Prozac: häufig verschriebene Glückspille

22 Juli, 2019
Prozac besteht aus dem Arzneistoff Fluoxetin, der sich durch antidepressive Eigenschaften auszeichnet, da er den Serotoninspiegel im Organismus erhöht. 

Die „Glückspille“ Prozac wird bei Depression sehr häufig verschrieben, denn durch den Wirkstoff Fluoxetin kann der Serotoninspiegel erhöht und so die Gemütsstimmung verbessert werden. Dieses Arzneimittel hat die Behandlung von depressiven Krankheiten revolutioniert, denn es war das erste, das nicht nur von Psychiatern verschrieben werden konnte.

Prozac wurde 1988 von dem US-amerikanischen Pharmakonzern Lilly auf den Markt gebracht, der damit große Umsätze erwirtschaften konnte. Auch heute noch vertrauen viele Ärzte in die Wirkung dieses Arzneimittels, da sehr sicher und wirksam sein soll. Außerdem ist dieses Medikament gut verträglich und die Nebenwirkungen sind geringer wie bei zuvor eingesetzten Arzneimitteln. 

Allerdings handelt es sich auch um ein polemisches Medikament mit verschiedenen Nebenwirkungen. Nicht alle Wissenschaftler und Ärzte sind von seiner hochgepriesenen Wirksamkeit überzeugt.

Als Prozac auf dem Markt erschien, hatte es praktisch dieselben Wirkungen wie bereits zuvor existierende Arzneimittel, war jedoch weitaus sicherer und konnte vom Hausarzt verschrieben werden, ohne dafür einen Facharzt konsultieren zu müssen.

Wissenswertes über Prozac

Inzwischen ist Prozac zur Volksdroge geworden: Nach 30 Jahren wird dieses Medikament weltweit noch immer vielfach verschrieben. Der Erfolg dieses Arzneimittels wurde durch clevere, sehr wirksame Werbekampagnen gefördert. Es wurde sogar in Popsongs und auch in Kinofilmen gepriesen! Noch immer nehmen rund 12 % der US-Amerikander Prozac ein, obwohl inzwischen bekannt ist, dass der Hersteller die irrtümliche Theorie verbreitete, dass Depressionen alleine durch die Erhöhung des Serotoninspiegels geheilt werden können.

Wissenschaftler und Ärzte gingen damals davon aus, dass Depressionen durch einen Mangel an Botenstoffen wie Noradrelin und Serotonin verursacht würden. In diesem Fall wäre natürlich der Ausgleich des Serotoninspiegels die einfachste Lösung. Inzwischen gibt es zahlreiche Medikamente mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern, doch es ist auch bekannt, dass ein niedriger Serotoninspiegel alleine noch keine Depression ausmacht. 

Interessant zu wissen ist auch, dass dieses Arzneimittel den Forschungsbereich revolutionierte. Mit der Einführung von Prozac nahm eine weitaus größere Anzahl an Probanden an neuen Forschungsprojekten über Arzneimittel teil.

Wie funktioniert die Glückspille Prozac?

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Fluoxetin um einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Dieser Wirkstoff verhindert, dass das bereits ausgeschüttete Serotonin erneut in die Zelle aufgenommen wird. Deshalb kann dieser Botenstoff seine Wirkung an den Zielzellen länger entfalten und so die Stimmung des Patienten aufhellen.

Serotonin ist für den Gemütszustand von großer Wichtigkeit. Außerdem ist dieser Botenstoff für die Kontraktion der glatten Muskeln, die Übertragung der Nervenimpulse, die Regulierung des zirkadianischen Rhytmus und im Allgemeinen für Wohlbefinden und Glück verantwortlich.

Prozac gelangt über die Darmwand ins Blut und dann in die Leber, wo der Wirkstoff langsam verstoffwechselt wird, um dann im Gehirn seine Wirkung zu entfalten.

Prozac gegen Depression

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In der Folge erhöht sich der Serotoninspiegel im präsynaptischen Raum zwischen zwei Neuronen. Wenn hier mehr Serotonin vorhanden ist, können mehr Moleküle dieses Neurotransmitters mit postsynaptischen Rezeptoren reagieren und entsprechend biologische Funktionen auslösen.

Pharmakokinetik von Prozac

Dieses Arzneimittel wird oral verabreicht und innerhalb des Verdauungstraktes absorbiert. Dabei muss berücksichtigt werden, dass das Vorhandensein von Essen im Magen die Aufnahme verlangsamen kann, jedoch nicht das Ausmaß beeinträchtigt. In der Leber wird das Medikament dann verstoffwechselt, wobei die Konzentration des Wirkstoffes im Blut nach 6 bis 8 Stunden am höchsten ist. 

Zu beachten ist auch, dass Fluoxetin sich in einem sehr hohen Prozentsatz an Plasmaproteine hängt. Dies muss insbesondere dann berücksichtigt werden, wenn noch andere Arzneimittel verabreicht werden, die sich ebenfalls im Blut mit Proteinen binden, denn dann könnte eine Wechselwirkung auftreten und die Wirkung der Medikamente beeinträchtigt werden.

Wenn die Konzentration der Wirkstoffe zunimmt, könnten auch Vergiftungserscheinungen auftreten. Fluoxetin wird in der Leber durch Demethylierung verstoffwechselt, wobei Metaboliten entstehen. Der wichtigste davon ist Norfluoxetin, ein Wirkstoff, der wie das Arzneimittel selbst die Wiederaufnahme von Serotonin hemmt.

Rund 60 % des Arzneimittels werden über den Harn ausgeleitet, der Rest bei der Darmentleerung. Allerdings gibt es interindividuelle Variationen im Bezug auf die Ausleitung dieses Wirkstoffes.

Übelkeit durch Prozac

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Verschiedene Nebenwirkungen

Prozac verursacht verschiedene Nebenwirkungen, die vermehrt für Polemik gesorgt haben. Dazu gehören beispielsweise eine mögliche Störung der Sexualfunktion oder Harnretention. Dieses Medikament wird zwar als sicher betrachtet, doch dies bedeutet nicht, dass dadurch keine unerwünschten Nebenwirkungen entstehen könnten.

Weitere unangenehme Nebenwirkungen sind beispielsweise:

  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit
  • Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Gewichtsabnahme oder -zunahme
  • Schwitzen, Hitzewallungen

Diese Nebenwirkungen treten relativ häufig auf, verschwinden jedoch meist wieder von selbst im Verlauf der Behandlung.