Wissenswertes über das Syndrom der müden Beine

2 August, 2020
Das Syndrom der müden Beine entsteht durch eine chronisch-venöse Insuffizenz, die häufig eine chirurgische Intervention erfordert. Der Lebensstil spielt dabei jedoch auch eine sehr wichtige Rolle. Erfahre anschließend mehr über dieses Thema.

Die täglichen Herausforderungen beeinflussen unsere Gesundheit. So kommt es nicht selten vor, dass sich nach einem harten Arbeitstag müde Beine bemerkbar machen. Wenn dies jedoch kontinuierlich der Fall ist, könnte es sich um das Syndrom der müden Beine handeln, das relativ unbekannt ist, an dem jedoch sehr viele Menschen leiden.

Es handelt sich glücklicherweise nicht um eine ernste Krankheit, doch trotzdem können die Beschwerden die täglichen Aktivitäten beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Rund 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen leiden am Syndrom der müden Beine. Ab 50 Jahren erhöht sich der Anteil sogar auf 50 Prozent. Bei Frauen treten diese Beschwerden fünfmal häufiger als bei Männern auf. Auch fettleibige Menschen, Personen die lange stehen oder an Bewegungsmangel leiden, sind oft davon betroffen.

Häufig steht dieses Syndrom in direktem Zusammenhang mit dem Beruf. Personen, die lange Zeit stehen müssen, sind besonders gefährdet, daran zu leiden. Erfahre anschließend mehr darüber.

Syndrom der müden Beine: Was ist das?

Der natürliche Zellalterungsprozess führt dazu, dass sich die Zellwände schneller vergrößern. Dies wiederum bewirkt, dass die Blutgefäße empfindlicher und weniger effizient werden. Die Venen ermöglichen den venösen Rückstrom des Blutes in den rechten Herzvorhof. Die Venenklappen ermöglichen den Transport des Blutes in Richtung Herz (gegen die Schwerkraft), indem sie den Rückfluss verhindern. Sie werden von der Muskelpumpe durch entsprechende Bewegungen unterstützt.

Wenn jedoch eine venöse Insuffizienz vorliegt, da zum Beispiel die Muskelpumpe oder die Venenklappen nicht richtig funktionieren, können sich verschiedene Beschwerden bemerkbar machen: Schweregefühl, Müdigkeit oder Schwellungen, die sich vorwiegend an den Beinen äußern. 

Bei einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) kommt es zu venösen Abflussbehinderungen, Mikrozirkulationsstörungen und trophischen Veränderungen in den Beinen und Füßen. Hautvenenveränderungen, Ödeme, Besenreiser und Krampfadern sowie andere Komplikationen weisen auf diese Insuffizienz hin. 

Syndrom der müden Beine
Das Syndrom der müden Beine kann durch eine chronisch-venöse Insuffizienz ausgelöst werden.

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Das Syndrom der müden Beine

Die häufigsten Anzeichen für das Syndrom der müden Beine sind folgende:

  • Schweregefühl und Ödeme in den Beinen
  • Schmerzen
  • Juckreiz
  • Müdigkeit
  • Muskelkrämpfe
  • Nächtliche Parästhesie („eingeschlafene“ Beine)
  • Kribbelgefühl oder Muskelkater
  • Besenreiser oder Krampfadern (geweitete Venen, die den korrekten venösen Rückfluss des Blutes zum Herzen verhindern). Besenreiser sind kleine rote Äderchen, Krampfadern sind größer und weisen oft eine blaue Farbe auf.
  • Schwellungen, die sich verschlimmern, wenn Betroffene stehen oder sich länger nicht bewegen.

Klinische Daten weisen darauf hin, dass es in den meisten Fällen zu Juckreiz, Schweregefühl und Schmerzen kommt. 

Verschiedene Faktoren erhöhen die Gefahr, an diesem Syndrom zu leiden. Dazu gehören folgende:

  • Alter: Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass das Risiko für venöse Krankheiten bei Menschen über 65 Jahren um 60 Prozent höher ist.
  • Persönliche Umstände, wie zum Beispiel Durchblutungsstörungen und damit zusammenhängende Krankheiten
  • Genetische Veranlagung (familiäre Belastung)
  • Hormonelle Ursachen (vor allem in der Schwangerschaft, während oder nach den Wechseljahren und durch orale Verhütungsmittel und Hormontherapien)
  • Morphologie der Füße: Plattfüße erhöhen die Gefahr, da in diesem Fall die Muskelkontraktion beim Gehen geringer ist.

