Was tun, wenn Kinder beißen?

· 9 November, 2018
Es ist natürlich nicht sehr schön, wenn du erfahren musst, dass dein Kind ein anderes Kind im Kindergarten oder in der Schule gebissen hat oder selbst gebissen wurde. Doch Kinder beißen, weil sie noch nicht wissen, wie sie mit negativen Gefühlen umgehen können.

Kinder beißen oft ab einem Alter von ca. 2 oder 3 Jahren. Denn dann beginnen sie, Gefühle zu erfahren, die sie vorher so nicht kannten (wie Zorn, Frustration, Wut oder Eifersucht).

Sie wissen noch nicht, wie sie mit diesen Emotionen richtig umgehen können. So kann es vorkommen, dass sie als Folge daraus versuchen, zu beißen.

Das Problem mag an sich vielleicht nicht allzu beunruhigend sein. Aber es kommt doch recht häufig vor. Kinder können noch nicht richtig zum Ausdruck bringen, was sie fühlen. Und dann zeigen sie es eben durch Beißen.

Warum beißen Kinder?

Die Ursache für das Beißen zu verstehen, ist ein erster wichtiger Schritt. Denn nur so kannst du dann erreichen, dass dein Kind dieses aggressive Verhalten aufgibt.

In der Regel beißen Kinder gerade dann, wenn sie nicht bei ihren Eltern sind. Das heißt, wenn sie unter Aufsicht von Fremden stehen oder von anderen Personen betreut werden.

Aber natürlich kommt es durchaus auch vor, dass Kinder ihre Eltern oder Geschwister beißen. Das Beißen bedeutet etwas und du solltest unbedingt versuchen, herauszufinden, was dahinter steht. Denn Kinder zeigen dieses Verhalten, weil es Zuhause Dinge gibt, die sie beunruhigen oder ängstigen.

Dabei kann es sich beispielsweise um folgende Situationen handeln:

  • Der Tod eines nahen Verwandten oder eines Elternteils.
  • Die Geburt eines neuen Geschwisterchens. Das kann dein Kind eifersüchtig machen.
  • Scheidung oder Trennung der Eltern.
  • Ein Umzug. Denn das Kind ist nicht mehr in der ihm bekannten Umgebung. Das Verlieren der Bezugspunkte verunsichert es.
  • Das Kind ist Zeuge von häuslicher Gewalt.
  • Auch beißen Kinder, weil sie Frustration, Einsamkeit und Hilflosigkeit verspüren.
  • Es braucht mehr Zuwendung oder Autonomie.
  • Die Kinder sind sehr rüpelhaft oder überreizt.
  • Manchmal beißen Kinder auch durch Nachahmung. Das heißt, sie beißen, weil sie selbst gebissen wurden.
  • Außerdem kann es vorkommen, dass Kinder sogar beißen, um ihre Liebe auszudrücken.
  • Das Gefühl von Wut oder Angst überkommt sie.

Was tun, wenn Kinder beißen?

Kinder beißen sich

Zwar ist es üblich, dass kleine Kinder beißen. Aber genauso üblich ist es auch, dass sie damit mit zunehmenden Alter wieder aufhören.

Doch allein das Wissen darum, dass es sich um ein übliches Phänomen handelt, reicht nicht unbedingt dazu aus, die Eltern zu beruhigen. Weder diejenigen, deren Kinder beißen. Und noch viel weniger jene, deren Kinder gebissen werden.

Aber es kann nun mal vorkommen, dass du selbst sehen musst, dass dein Kind ein anderes beißt. Oder dass die BetreuerInnen aus dem Kindergarten oder der Schule dir berichten, dass dein Kind dort jemanden gebissen hat.

In diesen Fällen empfehlen wir dir, die unten beschriebenen Strategien zu befolgen. Denn sie stellen eine gute Möglichkeit dar, deinem Kind zu helfen. Dann kann es diese Phase so schnell wie möglich hinter sich lassen.

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Kind gebissen? Kümmere dich um Opfer und Angreifer

Zuerst solltest du ruhig und sanft das gebissene Kind untersuchen. Aber ignoriere dabei nicht komplett das Kind, das gebissen hat. Doch ist es wichtig, dass du dich als erstes dem Opfer der Beißattacke zuwendest.

Stelle sicher, dass es keine medizinische Hilfe braucht. So erkennt das Kind, das gebissen hat, auch Folgendes: Es erhält durch sein Verhalten keineswegs automatisch deine Aufmerksamkeit.

Zugleich solltest du aber auch versuchen, das beißende Kind in den Prozess der Fürsorge und Aufmerksamkeit für das angegriffene Kind miteinbeziehen. Denn so kann es merken, dass seine Handlung Schaden und Schmerzen verursacht hat.

Aber behandele den Angreifer oder die Angreiferin nicht kalt oder distanziert. Dadurch würdest du nur erreichen, dass das Kind sich verschließt. Und dann wird es dir keine Antwort geben wollen, wenn du von ihm wissen möchtest, warum es sich so verhalten hat.

