Priapismus: Was ist das, welche Ursachen hat er und wie erfolgt die Behandlung?

Eine Erektion über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, ist zwar aus sexueller Sicht wünschenswert, aber wenn sie zu lange anhält, kann sie schädlich sein. Hier erfährst du alles über Priapismus.
Priapismus: Was ist das, welche Ursachen hat er und wie erfolgt die Behandlung?

Geschrieben von Rafael Victorino Muñoz

Letzte Aktualisierung: 08. Januar 2024

Die Ursachen für Priapismus können in der Einnahme von Medikamenten zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, im Drogenkonsum (Alkohol oder Drogen) oder in bestimmten Erkrankungen und Verletzungen liegen.

Auch wenn es selten vorkommt, handelt es sich in bestimmten Fällen um einen Notfall, der sofort behandelt werden muss. Wenn die Behandlung nicht rechtzeitig erfolgt, führt er zu einer dauerhaften erektilen Dysfunktion.

Was ist Priapismus?

Priapismus ist eine Dauererektion, die länger als vier Stunden anhält. Sie kann auf sexuelle Stimulation zurückzuführen sein, muss es aber nicht.

Der Begriff stammt von einem Gott der griechischen Mythologie: Priapos, Sohn von Dionysos und Aphrodite. Der Legende nach wurde Priapos mit einem riesigen Glied geboren. Er war das Symbol der Fruchtbarkeit oder der männlichen Sexualität.

Priapismus ist keine sehr häufige Erkrankung. Er tritt eher bei Männern über 30 Jahren auf. Allerdings kann er auch bei Kindern mit Sichelzellenanämie auftreten.

Die Inzidenz wird auf 1,5 Fälle pro 100.000 Menschen und Jahr geschätzt. Bei Männern über 40 Jahren steigt der Anteil leicht auf 2,9 Fälle pro 100.000 Personen an.

Einigen Untersuchungen zufolge tritt dieses Problem in den letzten Jahren häufiger auf, was auf die übermäßige oder unzureichende Verwendung von Medikamenten zur Behandlung von Erektionsstörungen, wie Sildenafil, zurückzuführen ist.

Dieser Artikel könnte dich auch interessieren: Pharmakologische Behandlung von Erektionsstörungen

Arten und Symptome

Die Symptome von Priapismus variieren je nach Typ. Es gibt ischämischen und nicht-ischämischen Priapismus, je nachdem, ob Schwierigkeiten bei der Entleerung der Schwellkörper oder ein übermäßiger Blutfluss in den Penis vorliegt.

1. Ischämischer Priapismus

Ischämischer Priapismus, auch venös-okklusiver Priapismus oder Priapismus mit geringem Blutfluss genannt, ist die häufigste Form von Priapismus. Die Ursache ist die Verhinderung oder Erschwerung des Abflusses von venösem Blut aus dem Penis aufgrund einer Obstruktion oder einer Kontraktionsstörung der glatten Muskulatur.

Gleichzeitig ist auch der Zufluss von arteriellem Blut vermindert, was zu einer Ischämie der Schwellkörper führen kann (daher der Name). Hält die Ischämie über längere Zeit an, führt sie zu Fibrose, da das gestaute Blut an Sauerstoff verliert und die Azidose zunimmt.

Zu den Symptomen des ischämischen Priapismus gehören folgende:

Priapismus - Mann nimmt Viagra ein
Der zunehmende Gebrauch von Medikamenten gegen erektile Dysfunktion erhöht die Häufigkeit von Priapismus.

2. Nicht-ischämischer Priapismus

Auch High-Flow-Priapismus genannt; er ist weniger häufig. Anders als bei der vorherigen Form ist der Blutfluss in die Schwellkörper größer als der Abfluss.

Dies kann durch einen Schlag oder eine Verletzung geschehen. Da das Blut, das sich ansammelt, sauerstoffreicher ist, besteht jedoch keine Gefahr einer Ischämie.

