entsprechende Lösungen zu suchen.

Wir sprechen anschließend über drei häufige weibliche Sexualstörungen und erklären auch, was betroffene Frauen dagegen tun können. 

Häufige weibliche Sexualstörungen

Sehr viele sexuelle Dysfunktionen stehen bei Frauen mit psychologischen Problemen oder Störungen im Zusammenhang. Betroffene können in einen negativen Kreislauf geraten, da sie sich schuldig fühlen, wenn der Sex mit ihrem Partner nicht richtig klappt und glauben, ihren Partner zu „enttäuschen“. 

Am häufigsten kommen deshalb Sexualtherapien als Behandlung zum Einsatz. Die Unmöglichkeit oder Schwierigkeiten beim Intimverkehr verursachen Schuldgefühle und dadurch erhöht sich die Nervosität deutlich, was gleichzeitig bewirkt, dass sich das Problem selbst verschlimmert.

Andererseits ist in diesem Fall auch das Verhalten des Partners grundlegend. Denn er kann mit seiner Einstellung diesen Problemen gegenüber die Situation verschlimmern oder der Frau helfen. Der Geschlechtsverkehr sollte auf keinen Fall erzwungen werden, Verständnis und Geduld sind in dieser Situation besonders wichtig.

Es ist also grundlegend, dass beide Partner sich unterstützen und helfen, um Stress abzubauen, gemeinsam lernen, sich zu entspannen, und im Bett Spaß haben können. 

Vaginismus

weibliche Sexualstörungen
Die Folgen der weiblichen Sexualstörungen können betroffene Frauen in eine negative Spirale führen und ihre sexuelle Gesundheit gefährden.

Als Vaginismus bezeichnet man Scheidenkrämpfe, das heißt die unfreiwillige Kontraktion oder Verspannung des Beckenbodens und der äußeren Vagnialmuskulatur. Dadurch wird der Scheidengang eng oder scheint verschlossen zu sein, was der Frau Schmerzen bereitet oder den Intimverkehr unmöglich macht.

Wenn Schmerzen vorhanden sind spricht man auch von einer Dyspareunie, wobei die Beschwerden oberflächlich oder tiefer liegen können.

Die Ursachen dafür können sowohl physischer als auch psychologischer Natur sein:

  • Endometriose
  • Festes Jungfernhäutchen (Hymen)
  • Vaginalstenose
  • Nervosität bei der Penetration
  • Trauma durch frühere Vergewaltigung oder Misshandlung
  • Depression usw.

Die Gynäkologin oder der Gynäkologe geht in diesem Fall den Ursachen auf den Grund und empfiehlt dir eine entsprechende Therapie. Falls nötig wird dich der Facharzt an einen Psychologen weiterleiten. Andererseits werden zusätzlich meist Kegelübungen empfohlen, um den Beckenboden zu stärken.

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Weibliche Sexualstörungen: Anorgasmie

Unter Anorgasmie versteht man das völlige Ausbleiben des Orgasmus. Auch eine entsprechende Stimulation und der Sexualwunsch führen nicht zum Ziel. Dies steht in engem Zusammenhang mit psychischen Störungen wie Depression, Angst und Nervosität, Vorurteile über Sex, Tabus usw.

Im Allgemeinen besteht die Therapie bei Anorgasmie unter anderem aus verschiedenen Übungen zur Selbsterkennung. Dabei ist es wichtig, den eigenen Körper zu erforschen und Erregungstechniken zu lernen, mit denen sich die Frau wohl fühlt. Dabei können auch Hilfsmittel wie Vibratoren usw. zum Einsatz kommen.

Auch eine sexuelle Paartherapie kann sehr hilfreich sein, um dieses Problem zu überwinden. In manchen Fällen kann jedoch die Anorgasmie auch mit der Menopause zusammenhängen. Dann kann die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel eine Östrogensalbe verschreiben.

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Sexuelle Appetenzstörung

weibliche Sexualstörungen
Im Unterschied zu anderen Störungen liegt bei der Appetenzstörung kein offensichtlicher Grund für die sexuelle Lustlosigkeit vor.

Die Appetensstörung oder auch Lustlosigkeit oder sexuelle Unlust äußert sich durch fehlendes Interesse an sexuellen Kontakten, was häufig dazu führt, dass betroffene Frauen völlig darauf verzichten.

Die Ursachen sind meist psychologischer Art. Viele Frauen fühlen sich frustriert, da kein offensichtlicher Grund für diese Lustlosigkeit vorliegt, was das Problem zusätzlich verschlimmert.

Folgende Auslöser können zu sexueller Unlust führen:

  • Stress
  • Angst und Nervosität
  • Probleme mit dem Partner
  • Hormonveränderungen
  • Probleme mit Alkohol und Drogen
  • Menopause usw.

Da es viele, sehr verschiedene mögliche Ursachen gibt, die zu sexueller Lustlosigkeit führen können, muss eine präzise Bewertung durchgeführt werden. Nur so kann man eine Appetenzstörung erfolgreich behandeln.

Wenn psychologische Auslöser dafür verantwortlich sind, kann eine kognitive Verhaltenstherapie sehr vorteilhaft sein. Andererseits kann eine Sexualtherapie, die am besten zu zweit durchgeführt wird, ebenfalls helfen, diese Störung zu überwinden.

Weibliche Sexualstörungen: Sich befreien, entspannen und entdecken

Weibliche Sexualstörungen: Sich befreien, entspannen und entdecken 
Die Sexualtherapie ist ein sehr hilfreiches Werkzeug, um sexuelle Störungen in einer Partnerschaft zu bewältigen.

Zusammenfassend kann erwähnt werden, dass die meisten weiblichen Sexualstörungen auf psychologische Faktoren, wie Stress oder Angst, zurückgeführt werden können. Außerdem können auch Hormonveränderungen in der Schwangerschaft oder der Menopause die weibliche Sexualität beeinträchtigen.

Sex ist für viele noch immer ein Tabu, doch bei Sexualstörungen ist es sehr wichtig, einen Experten zu konsultieren und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Außerdem ist das Verständnis des Partners grundlegend. 

Die Frau sollte sich jedoch auf keinen Fall selbst für Sexualstörungen verantwortlich machen. Die Situation sollte auch keinesfalls erzwungen werden, denn dies würde nur zu noch mehr Stress führen und damit das Problem verschlimmern. 

Zuerst müssen die Ursachen herausgefunden werden. Danach ist es für die betroffene Frau wichtig, sich selbst zu entdecken und sich von Vorurteilen zu befreien, damit sie Sex mit ihrem Partner voll genießen kann. 

  • Bodenmann G et al. “The association between daily stress and sexual activity”, J Fam Psychol. 2010 Jun;24(3):271-9. doi: 10.1037/a0019365.
  • Andrea Bradford y Cindy M. Meston, “The impact of anxiety on sexual arousal in women”, Behav Res Ther. 2006 Aug; 44(8): 1067–1077.
  • Endocrinol Metab Clin North Am. “Menopause and Sexuality”, Endocrinol Metab Clin North Am. 2015 Sep; 44(3): 649–661, doi: 10.1016/j.ecl.2015.05.009