Was ist orthognatische Chirurgie?

Die orthognatische Chirurgie ist eine Lösung für alle, die Fehlbildungen oder Anomalien im Unterkiefer, Oberkiefer oder in beiden Bereichen haben. Es handelt sich um ein sicheres Verfahren mit einer anspruchsvollen postoperativen Phase.
Was ist orthognatische Chirurgie?

Letzte Aktualisierung: 21. September 2021

Die orthognatische Chirurgie ist ein zahnärztlicher Eingriff zur Korrektur von Zahnfehlstellungen und Deformationen. Obwohl diese Anomalien mit bloßem Auge oft nicht zu erkennen sind, verändern sie die Gesichtskontur eines Menschen.

Schätzungen zufolge weisen etwa 5 % der Weltbevölkerung irgendeine Art von Zahnanomalie im Ober- oder Unterkiefer auf. Dies wirkt sich nicht nur auf die Ästhetik aus, sondern kann auch das Kauen, Schlucken, Atmen und Sprechen beeinträchtigen.

Was ist orthognatische Chirurgie?

orthognatische Chirurgie - Ärzte im OP
Die orthognatische Chirurgie korrigiert Zahnfehlstellungen.

Die orthognatische Chirurgie ist ein operativer Eingriff, den Fachärzte durchführen, um die Position des Ober- und Unterkiefers zu korrigieren. Eine Fehlstellung verursacht funktionelle Probleme wie Zahnfehlstellungen, Schlafapnoe, Verdauungs- und Sprachschwierigkeiten.

Diese Art der Chirurgie ermöglicht die Lösung von skelettalen Gesichtsdiskrepanzen (der Gesichtsknochen) sowie die Korrektur von Asymmetrien. Außerdem lassen sich damit Verletzungen des Gesichts oder angeborene Defekte in diesem Bereich beheben.

Den Eingriff muss ein Kieferchirurg durchführen. Allerdings ist vorab eine lange Vorbereitungsphase von 12 bis 18 Monaten erforderlich, um die Zähne mit einer Zahnspange auszurichten. Während dieser Zeit erfolgen mehrere Röntgen- und 3D-Bildgebungsuntersuchungen, um die Veränderungen in der Kiefer-Gesichtsstruktur zu überwachen.

Der anschließende operative Eingriff erfordert eine Vollnarkose und einen Krankenhausaufenthalt von zwei bis vier Tagen. Während des Eingriffs nimmt der Chirurg Schnitte an den Knochen vor und fixiert sie dann mit Platten, Gummibändern, Schrauben und Ähnlichem in einer neuen Position.

Orthognatische Chirurgie: Die drei Arten

Es gibt drei Arten der orthognatischen Chirurgie: orthognatische Chirurgie des Oberkiefers, mandibuläre orthognatische Chirurgie und maxillomandibuläre orthognathische Chirurgie. Nachfolgend sehen wir uns die drei Arten etwas genauer an.

Orthognatische Chirurgie des Oberkiefers

Bei der orthognatischen Chirurgie des Oberkiefers wird dieser in die richtige Position gebracht. Ziel ist es, die Harmonie des Gesichts und vor allem die Funktionalität dieses Knochens wiederherzustellen, der für das Kauen, Atmen und Sprechen von entscheidender Bedeutung ist.

Die Operation beinhaltet einen Schnitt im Oberkieferknochen, ein Verfahren, das als Le Fort I Osteotomie bekannt ist. Dieses Verfahren ermöglicht es, den Oberkiefer zu verlängern, zu verkürzen, zurückzuziehen, vorzuschieben oder zu drehen. Wenn sich der Oberkiefer dann in der richtigen Position befindet, fixiert der Chirurg ihn mit Titanplatten. Eine orthognatische Operation des Oberkiefers dauert etwa 40 Minuten.

Mandibuläre orthognatische Chirurgie

Bei dieser Operation wird der Unterkiefer vorverlagert oder rückverlagert. Wenn der Kiefer rückverlagert wird, besteht jedoch die Gefahr, dass die Atemwege verengt werden. Daher wird dieser Eingriff nur selten durchgeführt. Die Vorverlagerung des Unterkiefers hingegen birgt keine größeren Risiken.

