Ruptur der Rotatorenmanschette: Phasen der Rehabilitation

4 Oktober, 2019
Bei einer Ruptur der Rotatorenmanschette zielt die Physiotherapie darauf ab, das Schultergelenk zu zentrieren und zu stärken. Es handelt sich gleichzeitig um eine präventive Maßnahme, um zu verhindern, dass sich die Schulter versteift. 

Als Rotatorenmanschette bezeichnet man eine Gruppe von Muskeln und Sehnen, die das Schultergelenk umfasst. Eine Verletzung in diesem Bereich kann stumpfe Schmerzen in der Schulter auslösen, die sich verschlimmern, wenn man versucht auf der betroffenen Seite zu schlafen. Das Risiko einer Ruptur der Rotatorenmanschette nimmt mit dem Alter zu.

Ruptur der Rotatorenmanschette: Symptome

Die Schmerzen, die durch eine Verletzung der Rotatorenmanschette ausgelöst werden, können sich auf verschiedene Arten äußern:

Behandlungsphasen

Ruptur der Rotatorenmanschette: Symptome 

Die postoperative Rehabilitation nach dem chirurgischen Eingriff, bei dem die gerissenen Sehnen verschlossen oder der Riss verkleinert wird, muss in konstanter Absprache zwischen Traumatologe und Physiotherapeut erfolgen.

Das ideale Rehabilitationsprogramm ermöglicht die Heilung und wirkt präventiv gegen die Versteifung der Schulter. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass jede Verletzung und jeder Patient unterschiedlich sind. Die Physiotherapie muss deshalb individuell auf jeden Patienten eingestellt werden, um damit erfolgreich zu sein.

Personalisierte Rehabilitation bei einer Verletzung der Rotatorenmanschette

Die Rehabilitationsphasen müssen individuell an jeden Patienten angepasst werden. Dabei sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Art und Größe des Risses
  • Qualität des Gewebes
  • Durchgeführter chirurgischer Eingriff (offen oder arthroskopisch)
  • Reparaturtechnik
  • Alter
  • Aktivitäten des Patienten
  • Persönliche Ziele jedes Patienten

Bei großen, kompletten oder Massenrupturen der Rotatorenmanschette ist die Gefahr einer erneuten Verletzung groß. Deshalb ist eine langsame Rehabilitation wichtig, um die durchgeführte chirurgische Reparatur nicht zu gefährden.

Wenn die Gefahr einer steifen Schulter besteht, muss diese jedoch mobilisiert werden, um Komplikationen ausschließen zu können. 

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Die Rehabilitationsphasen hängen von den regelmäßigen Untersuchungen des Patienten ab. Außerdem ist in jeder Phase ein spezifisches Übungsprogramm für zu Hause wichtig, um die Physiotherapie zu unterstützen.

Rehabilitationsprogramm im Falle einer Ruptur der Rotatorenmanschette

Es gibt zwei unterschiedliche Rehabilitationsprogramme:

1. Konservative Methode

Die konservative Methode beginnt erst 2 bis 4 Wochen nach der Behandlung um zuerst eine teilweise Genesung zu ermöglichen und Gewebestress zu vermeiden.

Bei Patienten über 50 Jahren, bei einer Ruptur von mehreren Sehnen, einer Massenruptur oder schlechter Gewebequalität ist die konservative Methode zu empfehlen.

2. Beschleunigte Methode

In diesem Fall beginnt man 2 bis 4 Wochen früher mit der Therapie, da kein Risiko vorhanden ist, die reparierten Strukturen dabei zu verletzen oder da eine vorzeitige Behandlung notwendig ist.

Bei Patienten unter 50 Jahren, bei kleineren Rissen, die nur eine Sehne betreffen und bei guter Gewebequalität beginnt man schnellstmöglich mit der Standardtherapie oder der beschleunigten Methode.

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Rehabilitationsphasen bei einer Ruptur der Rotatorenmanschette

Nach dem arthroskopischen Eingriff zur Reparatur der Rotatorenmanschette beginnen vier verschiedene Rehabilitationsphasen.

Rehabilitationsphasen bei einer Ruptur der Rotorenmanschette

1. Phase unmittelbar nach dem operativen Eingriff

Erhaltung und Schutz der Reparatur in der postoperativen Phase (0 bis 4 Wochen nach dem chirurgischen Eingriff) umfassen folgende Maßnahmen:

  • Schiene zur Ruhigstellung und Stabilisierung der Schulter, die den Arm abgespreizt neben dem Körper hält (Abduktions-Schiene)
  • Diese Schiene wird auch während des Schlafes getragen. Deshalb schläft man am besten in einem verstellbaren Sessel mit einem Kissen unter dem Arm.
  • Die Schiene wird nur für Hygienezwecke und für die Durchführung spezifischer Übungen entfernt.
  • Kryotherapie (Kältetherapie)
  • Penduläre Übungen
  • Aktive Übungen für Ellenbogen, Handgelenk und Hand im kompletten Gelenkbereich
  • Dehnungsübungen für die Wirbelsäule

2. Phase: Schutz und sanfte, aktive Bewegungen

Um von frühen passiven Bewegungen bis zu einer aktiven funktionellen Bewegung überzugehen, benötigt man ungefähr vier bis zehn Wochen.

  • Nach 4 Wochen: passive Mobilisierung in Rückenlage
  • Ab der 6. Woche: komplette passive Mobilisierung, Beginn mit aktiv-unterstützter und aktiver Mobilität
  • Nach 8 Wochen: Übungen für das Schulterblatt und den Brustbereich, isometrische und submaximale Übungen, Übungen in offener kinetischer Kette

3. Phase: frühzeitige Stärkung

Beginn mit der Stärkung der Muskulatur zwischen der 10. und 14. Woche. Damit werden folgende Ziele verfolgt:

  • Komplette aktive Mobilität
  • Wiederherstellung der Kraft, Potenz und Muskelresistenz
  • Neuromuskuläre und propriozeptive Kontrolle
  • Stärkung der Muskulatur im Bereich des Schulterblattes
  • Allmähliche Wiederaufnahme der täglichen Aktivitäten

4. Phase: fortgeschrittene Stärkung

Die Therapie erfolgt so lange, bis die vor der Verletzung vorhandene Funktionalität wieder erlangt wird. Sie dauert zwischen 14 und 22 Wochen. Die damit bezweckten Ziele sind:

  • Komplette aktive Mobilität ohne Schmerzen
  • Wiederaufnahme der sportlichen Aktivitäten
  • Wiedererlangen der normalern Kraft, Potenz und Muskelresistenz
  • Aufnahme aller Aktivitäten
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