Stress im Kindesalter durch zu viele Aktivitäten

23 April, 2019
Zwar gibt es Studien, die auf die Wichtigkeit des Spiels für die kindliche Entwicklung hinweisen, doch in der modernen Gesellschaft bleibt nur wenig Zeit dafür. Kinder haben heutzutage einen dicht gedrängten Terminkalender, denn viele Eltern legen großen Wert auf verschiedenste außerschulische Aktivitäten. Dabei ist nicht zu vergessen, dass Kreativität sowie die emotionale und soziale Entwicklung durch Spielen gefördert wird. 

Viele Eltern stecken ihre Sprösslinge täglich in außerschulische Aktivitäten. Sie glauben, dass es für ihre Kinder förderlich ist, einen vollen Terminkalender zu haben. Dabei kommt es häufig zu Stress im Kindesalter. Kinder brauchen auch Freizeit, in der sie frei spielen und ihre Phantasie entwickeln können!

Die vielen Aktivitäten gehen nicht immer mit den eigentlichen Interessen der Kinder einher. Oft füllen Eltern den Terminkalender ihrer Kinder nur deshalb, weil sie selbst keine Zeit haben und täglich zahlreichen Verpflichtungen nachkommen müssen.

In anderen Fällen glauben Eltern, dass ihre Kinder durch verschiedenste Aktivitäten in ihrer Entwicklung gefördert werden. Doch zu viel des Guten führt oft zu unnötigem Druck und Stress. 

Kinder müssen die Möglichkeit haben, frei zu spielen, ansonsten werden sie ihrer Kindheit beraubt.

Terminkalender im Kindesalter

Sport im Kindesalter

Wenn Kinder zu viele Aktivitäten haben, bleibt ihnen keine Zeit mehr für freies Spiel und um die Kindheit zu genießen.

Viele haben zahlreiche außerschulische Aktivitäten: Fremdsprachen, Sport, Informatik oder Kunstunterricht. Dazu kommen nach der Schule noch Hausaufgaben.

Nicht einmal am Wochenende haben sie Freizeit zum gemeinsamen Spiel mit anderen Kindern oder einfach, um nichts zu tun. Denn viele müssen auf sportliche Veranstaltungen oder haben andere Aktivitäten. Doch dies geht noch viel weiter: Außerschulische Aktivitäten finden nicht nur während der Schulzeit statt.

Auch in den Ferien gibt es volles Programm: Sprach- oder Sportcamps füllen die Zeit. Außerdem nehmen viele Kinder auch an verschiedensten Veranstaltungen und kulturellen Ereignissen teil.

Sie genießen ihre Aktivitäten zwar, doch durch den übervollen Terminplan bleibt ihnen keine Zeit mehr, sich spontan mit anderen Kindern auszutauschen. Noch weniger Freiheit haben sie zum Spielen oder einfach, um ihre Seele baumeln zu lassen.

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Ohne Spiel keine Kindheit

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Spielen fördert die soziale und emotionale Intelligenz von Kindern auf ganz natürliche Weise.

Es geht nicht darum, außerschulische Aktivitäten schlecht zu machen oder ganz darauf zu verzichten. Das Problem liegt darin, dass Kinder nicht für alles Zeit haben. Doch Spielen mit Gleichaltrigen und Freizeit ist für sie genauso wichtig. Als Eltern sollten wir deshalb darauf achten, nicht die gesamte Zeit unserer Kinder zu verplanen.

Freies Spiel ohne didaktische oder pädagogische Absichten, bei dem die Kinder ganz alleine bestimmen, was sie tun, ohne Vorschriften von Erwachsenen zu erhalten, ist grundlegend für eine gesunde kindliche Entwicklung. 

Es ist die perfekte Formel, um sich zu sozialisieren, zu lernen, Emotionen zu managen und die Kreativität und das Selbstwertgefühl zu fördern. Auch Stress kann so abgebaut werden. 

Kinder müssen des Spieles willen spielen können, nicht um etwas dabei zu lernen. Der Lernprozess erfolgt dabei ganz automatisch. Doch Kinder haben immer weniger Zeit für freies Spiel alleine oder mit anderen. Beide Elternteile arbeiten lange und können sie nicht beaufsichtigen, deshalb sind außerschulische Aktivitäten so beliebt.

