Was ist Pilocarpin und wann wird es empfohlen?

Pilocarpin ist ein Medikament, das bei der Behandlung von Glaukomen eingesetzt wird, weil es den Augeninnendruck wirksam senkt. In diesem Artikel erfährst du alles Wissenswerte darüber.
Was ist Pilocarpin und wann wird es empfohlen?

Letzte Aktualisierung: 08. Februar 2022

Der Augapfel kann von unterschiedlichen Krankheiten betroffen sein. Zum Glück gibt es Medikamente wie Pilocarpin, die lokal wirken und helfen, die Auswirkungen von Augenkrankheiten zu verbessern.

Pilocarpin ist ein Medikament, das zur Gruppe der direkten cholinergen Agonisten gehört. Der Wirkstoff ist sehr nützlich bei Glaukom und hohem Augeninnendruck. Studien haben gezeigt, dass einige Tropfen des Medikaments den Augeninnendruck um bis zu einem Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg) senken können.

Der Wirkstoff kann gut aufgenommen und im Körper verteilt werden, sodass er sowohl lokale als auch systemische Wirkungen hat.

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Wie wirkt Pilocarpin?

Pilocarpin bindet sich an eine Gruppe von Rezeptoren des autonomen Nervensystems, die sogenannten Muscarinrezeptoren. Auf diese Weise kann es die Funktionen eines Neurotransmitters namens Acetylcholin nachahmen und parasympathische Wirkungen erzeugen.

Das Medikament bindet an die M3-Muscarinrezeptoren im Augapfel. Diese Rezeptoren befinden sich im Ziliarmuskel und im Musculus constrictor der Pupille. Die Bindung des Medikaments an die Rezeptoren führt zu einer Erhöhung der Kalziumionenkonzentration in den Zellen, was eine Muskelkontraktion auslöst.

Die Kontraktion des Ziliarmuskels führt zur Akkommodation der Linse, was den Fluss des Kammerwassers, einer im Auge enthaltenen Flüssigkeit, erleichtert. Der verstärkte Abfluss und die Rückresorption des Kammerwassers sorgen dafür, dass der Augeninnendruck sinkt.

Da M3-Rezeptoren auch in den Speicheldrüsen zu finden sind, kann Pilocarpin auch die Speichelproduktion erhöhen.

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Wann wird dieses Medikament empfohlen?

Die Anwendung von Pilocarpin wird bei allen Augenerkrankungen empfohlen, die mit einem Anstieg des Augeninnendrucks einhergehen. Dennoch ist eine der Hauptindikationen das Glaukom, unabhängig davon, ob es sich um ein offenes oder geschlossenes Glaukom handelt. Denn in diesen Fällen kann eine Senkung des Augeninnendrucks helfen, Netzhautschäden und Sehkraftverlust zu verhindern.

Augenhochdruck ist eine weitere Erkrankung, die mit Pilocarpin behandelt werden kann. Es handelt sich dabei um eine Krankheit, die durch einen erhöhten Augeninnendruck unbekannter Ursache gekennzeichnet ist. Der hohe Augeninnendruck kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, von der längeren Einnahme von Steroiden bis hin zu chirurgischen Eingriffen.

Darüber hinaus kann Pilocarpin auch in bestimmten Fällen eingesetzt werden, in denen es notwendig ist, die Pupille zu verengen. Außerdem kann es bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen, die das Sehvermögen beeinträchtigen, nützlich sein.

Pilocarpin - Mann wird an den Augen untersucht
Pilocarpin kann den Augeninnendruck senken. Daher ist es für die Behandlung und das Management von Glaukomen hilfreich.

Wie wird Pilocarpin angewendet?

Bevor du eine Behandlung mit Pilocarpin beginnst, solltest du deinem Arzt/deiner Ärztin alle Vorerkrankungen mitteilen, die du hast. Außerdem ist es wichtig, alle Allergien gegen Medikamente oder Lebensmittel anzugeben, um jede Art von Kreuzreaktion zu vermeiden.

Die Substanz wird normalerweise in flüssiger oder in Gelform zum direkten Auftragen auf den Augapfel vermarktet. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass die empfohlene Tagesdosis 30 Milligramm beträgt, verteilt auf drei bis vier Anwendungen. Allerdings solltest du dich immer an die von einem Facharzt oder einer Fachärztin empfohlene Dosierung halten.