Darüber hinaus gibt es auch Faktoren, die relativ einfach verhindert werden können:

  • Bewegungsmangel
  • Langes Stehen oder Sitzen
  • Lange Sonnenexposition oder hohe Temperaturen
  • Risikoberufe: Gesundheitspersonal, Flugbegleiter, Berufe im Gastgewerbe, Friseure, Büroangestellte, Fahrer, Lehrer usw.
  • Übergewicht und Adipositas, vor allem bei Frauen. Durch das adipöse Gewebe in den Beinen ist die Muskelpumpe weniger effizient, die für den venösen Rückfluss wichtig ist.
  • Verstopfung erhöht den abdominalen Druck und kann deshalb ebenfalls den venösen Rückfluss des Blutes zum Herzen beeinflussen.
  • Sehr enge Kleidung im Bereich der Beine und Hüften behindert den venösen Rückfluss ebenfalls.
  • Hohe Temperaturen führen zur Erweiterung der Venen und erschweren den Rückfluss des Blutes zum Herzen.

Alle diese Faktoren spielen beim Syndrom der müden Beine eine Rolle. Du solltest deshalb versuchen, einen gesunden Lebensstil zu führen, um langfristig Komplikationen vorzubeugen.

enge Kleidung und das Syndrom der müden Beine
Manche Faktoren, die zu müden Beinen führen, kannst du relativ einfach verhindern. Verzichte zum Beispiel auf zu enge Kleidung!

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Vorsorge und Behandlung

Besonders wichtig ist, dass du bestimmte Lebensgewohnheiten veränderst. Folgende Maßnahmen können dir dabei helfen:

  • Die Beine hochlagern: Du solltest deine Beine zwei- bis dreimal täglich mindestens 30 Minuten hochlagern. Setze dich auf einen Stuhl und stütze deine Beine zum Beispiel an der Wand ab, damit sie höher liegen. Du kannst dich auch ins Bett legen, darfst die Beine beim Hochlagern jedoch auf keinen Fall überkreuzen.
  • Täglich Sport treiben: Du solltest dir jeden Tag 30 bis 60 Minuten für Bewegung Zeit nehmen! Spezifische Beinübungen sind besonders effizient. Auch Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Pilates oder Yoga sind eine ausgezeichnete Wahl.
  • Übergewicht verhindern: Achte auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, um Übergewicht zu vermeiden. Falls nötig lässt du dir am besten von einem Ernährungsberater helfen.
  • Hitze und Sonnenexposition vermeiden: Du kannst deine Beine mit kaltem Wasser abspritzen, um die Durchblutung anzuregen!
  • Lagere deine Beine während der Nachtruhe rund 10 bis 20 cm höher als den Rest des Körpers.
  • Verwende keine eng anliegende Kleidung oder Schuhe: Entscheide dich für Kleidung aus natürlichen Textilien, damit deine Haut atmen kann. Die Kleidung und die Schuhe sollten nicht zu eng sein. Vergiss nicht, dass auch hohe Absätze nicht zu empfehlen sind.
  • Verstopfung vorbeugen oder behandeln: Achte auf die regelmäßige Darmentleerung. Solltest du Probleme wie Verstopfung haben, kannst du durch eine entsprechende Ernährung sehr viel erreichen.
  • Kontrolliere deinen Blutdruck.
  • Massagen von den Füßen in Richtung Herz: Um die Durchblutung anzuregen und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe zu verhindern, kannst du deine Füße und Beine jeden Tag massieren.
Syndrom der müden Beine: Was tun?
Kompressionsstrümpfe können ebenfalls sehr hilfreich sein!

Behandlungsmöglichkeiten

Das Syndrom der müden Beine ist keine ernste Erkrankung, wird jedoch zunehmend zum Problem. Folgende Behandlungen sind möglich, um die Beschwerden zu lindern:

  • Kompressionstherapie: Kompressionsstrümpfe oder Bandagen üben Druck auf das venöse Beingefäßsystem aus, um die Fließgeschwindigkeit des Blutes zu verbessern. Lasse dich von deinem Arzt beraten.
  • Hydrotherapie: Kalte oder lauwarme Duschen in Kombination mit Massagen sind ebenfalls sehr förderlich. Damit kannst du die Durchblutung anregen und den venösen Rückfluss erleichtern.
  • Phytotherapie: Verschiedene Arzneipflanzen verbessern ebenfalls die Durchblutung. Auch in diesem Bereich solltest du dich von einem Experten beraten lassen. In vielen Fällen empfehlen sich Ginkgo biloba, Mäusedorn, Hamamelis virginiana und andere Heilpflanzen.
  • Arzneimittel: Der Arzt kann venenstärkende Medikamente verschreiben, um den venösen Rückfluss zu verbessern.
  • Chirurgischer Eingriff: In ernsten Fällen kann ein vaskulärer Eingriff erforderlich sein.

Das Syndrom der müden Beine beeinträchtigt die Lebensqualität, wenn keine entsprechenden Maßnahmen getroffen werden. Am besten lässt du dich deshalb bereits bei den ersten Anzeichen von deinem Arzt untersuchen und beraten!