Wie entsteht Krebs?

22 April, 2020
Die Entstehung von Krebs ist ein komplexer Prozess, der durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst wird. Erfahre heute mehr über dieses Thema.

Der Begriff „Krebs“ beschreibt eine Gruppe von Krankheiten, die sich durch die schnelle und unkontrollierte Wucherung von Körperzellen charakterisieren. Doch wie entsteht Krebs eigentlich? Hast du dir diese Frage auch schon gestellt?

Ein Tumor entsteht meist durch Schäden am Erbmaterial oder durch Fehler beim Ablesen der Erbinformation, die in Proteine übersetzt wird. Die Ursachen für diese Veränderungen können genetisch oder spontan sein. Bestimmte Substanzen können die unkontrollierte Vermehrung von Krebszellen fördern oder hemmen. 

Wie entsteht Krebs?

Ein Tumor entsteht, wenn sich die genetische Information der DNA einer Zelle durch äußere oder innere Faktoren verändert und  dadurch ihre Funktionen nicht mehr ausüben kann. Die Zelle vermehrt sich unkontrolliert, dringt in gesundes Gewebe ein, verdrängt dieses und zerstört es. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Krankheit.

Gene beinhalten die Baupläne aller Proteine, die an wichtigen Körperfunktionen beteiligt sind. Wichtig ist, zwischen Protoonkogenen und Suppressorgenen zu unterscheiden. 

  • Protoonkogene sind „normale“ Gene der Zelle, welche die Zellteilung als lebenswichtige Funktion anregen. Sie ermöglichen zum Beispiel die Entwicklung des Babys während der Schwangerschaft sowie die Narbenbildung bei Wunden. Protoonkogene können jedoch durch eine Mutation zu Onkogenen werden.
  • Suppressorgene unterdrücken die unkontrollierte Teilung genomisch geschädigter Zellen. Sie verhindern also die Bildung von Tumoren.

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Tumorgenetik

Jede Veränderung des Gleichgewichts der Funktionen der Protoonkogene und der Suppressorgene führt zu einer Unregelmäßigkeit im Zellkontrollsystem.

Dieses Ungleichgewicht kann zu einer vermehrten Produktion eines Proteins führen, das für das Zellwachstum zuständig ist. Dadurch kann es gleichzeitig eine abnormale Vermehrung einer bestimmten Zellart hervorrufen.

Es kann jedoch auch die vermehrte Bildung von Proteinen mit abnormalen Eigenschaften zur Folge haben. Dadurch können Zellschäden nicht repariert werden und bestimmte Organe erkranken. 

Krebszellen

Risikofaktoren

Da Krebs eine multifaktorielle Krankheit ist, müssen viele unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden. Doch Wissenschaftler konnten bestimmte Faktoren bestimmen, welche die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung erhöhen. Risikofaktoren werden von der Weltgesundheitsorganisation wie folgt definiert:

„Jede Eigenschaft, Charakteristik oder Exposition eines Individuums, welche die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine Krankheit oder Verletzung zu erleiden.“

Zu den Risikofaktoren gehören chemische Produkte sowie bestimmte Gewohnheiten und Tätigkeiten. Auch die Familiengeschichte (von direkten Angehörigen, die an Krebs erkrankt sind) gelten bei vererbten Krebsarten für gewöhnlich als wichtige Einflussfaktoren.

Wie entsteht Krebs?

Eine Genmutation, die Krebs auslösen kann, kann zum Beispiel aus folgenden Gründen stattfinden:

  • Der Umgang mit kanzerogenen Stoffen
  • Spontane Genmutationen während des Zellwachstums
  • Vererbbare Genmutationen

Die ersten Punkte auf dieser Liste können auch als sporadische Krebsformen bezeichnet werden. Diese Krebsarten zeichnen sich durch eine Besonderheit aus: die genetischen Veränderungen, die dafür verantwortlich sind, hängen zu 80 % von umweltbedingten Risikofaktoren ab (Infektionen, Strahlung, Chemikalien).

Diagnose Krebs

Familiärer Krebs

Wenn die Krebserkrankung auf einer angeborener genetischen Veranlagung beruht, spricht man von familiärem Krebs. Personen mit einem hohen familiären Risiko sollten deshalb regelmäßig zur Krebsfrüherkennung gehen. 

Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass Krebs eine weit verbreitete Krankheit ist. Dass mehrere Familienmitglieder daran leiden, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass es sich um eine angeborene Erkrankung handelt. Es ist auch möglich, dass gemeinsame Risikofaktoren vorliegen. So können zum Beispiel mehrere Familienmitglieder starke Raucher sein und der Rest der Familie Passivraucher.

Ein familiärer Krebs kann in folgenden Fällen vorliegen:

  • Mehr als ein Familienmitglied leidet an der gleichen Krebsart.
  • Der Krebs tritt sehr früh auf (Brustkrebs bei einer 20-jährigen Frau).
  • Ein Mensch erkrankt an mehreren Krebsarten (eine Frau hat zum Beispiel Brustkrebs und Eierstockkrebs).
  • Beide Organe sind davon betroffen (beide Brüste, Ovarien oder Nieren).
  • Der Krebs tritt über mehrere Generationen hinweg auf.

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Wie entsteht Krebs? Abschlussbemerkung

Der Begriff Krebs beschreibt eine Reihe von Krankheiten, denen ein gemeinsames Merkmal zugrunde liegt: Die schnelle und unkontrollierte Wucherung von bösartigen Körperzellen. Das kann mit Umweltfaktoren, dem Lebensstil oder auch Vorerkrankungen innerhalb der Familie zusammenhängen.

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