Sind Apfelkerne giftig?

Apfelkerne enthalten Blausäure, deshalb stellen sich viele die Frage, ob der Verzehr gefährlich sein kann. Erfahre hier die Antwort.
Sind Apfelkerne giftig?
Saúl Sánchez Arias

Geschrieben und geprüft von der Ernährungsberater Saúl Sánchez Arias.

Letzte Aktualisierung: 30. Juni 2023

Manche Menschen essen die Apfelkerne mit, wenn sie einen Apfel verzehren. Gelegentlich kann man auch aus Versehen einen Kern verschlucken. Könnte das der Gesundheit schaden? Schließlich enthalten sie Amygdalin, eine Zuckerverbindung mit gebundener Blausäure, die bekanntlich giftig ist. Erfahre anschließend was passiert, wenn du Apfelkerne verzehrst.

Sind Apfelkerne giftig?

In jeder Kammer des Kerngehäuses eines Apfels stecken zwei Kerne. Insgesamt hat also ein Apfel ungefähr zehn Kerne, es gibt jedoch auch Sorten, die doppelt so viele Kerne aufweisen. Werden sie zerkaut, haben Apfelkerne einen bitteren Geschmack, doch sind sie giftig?

Ein in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichter Artikel erklärt, dass Apfelkerne Protein, Ballaststoffe und Fette enthalten, insbesondere das Endosperm. Sie könnten also positiv für die Verdauung, das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel sein. Allerdings enthalten Apfelkerne wie viele andere Obstkerne auch Amygdalin, das bei der Verstoffwechselung zu Blausäure (Cyanwasserstoff) abgebaut wird.

Blausäure hemmt im Körper ein Enzym, das für die Zellatmung verantwortlich ist. Die Zellen können bei einer Vergiftung den lebenswichtigen Sauerstoff nicht mehr verwerten. Der vermeintliche Sauerstoffmangel in den Zellen führt innerhalb von Sekunden zu innerem Ersticken und verläuft schließlich tödlich. Der Körper ist jedoch in der Lage, kleine Mengen an Blausäure unschädlich zu machen. 

Da Apfelkerne nur eine sehr geringe Menge an Amygdalin enthalten, ist es deshalb äußerst unwahrscheinlich, dass es zu einer Blausäurevergiftung kommt. Ein Erwachsener müsste mindestens 150 Kerne essen.

Der menschliche Körper ist in der Lage, kleine Mengen an Blausäure zu verarbeiten. 

Dazu kommt, dass Amygdalin nur durch das Kauen der Apfelkerne vom Körper aufgenommen wird. Werden die Kerne ungewollt verschluckt, passieren sie den Verdauungstrakt unversehrt und stellen kein Risiko dar.

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Blausäurevergiftung

Eine Dosierung von 1 bis 2 mg Blausäure pro Kilo Körpergewicht könnte tödlich verlaufen. In kleinen Mengen kann dieses Gift außerdem Herz- und Hirnschäden verursachen. Eine Cyanidvergiftung kann auch zu Atembeschwerden, Krämpfen und Bewusstlosigkeit führen. Deshalb ist es am besten, keine Apfelkerne (oder andere Obstkerne wie Kirschen-, Aprikosen- oder Pfirsichkerne) zu verzehren. Und wenn du versehentlich ein paar Kerne verschluckst, musst du dir keine Sorgen machen.

Was passiert beim Verzehr von zerkleinerten Apfelkernen in Saft?

In den meisten Fällen werden die Apfelkerne bei der Herstellung von Getränken wie Säften und Smoothies mit der Frucht zerkleinert. Dadurch können kleine Mengen an Amygdalin freikommen, trotzdem ist das Vergiftungsrisiko sehr gering. In einer in der Zeitschrift Food Chemistry veröffentlichten Studie stellten die Forscher in kommerziellen Apfelsaftmarken sehr geringe Mengen an Amygdalin fest:

  • 0,01-0,04 mg pro Milliliter (ml) frisch gepresstem Apfelsaft
  • 0,001-0,007 mg pro ml in pasteurisiertem Apfelsaft

Der Saft gilt deshalb als sicher. Trotzdem empfiehlt es sich, bei der Herstellung von Apfelsaft die Kerne davor zu entfernen.

Apfelkerne: Was du beachten solltest

Der Verzehr von Apfelkernen gilt als gesundheitsgefährdend, da sie eine Substanz namens Amygdalin enthalten, die zu Blausäure abgebaut wird. Allerdings müsstest du extrem viele Kerne essen, bis es zu einer Vergiftung kommt. Außerdem ist der Körper in der Lage, kleine Mengen an Blausäure abzubauen. Es ist also höchst unwahrscheinlich, dass es durch Apfelkerne zu einer Vergiftung kommt.


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