Frozen Shoulder: Risikofaktoren und Behandlung

3 Dezember, 2019
Die Frozen Shoulder ist eine pathologische und traumatologische Erkrankung der Schultergelenkkapsel. Man bezeichnet diese Krankheit auch als adhäsive Kapsulitis, da die Entzündung mit Verklebungen und Verwachsungen der Schulterkapsel einhergeht.

Die Frozen Shoulder ist eine pathologische und traumatologische Erkrankung der Schultergelenkkapsel. Man bezeichnet diese Krankheit auch als adhäsive Kapsulitis, da die Entzündung mit Verklebungen und Verwachsungen der Schulterkapsel einhergeht. Weitere Bezeichnungen dieses Krankheitsbildes sind Humerocapsulitis adhaesiva, Capsulitis fibrosa oder fibröse Schultersteife.

Um diese Krankheit zu verstehen, gehen wir zuerst näher auf die Anatomie der Schulter ein. Das Schultergelenk umfasst den Oberarmknochen (Humerus), das Schlüsselbein (Clavicula) und das Schulterblatt (Scapula), die von einer schützenden Gelenkkapsel (Capsula arcicularis) umgeben werden. Diese Gelenkkapsel stabilisiert das Schultergelenk und ist außerdem für die Bildung der vom Gelenkknorpel benötigten Gelenkflüssigkeit zuständig. Bei einer Frozen Shoulder kommt es zu einer Entzündung dieser Gelenkkapsel.

Schätzungsweise leiden rund 2 Prozent der Weltbevölkerung irgendwann im Leben an dieser Entzündungskrankheit. Vorwiegend kommt es dazu in einem Alter zwischen vierzig und sechzig Jahren, wobei Frauen häufiger als Männer davon betroffen sind.

Wie wir später noch erklären werden, sind manche Menschen dafür anfälliger als andere. Insbesondere wird fehlende Bewegung für die Entzündung der Gelenkkapsel verantwortlich gemacht. Deshalb erfolgt die Diagnose häufig bei Personen mit Bewegungsunfähigkeit.

Symptome und Diagnose der Frozen Shoulder 

Die Frozen Shoulder entwickelt sich allmählich, die Symptome entstehen nicht von heute auf morgen. Man unterscheidet drei unterschiedliche Phasen, die insgesamt bis zu vier Jahre lang dauern können. Anschließend beschreiben wir diese Phasen etwas genauer:

  • Phase 1: Freezing Shoulder. In der ersten Phase machen sich Schmerzen bei der Bewegung der Schulter bemerkbar. Diese kann zwar noch bewegt werden, doch ist eingeschränkt. Diese Periode kann zwei bis neun Monate lang andauern.
  • Phase 2: Frozen Shoulder. Die Schulter wird steif und kann nur noch mit großen Schwierigkeiten bewegt werden. Auch bei einfachen alltäglichen Aktivitäten sind Beschwerden vorhanden. Diese Phase dauert ungefähr sechs Monate lang.
  • Phase 3: Thawing Shoulder. Die Symptome verbessern sich auf natürliche Weise oder durch die ärztliche Behandlung. Die komplette Genesung kann zwischen zwei Monaten und zwei Jahren dauern.

Für die Diagnose führt der Arzt eine gründliche klinische Untersuchung durch, denn die Symptome sind eindeutig. In der Regel versucht der Arzt die schmerzende Schulter in verschiedene Richtungen zu bewegen. Damit bewertet er die passive Bewegungsfähigkeit. Gleichzeitig bittet er den Patienten auch, den Arm aus eigener Kraft zu bewegen, um die aktive Bewegungsfähigkeit zu beurteilen.

Bei einer steifen Schulter sind sowohl die aktiven als auch die passiven Bewegungskapazitäten eingeschränkt und schmerzhaft.

Frozen Shoulder

Risikofaktoren

Die eingefrorene Schulter entsteht insbesondere dann, wenn es an Bewegung mangelt. Wer lange Zeit bettlägerig ist, läuft deshalb größere Gefahr, daran zu erkranken. Auch wenn die Bewegungsfähigkeit des Schulterbereichs durch eine Verletzung eingeschränkt ist, kann es dazu kommen.

Einige Risikofaktoren, die durch mangelnde Bewegung zu einer Frozen Shoulder führen könnten, sind:

  • Alter: Personen in fortgeschrittenem Alter, die für Bewegungen Hilfe benötigen.
  • Ober- oder Unterarmbruch: Bewegungsmangel durch die Ruhigstellung mit einem Gipsverband
  • Schlaganfall: Die Genesung nach einem Schlaganfall ist langsam und die Beweglichkeit reduziert.
  • Postoperative Phase: Nach einer größeren Operation ist meist eine längere Ruhephase notwendig.

Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, dass verschiedene Krankheiten einen Risikofaktor darstellen, auch wenn sie keinen Bewegungsmangel zur Folge haben. Dazu zählen beispielsweise folgende:

  • Diabetes: Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass  20 % der Diabetiker irgendwann im Leben an einer Frozen Shoulder leiden. Doch die genauen Gründe dafür sind unbekannt.
  • Veränderungen der Schilddrüse: Hypothyreose und Hyperthyreose
  • Parkinson-Krankheit 
Frozen Shoulder durch Gipsverband
Wenn es durch einen Gips zur Ruhestellung des Unter- oder Oberarms kommt, könnte in der Folge eine Frozen Shoulder entstehen.

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Behandlung einer Frozen Shoulder

Die meisten Patienten erfahren eine Verbesserung, wenn sie entzündungshemmende Medikamente einnehmen und Physiotherapie machen. Rund 90 % der Betroffenen erfordern keinen korrektiven chirurgischen Eingriff. 

Meist werden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen, oder Kortikoide verschrieben. Kortison kann direkt in den schmerzenden Bereich injiziert werden.

Auch die Physiotherapie ist ein wesentlicher Teil der Behandlung. Es gibt verschiedene Übungen und Bewegungen der steifen Schulter, die sehr hilfreich sind. Darüber hinaus sind auch Wärmeanwendungen vorteilhaft, um die Steifheit zu lockern.

Sollte es keine andere Möglichkeit geben und keine andere Methode helfen, ist auch ein chirurgischer Eingriff möglich. Meist kann eine Operation vermieden werden, doch in manchen Fällen ist diese Option nötig.

Bei einem chirurgischen Eingriff gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Bewegung der Schulter: Unter Narkose mobilisiert der Arzt die steife Schulter, was dazu führt, dass die steife Kapsel bricht und das Gelenk freigelegt wird.
  • Arthroskopie: Durch eine Gelenkspiegelung unter Vollnarkose  werden die Verklebungen im Schultergelenk gelöst, damit der Patient wieder seine Beweglichkeit zurückerlangt.

Abschließende Bemerkung

Wie wir aufgezeigt haben, ist eine Frozen Shoulder oder ein steifes Schultergelenk stark einschränkend und schmerzhaft. Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Schulter zu bewegen und deine alltäglichen Aktivitäten durchzuführen, solltest du einen Arzt konsultieren, der die richtige Diagnose stellen und eine entsprechende Behandlung einleiten kann. 

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