4 kognitive Veränderungen durch Depression

4 Juni, 2019
Eine Depression führt zu verschiedenen Veränderungen im Gehirn, denn dadurch wird die Gehirnchemie beeinträchtigt. Erfahre heute mehr zu diesem Thema. 

Die Folgen einer Depression sind nicht nur rein emotionale Störungen, die sich auf den Gemütszustand und die Gefühle auswirken. Es kommt bei dieser Krankheit auch zu physischen Beeinträchtigungen, die nicht nur die mentale Gesundheit, sondern auch den restlichen Organismus betreffen können. Erfahre heute mehr über kognitive Veränderungen durch Depression.

Es handelt sich um ein weit verbreitetes Leiden. Den Aussagen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge, sind weltweit 300 Millionen Menschen davon betroffen. 

Im Durchschnitt begehen 800 000 Menschen jährlich durch Depressionen verschuldeten Selbstmord. Außerdem handelt es sich um die häufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren.

Es handelt sich nicht um vorübergehende emotionale Veränderungen. Die Auswirkungen auf das Gehirn sind bei Betroffenen nur sehr schwer unter Kontrolle zu bringen.

Aus diesem Grund ist es von größter Bedeutung, gegebenenfalls einen Facharzt aufzusuchen, der die richtige Behandlung verschreibt. Eine Depression verschwindet nicht von selbst, denn es handelt sich nicht einfach um einen momentanen traurigen Gemütszustand.

Wer daran leidet, braucht unbedingt professionelle Hilfe!

Kognitive Veränderungen durch Depression

Kognitive Veränderungen wirken sich bei einer Depression direkt auf drei Gehirnbereiche aus: den Hippocampus, die Amygdala und den präfrontalen Cortex. Wir gehen anschließend näher auf diese Beeinträchtigungen ein.

kognitive Veränderungen des Gehirns

Kognitive Veränderungen wirken sich bei einer Depression direkt auf drei Gehirnbereiche aus: den Hippocampus, die Amygdala und den präfrontalen Cortex. Außerdem verschlechtert sich bei diesem Leiden die Sauerstoffversorgung.

1. Kognitive Veränderungen: Verkleinerung des Hippocampus

Der Hippocampus befindet sich im mittleren Bereich des Gehirns. Diese Gehirnstruktur ist für das Gedächtnis und die Regulierung der Cortisolproduktion grundlegend. Dieses Hormon wird auch als Stress- oder Glückshormon bezeichnet.

Bei physischem oder mentalem Stress, der unter anderem durch eine Depression verursacht werden kann, setzt der Organismus mehr Cortisol frei, um die Folgen dieser Situation zu lindern.

Doch wenn die Cortisolwerte hoch sind, kommt es zu einer unausgeglichenen Hirnchemie. Die Bildung von Neurotransmittern reduziert sich und der Hippocampus kann sich verkleinern.

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2. Kognitive Veränderungen: Verkleinerung des präfrontalen Cortex

Der vordere Gehirnbereich oder präfrontaler Cortex ist für die Regulierung der Emotionen und des Gedächtnisses verantwortlich. Auch diese Gehirnstruktur kann sich bei einer Depression verkleinern, da zu viel Cortisol vorhanden ist.

Der Mangel an Empathie bei einer postpartalen Depression ist vermutlich auf diese Tatsache zurückzuführen.

3. Kognitive Veränderungen: Schwellung der Amygdala

Die Amygdala ist paarweise angelegt und befindet sich im Kerngebiet des Gehirns. Sie ist unter anderem dafür zuständig, Emotionen wie Genuss, Freude oder Angst zu regulieren. 

Das Übermaß an Cortisol kann zu einer Anschwellung dieser Gehirnstruktur führen. Dadurch kommt es zu Schlafstörungen und Veränderungen normaler Verhaltensmuster. 

