Schlaganfall durch Coronavirus bei jungen Patienten

21 Mai, 2020
Neuen Berichten aus New York zufolge liegt der Verdacht vor, dass das neue Coronavirus SARS-CoV-2 insbesondere bei jungen Menschen zu einem Schlaganfall führen könnte. Es wurden mehrere Fälle gemeldet und es gibt auch unterschiedliche Hypothesen zu diesem Thema. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren. 

Jeden Tag erfahren wir Neues über COVID-19, denn viele Wissenschaftler sind mit der Erforschung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 beschäftigt und auch in Krankenhäuser beobachten Ärztinnen und Ärzte verschiedene Auswirkungen, die diese neue Krankheit haben kann. So wurde unter anderem über die Möglichkeit berichtet, dass das Coronavirus insbesondere bei jungen Menschen zu einem Schlaganfall führen könnte. 

Eine in der Zeitung The Washington Post veröffentlichte Nachricht erwähnt, dass US-amerikanische Ärzte die Beobachtung gemacht haben, dass SARS-CoV-2 vor allem bei jungen Menschen zu einem Schlaganfall führen könnte. 

Darüber hinaus weisen auch verschiedene Berichte aus China darauf hin, wo Neurologen in Wuhan feststellten, dass 36 Prozent der Krankenhauspatienten mit COVID-19 an neurologischen Symptomen leiden. Dies weist darauf hin, dass das Gehirn und die Nervenzellen durch diese Krankheit beeinträchtigt werden.

Die Theorie über die zunehmende Zahl an Patienten mit Schlaganfall durch Coronavirus könnte durch drei mögliche Mechanismen erklärt werden:

  • Neurotropismus des Virus. Das Virus kann Nervenzellen infizieren und dadurch Veränderungen des zentralen Nervensystems bewirken, die sich anhand von verschiedenen neurologischen Symptomen sichtbar machen.
  • Koagulopathien durch die Infektion, die zu Störungen der Blutplättchen oder Gerinnungsfaktoren führt.
  • Zytokinsturm, das heißt eine abrupte Reaktion des Immunsystems im Kampf gegen die Infektion, die zu Nebenwirkungen führt, unter anderem zu Gerinnungsstörungen.

Infiziert das Coronavirus SARS-CoV-2 das Gehirn?

Wir wissen, dass das neue Coronavirus vorwiegend die Alveolen der Lungen befällt. Er dringt durch das Protein ACE2 in die Lungenzellen ein, denn dieses Protein wirkt als Rezeptor für die haarähnlichen Zellfortsätze an der Oberfläche des Coronavirus.

Doch diese Rezeptoren sind auch in anderen Körperzellen vorhanden, deshalb vermuten Wissenschaftler, dass SARS-CoV-2 auch in andere Gewebe eindringen könnte. Was die Neuronen anbelangt, konnte bis jetzt nicht in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden, dass das neue Coronavirus tatsächlich die Fähigkeit hat, in sie einzudringen. Doch die Symptome deuten darauf hin, so wie es auch bei den Nieren der Fall ist.

Ein Schlaganfall infolge einer COVID-19-Erkrankung von jungen Menschen könnte in die Liste der neurologischen Symptome und Störungen aufgenommen werden. Darüber hinaus konnten auch Symptome wie die Anosmie (Verlust des Geruchssinns) beobachtet werden, über die es nur wenige Zweifel gibt. Es handelt sich um ein anfängliches neurologisches Anzeichen bei asymptomatischen Patienten.

Schlaganfall und Verlust des Geruchssins durch Coronavirus
Der Verlust des Geruchssinss wird als neurologisches Symptom von COVID-19 betrachtet, was den Neurotropismus dieser Krankheit bestätigen würde.

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Schlaganfall und Gerinnungsstörungen durch Coronavirus

Aus neuen Berichten geht hervor, dass COVID-19-Patienten in manchen Fällen an Gerinnungsstörungen leiden. Es handelt sich um Koagulopathien, wobei Anti-Phospholipid-Antikörper nachgewiesen werden konnten.

Ein Patient mit diesen Störungen weist ein hohes Risiko für einen Infarkt eines lebenswichtigen Organs auf, ganz unabhängig von seiner Erkrankung. Er könnte an einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall leiden.

Deshalb ist die Möglichkeit eines Schlaganfalls bei Patienten mit COVID-19 nicht abwegig, auch wenn es sich um junge Menschen handelt. Obwohl Erwachsene zwischen 30 und 40 Jahren ein starkes Immunsystem aufweisen können, haben sie bei Gerinnungskaskaden nicht viele Möglichkeiten.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es zwei Arten von Schlaganfällen gibt: den ischämischen und den hämorrhagischen. Bei ersteren kommt es zu einer Verstopfung eines Blutgefäßes mit einem Blutgerinnsel, das die Versorgung eines bestimmten Gehirnbereiches verhindert. Der hämorrhagische Schlaganfall entsteht durch das Platzen eines Blutgefäßes, wobei jedoch die Ergebnisse sehr ähnlich sind.

Schlaganfall durch einen Zytokinsturm

Schlaganfall durch Coronavirus
Drei unterschiedliche Hypothesen könnten einen Schlaganfall durch Coronavirus erklären: Neurotropismus, Gerinnungsstörungen oder ein Zytokinsturm.

Als Zytokinsturm bezeichnet man in der Medizin eine lebensgefährliche Entgleisung des Immunsystems, 
die bei Patienten mit einer Sepsis häufig auftritt. Bei einer generalisierten Infektion wird eine massive Entzündungsreaktion ausgelöst.

Zytokine sind Substanzen, die es dem menschlichen Immunsystem ermöglichen, zu kommunizieren. Die Abwehrzellen stellen diese Zytokine her, um Nachrichten zu weiter entfernten Zellen zu senden oder um Proteine und Rezeptoren zu aktivieren.

Wenn eine starke Infektion zu einer erhöhten Anzahl an Botschaften führt, ist die Entzündungsreaktion enorm. Der Zytokinsturm ist lebensgefährlich und nur sehr schwer mit Arzneimitteln zu kontrollieren. Er steht mit tödlich verlaufenden COVID-19-Fällen in Verbindung. Deshalb konzentriert sich ein Großteil der Forschungen für Arzneimittel auf Inhibitoren von Zytokinen.Bei einem Zytokinsturm sind neurologische Symptome und auch ein Gehirnschlag durch Coronavirus möglich. Auch wenn der Patient noch jung ist, ist der Körper kaum fähig, einen Zytokinsturm zu stoppen.

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Müssen sich junge Menschen Sorgen machen, dass sie bei COVID-19 einen Schlaganfall erleiden könnten?

Wichtig ist, die Erkrankung frühzeitig zu entdecken. Die Ärzte, die in dem erwähnten Artikel der The Washington Post über ihre Beobachtungen berichteten, wiesen darauf hin, dass viele Betroffene erst spät diagnostiziert wurden, da sie aus Angst vor einer Ansteckung nicht früher in die Notfallaufnahme kamen.

Bei Symptomen, die auf einen Schlaganfall hinweisen könnten, ist eine sofortige ärztliche Behandlung erforderlich. Kopfschmerzen, Sehbeschwerden, Kribbeln oder eine Paralyse einer Gesichtshälfte oder der Gliedmaßen auf einer Seite könnten auf einen Schlaganfall hinweisen. Es handelt sich um einen Notfall!

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