Die Anwendung des Medikaments ist ganz einfach und kann von jedem bequem zu Hause durchgeführt werden. Wenn du das Medikament verwendest, solltest du zudem die folgenden Empfehlungen befolgen:

  • Wasche dir zuerst gründlich die Hände mit Wasser und Seife.
  • Dann legst du dich hin oder legst deinen Kopf zurück.
  • Ziehe dein unteres Augenlid mit dem Zeigefinger nach unten, um eine Art Tasche zwischen dem Augenlid und dem Auge zu bilden.
  • Wenn du Tropfen verwendest, führst du den Tropfer nahe an das Auge und tropfst die erforderliche Menge in die Tasche. Dabei sollte der Applikator nicht die Oberfläche des Auges berühren.
  • Wenn du Gel verwendest, führst du die Spitze des Gels nahe an das Auge und trägst einen Streifen auf die Innenseite des unteren Augenlids auf. Anschließend wischst du die Spitze der Tube mit einem sauberen Taschentuch ab.

Es ist wichtig, das Auge nach der Anwendung von Pilocarpin ein paar Minuten lang zu schließen. Danach entfernst du die überschüssige Flüssigkeit im Gesicht und kannst mit deinen täglichen Aktivitäten fortfahren. Die Anwendung des Gels sollte vor dem Schlafengehen erfolgen, damit eventuelle Medikamentenreste am nächsten Tag ausgespült werden können.

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Risiken und Überlegungen

Pilocarpin (in Form von Augentropfen oder als Gel) ist ein sicheres Medikament, das in der Regel nur wenige Nebenwirkungen hat. Unerwünschte Wirkungen sind in der Regel leicht und klingen innerhalb weniger Minuten von selbst ab.

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen des Wirkstoffs gehören die folgenden:

  • Jucken, Brennen oder Stechen in den Augen
  • Epiphora oder übermäßiger Tränenfluss
  • Rötung der Augen und Augenlider
  • Verschwommenes Sehen
  • Kopfschmerzen oder Schwindelgefühl

Es gibt bestimmte Bedingungen, bei denen die Anwendung von Pilocarpin am Auge nicht empfohlen wird, da es die Situation verschlimmern kann. Die wichtigste Kontraindikation ist eine Allergie gegen den Wirkstoff.

Weitere Bedingungen, bei denen bei der Verabreichung des Medikaments Vorsicht geboten ist, sind folgende:

  • Iritis
  • Uveitis
  • Einige Fälle von angeborenem Glaukom
  • Asthma oder Atemprobleme
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Pilocarpin - Frau reibt sich die Augen
Menschen mit Iritis können diese Tropfen oder das Gel nicht verwenden. Daher sollten sie ihren Arzt bzw. ihre Ärztin um Alternativen bitten.

Wann du einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen solltest

Wenn du nach der Anwendung von Pilocarpin schwere Symptome verspürst, solltest du umgehend einen Arzt/eine Ärztin aufsuchen. Zu den Warnzeichen, die auftreten können, gehören folgende:

  • Dyspnoe oder Atembeschwerden
  • Hautausschlag
  • Anschwellen der Zunge, der Lippen oder des Rachens
  • Schwere Schwindelgefühle

Die Entwicklung von systemischen Symptomen nach einer Überdosis Pilocarpin ist sehr selten. Dennoch sollten Betroffene auch bei den folgenden Symptomen einen Arzt aufsuchen:

  • Starkes Schwitzen oder Diaphorese
  • Erbrechen und Durchfall
  • Magenverstimmung
  • Muskelzittern
  • Erhöhter Speichelfluss
  • Muskelschwäche

Pilocarpin: Eine wirksame und sichere Behandlung von Glaukomen

Pilocarpin ist eines der Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Glaukomen. Der Wirkstoff ist sehr effektiv bei der Senkung des Augeninnendrucks, da er sich an Muskarinrezeptoren bindet.

Glücklicherweise sind Nebenwirkungen selten und wenn sie auftreten, klingen sie in der Regel innerhalb weniger Minuten von selbst ab. Dennoch solltest du das Medikament nicht ohne ärztliche Verschreibung verwenden, da eine zu hohe Dosis schwerwiegende systemische Wirkungen auslösen kann.

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