Bleib ruhig und bestrafe nicht

Natürlich kann es passieren, dass dein erster Impuls angesichts des aggressiven Verhaltens des Kindes ist, dich selbst zu bestimmten negativen Handlungen hinreißen zu lassen. Denn du ärgerst dich vielleicht im ersten Moment darüber.

Doch du solltest unbedingt versuchen, die Ruhe zu bewahren. Denn eine gewalttätige Reaktion, eine übermäßige Rüge oder Bestrafung wird nur die Gefühle von Wut und Frustration verstärken, die in dem Kind das Beißen ausgelöst haben.

Versuche, mit dem Kind auf ganz ruhige und sanfte Art und Weise zu sprechen. Erkläre ihm mit einfachen Worten, dass das Beißen sehr weh tun kann. Und dass es sowas auf keinen Fall nochmal tun soll, egal wie wütend es ist.

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Sprich mit deinem Kind darüber, wie es sich verhalten soll, wenn es wütend ist

Bring deinem Kind bei, Hilfe von einem Erwachsenen in der Nähe zu suchen, wenn es wütend wird.

Da Beißen in Kindertagesstätten und im Kindergarten häufiger vorkommt, solltest du deinem Kind außerdem beibringen, Dinge, die ihm nicht gefallen, zum Ausdruck zu bringen.

Es sollte die BetreuerInnen wissen lassen, dass es wütend ist. Und es sollte erkennen, dass es besser ist, zu reden anstatt das Kind, das es wütend gemacht hat, anzugreifen.

So kommt es vor, dass beispielsweise ein anderes Kind das Spielzeug, mit dem dein Kind spielte, wegnimmt.

In diesem Fall sollte es lernen, dem anderen Kind zu sagen, dass es das nicht mag. Und im Anschluss sollte es den BetreuerInnen über den Vorfall Bescheid sagen, damit diese ihm helfen, die Situation zu lösen.

Natürlich ist es sehr wichtig, dass auch du mit dem BetreuerInnen sprichst. Denn du musst wissen, wie diese mit dem aggressivem Verhalten der Kinder umgehen.

Stärke positive Verhaltensweisen des Kindes

Du solltest dich nicht zu sehr auf das aggressive Verhalten deines Kindes konzentrieren. Viel besser und wirksamer ist es, seine positiven Verhaltensweisen zu stärken.

Ab etwa 3 Jahre sind Kinder gern mit Gleichaltrigen zusammen. Wann immer dein Nachwuchs ruhig und ohne aggressive Zwischenfälle mit anderen Kindern spielt, solltest du sein gutes Benehmen loben: „Wie schön du heute mit deinen Freunden gespielt hast! Das war sehr schön, das hast du gut gemacht.“

Zugleich solltest du aber auch über das Beißen sprechen. So kannst du beispielsweise beim Essen darüber reden, warum man Brot oder Obst beißt. Nämlich, um den Geschmack wahrzunehmen, um sich zu ernähren. Und erkläre, warum man seine Freunde nicht beißen sollte.

Beiß nie dein Kind

Einige glauben, dass, wenn sie das Kind ebenfalls beißen, dieses verstehen wird, dass Beißen schmerzhaft ist. Doch tatsächlich ist das ein völliger Irrtum.

Ein Kind, das von seinen Eltern gebissen wird, lernt dadurch einfach nur, dass dieses Verhalten erlaubt ist, um Wut und Zorn rauszulassen.

Allgemein gilt: Das Beispiel, das wir unseren Kindern geben, ist überzeugender als alle Argumente, die wir vorbringen können. Also: Beiß dein Kind nie. Auch nicht als Teil eines Spiels oder eines Witzes.

Sei aufmerksam und gebiete deinem Kind Einhalt

Mutter mit zwei streitenden Kindern

Solange die Kinder noch lernen, Kontrolle über sich selbst zu haben, ist Folgendes wichtig:

Du solltest auf die Faktoren achten, die das Beißen auslösen. Denn durch aufmerksames Beobachten kannst du erkennen, was das aggressive Verhalten des Kindes verursacht. Und dann kannst du deinem Zögling rechtzeitig Einhalt gebieten.

Wenn du siehst, dass dein Kind im Begriff ist, ein anderes zu beißen, musst du ganz klar und offen sein. Ohne dabei die Ruhe zu verlieren, solltest du es zur Seite nehmen. Und ihm erklären, warum das, was es tut, falsch ist:“Es ist nicht richtig, jemanden zu beißen. Und ich werde nicht zulassen, dass du deinen Freund beißt.“

Das Wichtigste zum Schluss

Ganz wichtig ist bei alldem vor allem eins: Lass dein Kind immer spüren, dass du es liebst. Denn die Liebe, die du deinem Kind gibst, wird ihm dabei helfen, die Gründe für sein Beißen auszudrücken.

Dein Kind muss verstehen, dass du sein Verhalten missbilligst, aber dass du deswegen nicht aufgehört hast, es zu lieben.