Wenn der Unterkiefer gegenüber dem Oberkiefer klein und retrahiert ist, wird normalerweise eine orthognatische Operation am Unterkiefer durchgeführt. Dieser Zustand wird als Retrognathie oder Klasse II bezeichnet und trägt häufig zur Schlafapnoe bei.

Während der Operation schneidet der Chirurg beide Seiten des Kieferknochens ab. Dieser Eingriff wird als bilaterale sagittale Osteotomie bezeichnet. Anschließend wird der Knochen vorgeschoben und mit Titanplatten in seiner neuen Position fixiert. Die Operationszeit beträgt etwa 30 Minuten.

Maxillomandibuläre orthognathische Chirurgie

Die maxillomandibuläre orthognatische Chirurgie ist die häufigste Form der orthognatischen Chirurgie. Dabei werden sowohl der Oberkiefer als auch der Unterkiefer neu positioniert. Ziel ist es, eine korrekte Okklusion zu erreichen und für mehr Harmonie im Gesicht zu sorgen.

Ärzte empfehlen sie unter anderem zur Behandlung von Fehlbildungen wie Klasse II, Klasse III, offenem Biss oder Gesichtsasymmetrie. Während des Eingriffs werden die Verfahren der Oberkiefer- und Unterkieferorthopädie kombiniert. Der Eingriff dauert zwischen 90 und 120 Minuten.

Mögliche Komplikationen

orthognatische Chirurgie - Zahnmodell
Der Eingriff gilt als sicher, obwohl es zu einigen Komplikationen kommen kann.

Die orthognatische Chirurgie ist ein sicherer Eingriff, bei dem nur selten Komplikationen auftreten. Obwohl die postoperative Phase sehr anstrengend ist, schaffen es die meisten Menschen, alles erfolgreich zu überstehen.

Die wichtigsten Komplikationen sind folgende:

  • Blutverlust. Etwa 30 % der Patienten benötigen während der orthognatischen Operation eine Bluttransfusion.
  • Infektionen. Infektionen sind sehr selten. Um sie zu vermeiden, erhält der Patient während der Genesung intravenöse und orale Antibiotika.
  • Nervenschäden. Bei orthognatischen Operationen besteht das Risiko, dass ein Gesichtsnerv verletzt wird.
  • Rückfall des Unterkiefers. Wenn diese Komplikation auftritt, kehrt der Kiefer in die Position zurück, in der er sich vor der Operation befand. Allerdings tritt dies sehr selten auf.
  • Unterkieferfraktur. Dies kommt nur in 2 % der Fälle vor.

Wie läuft der Genesungsprozess ab?

Die postoperative Phase nach einer solchen Operation ist lang und anspruchsvoll. Sie kann bis zu neun Monate dauern. Zudem muss der Patient seine Ernährung umstellen, Alkoholkonsum vermeiden und eine strenge Mundhygiene einhalten. Außerdem ist in der Regel dreimal täglich die Anwendung einer Chlorhexidin-Mundspülung erforderlich.

Nach der Operation empfehlen Experten in der Regel eine Ruhephase von zwei bis drei Wochen. Da das Gesicht geschwollen sein wird, verordnen Ärzte in der Regel einen Kinnschutz, entzündungshemmende Medikamente und kalte Kompressen.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, sofort mit einer Physiotherapie zu beginnen, um die normale Beweglichkeit wiederzuerlangen. In der Regel ist zu Beginn eine Sondenernährung mit einer Spritze erforderlich. Dann wird der Patient auf gemahlene Nahrung, Shakes und Brühen umgestellt.

Orthognatische Chirurgie, ein Weg zur Verbesserung des Selbstwertgefühls

In den meisten Fällen ist vor und nach einer orthognatischen Operation eine kieferorthopädische Behandlung erforderlich. So können die Knochen stabilisiert und eine stabile Okklusion erreicht werden. Deshalb müssen der Chirurg und der Kieferorthopäde als Team zusammenarbeiten.

Die orthognatische Chirurgie ermöglicht es, funktionelle Probleme zu korrigieren, die durch eine Fehlstellung des Oberkiefers, des Unterkiefers oder beider Kiefer verursacht werden. Außerdem verbessert sie das Aussehen des Gesichts. Dies sollte nicht unterschätzt werden, da sich die Fehlstellungen in vielen Fällen auf das Selbstwertgefühl der Betroffenen auswirken.

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