Doch diese Situation, die bei ihren Eltern und Großeltern noch ganz anders war, beeinträchtigt die soziale Entwicklung der Kinder.

Für kleine Kinder ist es auch wichtig, mit größeren zu spielen, um ihr soziales Gehirn zu entwickeln. Freies Spiel, Dinge kreieren und teilen… all dies ist von außerordenticher Wichtigkeit für die kindliche Entwicklung.

Überlastung im Kindesalter: Was tun?

Vielen Eltern bleibt keine andere andere Wahl, als ihre Kinder durch außerschulische Aktivitäten zu beschäftigen und betreuen zu lassen. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Überlastung im Kindesalter zu verhindern.

Wir haben hier einige grundlegende Empfehlungen zusammengestellt:

  • Berücksichtige die Interessen und den Charakter deines Kindes. Wenn du seine Freizeit verplanst, sollten ihm die Aktivitäten zumindest Spaß machen. Außerdem sollte es sich einfach integrieren können. Vermeide zusätzlichen Unterricht, in dem schulische Inhalte verstärkt werden!
  • Vermeide zu viele Aktivitäten. Kinder brauchen Zeit für Hausaufgaben, Erholung, Gespräche und Spaß mit ihren Eltern. Sie müssen auch Gelegenheiten haben, sich zu langweilen!  Es wäre perfekt, mindestens zwei Nachmittage frei zu lassen.
  • Wenn deinem Kind die außerschulische Beschäftigung nicht gefällt, zwinge es nicht, daran teilzunehmen. Du solltest dein Kind nicht zwingen oder dazu drängen, in seiner Freizeit etwas zu tun, das ihm gar nicht gefällt. Bevor du es in eine Aktivität einschreibst, nutze ein paar Probetage, um zu sehen, ob es Spaß daran hat. Es ist außerordentlich wichtig, dass das Kind an den Freizeitbeschäftigungen Freude hat.
  • Vermeide Stress im Kindesalter. Wenn du siehst, dass dein Kind ständig müde ist, an Schlafmangel leidet oder sich lustlos fühlt, braucht es wahrscheinlich einfach mehr freie Zeit. Gib ihm die Möglichkeit, sich zu erholen und zur Ruhe zu kommen.
  • Organisiere Spielenachmittage. Ermögliche es deinem Sprössling, sich mit anderen Kindern zum Spielen zu treffen. Dafür braucht es keine Vorgaben und keine Regeln. Lade einfach ein paar Freunde nach Hause ein und lasse die Kinder gemeinsam spielen.

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Spielen im Kindesalter ist so wichtig wie atmen oder essen

im Kindesalter im Schwimmbad spielen

Ein Übermaß an außerschulischen Beschäftigungen reduziert die Zeit, die Kindern für freies Spiel zur Verfügung steht. Doch gerade diese Zeit ist so wichtig wie atmen oder essen.

Spielen ermöglicht es, im Kindesalter soziale Beziehungen aufzubauen und sich mit der Umwelt auszutauschen. Die Vorteile des Spielens für die kindliche Entwicklung sind zahlreich und werden immer mehr auch wissenschaftlich untersucht und bestätigt. Gerade jetzt, in unserer modernen Gesellschaft, in der immer weniger Zeit dafür übrig bleibt.

Die Organisation außerschulischer Aktivitäten nach den Interessen und Bedürfnissen der Eltern sollte Raum und Zeit für einfaches Spielen und Freude mit anderen Kindern lassen. Vermeide Stress im Kindesalter durch einen zu vollen Terminkalender!

  • Acuña, Marciano, and María José Rodrigo. “La organización de las actividades cotidianas de los niños. Un análisis del currículum educativo familiar.” Cultura y educación 8.4 (1996): 19-30.
  • Feldman, Jean RAutoestima para niños: juegos, actividades, recursos, experiencias creativas. Alfaomega, 2002.
  • Fernández, Isabel Castillo, and Isabel Balaguer Sola. “Patrones de actividades físicas en niños y adolescentes.” Apunts. Educación física y deportes 4.54 (1998): 22-29.