Durch größere Aktivität bewirkt diese Gehirnstruktur zusätzlich, dass in anderen Teilen des Organismus mehr Hormone als im Normalzustand freigesetzt werden, was zu weiteren gesundheitlichen Komplikationen führt.

4. Mangelnde Sauerstoffversorgung

Zusätzlich zu direkten kognitiven Veränderungen durch Depression können auch andere Beeinträchtigungen das Gehirn auf indirekte Weise treffen. Aus Studien geht hervor, dass durch die Krankheit der Körper mit weniger Sauerstoff versorgt wird.

Es ist noch unklar, ob dies auf veränderte Atemmuster oder auf andere Gründe zurückzuführen ist.

Im Allgemeinen werden dadurch die Körperzellen beeinträchtigt, für die Sauerstoff grundlegend ist. Im Besonderen leiden die Gehirnzellen an der mangelnden Sauerstoffversorgung und können dadurch Schaden erleiden oder absterben. 

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Kognitive Veränderungen durch Depression und ihre gesundheitlichen Folgen

Kognitive Veränderungen entstehen nicht unmittelbar, sie sind das Produkt einer langen depressiven Phase. Aus Studien geht hervor, dass die Verkleinerung des Hippocampus und des präfrontalen Cortex ab einem Zeitraum von 8 bis 10 Monaten zu erkennen ist.

Dr. Thomas Frodl, der an der Universitätsklinik Magedeburg forscht, hat Patienten mit Depressionen drei Jahre lang beobachtet, um herauszufinden, wie sich in dieser Zeit ihr Gehirn physisch verändertkognitive Veränderungen durch Depression

Die physischen und chemischen Veränderungen, die eine Depression im Gehirn verursachen kann, führen zu Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, kognitiven Beeinträchtigungen, Müdigkeit und verschlechtern dadurch auch die Lebensqualität.

Zu den kognitiven Konsequenzen einer Depression zählen unter anderem folgende:

  • Gedächtnisverlust
  • Verringerte Funktion der Neurotransmitter
  • Stagnation der Gehirnentwicklung
  • Verminderte Lernfähigkeit
  • kognitive Beschwerden
  • Konzentrationsprobleme
  • Gemütsschwankungen
  • fehlende Empathie anderen gegenüber
  • Schlafschwierigkeiten
  • Müdigkeit

Wie können kognitive Veränderungen durch Depression behandelt werden?

Aufgrund der Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Studien geht man davon aus, dass das Ungleichgewicht durch ein Übermaß an Cortisol und anderer Chemikalien entsteht. Damit kommt es zu emotionalen und physischen Veränderungen im Gehirn.

Aus diesem Grund versucht man, mit einer Behandlung die Hormonproduktion, zum Beispiel von Cortisol und Serotonin, zu regulieren. Dies kann durch inhibitorische Medikamente oder Therapien erfolgen.

Kognitive Veränderungen durch Depression

Die Psychotherapie zählt zu den besten Möglichkeiten, um eine Depression und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit zu überwinden. Es ist wichtig, damit sofort nach der Diagnose zu beginnen.

Forscher bestätigen, dass durch Psychotherapie die Gehirnstruktur geändert und die Symptome der Depression gelindert werden können. Deshalb ist es wichtig, professionalle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn der Verdacht auf eine Depression vorliegt.

Zusätzlich sind auch weitere Maßnahmen wichtig, um Patienten mit Depression zu helfen und ihre Gehirnfunktionen aufrecht zu erhalten:

  • Stress bewältigen
  • Bewegung
  • gesunde Ernährung
  • guter Schlaf
  • Alkohhol und Drogen vermeiden

Bei einer Depression handelt es sich um eine Störung, die weit über Gemütsschwankungen hinausgeht. Auf den ersten Blick ist dies zwar nicht zu erkennen, doch die physischen Veränderungen, die das Wohlbefinden der Betroffenen beeinträchtigen, sind eindeutig vorhanden. 

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