Zu den Symptomen gehören folgende:

  • Verlängerte Erektion
  • Penisschaft ist nicht vollständig steif
  • Weniger schmerzhaft

Die Ursachen von Priapismus

Priapismus ist in der Regel auf eine Veränderung der hämodynamischen Mechanismen zurückzuführen, die zu einer Verringerung des Blutvolumens in den Schwellkörpern oder zur Abschwellung führen. Das Problem kann wiederum mit den Blutgefäßen, den Muskeln oder den Nerven zusammenhängen.

Und obwohl es in manchen Fällen nicht möglich ist, die eigentliche Ursache zu identifizieren, gibt es mehrere Faktoren und sogar Bedingungen, die bei diesem Problem eine Rolle spielen können. Dazu gehören die folgenden.

Bestimmte Krankheiten und Zustände

Wiederkehrender Priapismus tritt häufig bei Männern mit Sichelzellenanämie und in geringerem Maße auch bei anderen Blutkrankheiten auf: Leukämie, Multiples Myelom und Thalassämie.

Zu den Krankheiten, die mit Priapismus in Verbindung gebracht werden können, gehören auch die folgenden:

  • Krebs des Penis, der Blase, der Prostata oder des Rektums
  • Neurologische Erkrankungen wie Enzephalopathie und Multiple Sklerose
  • Infektionskrankheiten wie Mumps und Malaria
  • Entzündungen wie Prostatitis und Thrombophlebitis
  • Andere Krankheiten wie Gicht, Amyloidose und Morbus Fabry

Medikamente

Ein Priapismus kann als Nebenwirkung von Medikamenten ausgelöst werden, die zur Behandlung verschiedener Krankheiten und Störungen eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang sind die folgenden zu nennen:

  • Antikoagulanzien wie Warfarin und Heparin
  • Andere Medikamente, die zur Behandlung von erektiler Dysfunktion zum Einsatz kommen
  • Anxiolytika, Antidepressiva und Medikamente gegen psychotische Störungen
  • Androgene und andere Hormone: Testosteron, Gonadotropin-Releasing-Hormon
  • Injektion vasoaktiver Substanzen: Sie wird in Studien als eine der ersten Ursachen für Priapismus genannt
  • Blutdrucksenkende Mittel, einschließlich Kalziumantagonisten, die eine venenverschließende Wirkung haben können, und Alphablocker

Verletzungen

Traumata und Verletzungen des Penis, des Dammes oder des Beckens führen in einigen Fällen zu Fisteln, die einen abnormalen Fluss des arteriellen Blutes zu den Schwellkörpern verursachen. Ebenso können Verletzungen des Rückenmarks die Mechanismen der Erektion beeinträchtigen, so dass der Bulbocavernosusreflex verloren geht.

Andere Ursachen

Priapismus kann auch auf Folgendes zurückzuführen sein:

  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Den Konsum von Drogen wie Kokain und Heroin
  • Bisse von Spinnen und anderen Spinnentieren, wie Skorpionen

Diagnose und Behandlung

Bei der Diagnose von Priapismus achtet der/die Arzt/Ärztin auf Unterschiede in den Symptomen. Bei ischämischem Priapismus zum Beispiel ist die Erektion schmerzhaft. Außerdem kann der Patient unruhig wirken. Bei nicht-ischämischem Priapismus scheint der Penis nur unvollständig erigiert zu sein.

Fragen liefern Hintergrundinformationen über die Situation. Und weitere Untersuchungen ergänzen die Diagnose. Dazu gehört eine Blutgasanalyse, um festzustellen, ob der Schwellkörper mit arteriellem oder venösem Blut gefüllt ist und ob eine Hypoxie oder Azidose vorliegt; auch ein Doppler-Ultraschall und eine selektive Arteriographie können durchgeführt werden.

Obwohl das Ziel der Behandlung beider Arten von Priapismus ähnlich sein kann, unterscheiden sich die Wirkmechanismen. Auch die Dringlichkeit der Behandlung. Der venös-okklusive oder ischämische Priapismus erfordert sofortiges Handeln und etwas invasivere Maßnahmen.

Um den Abfluss des Blutes aus den Schwellkörpern zu fördern, kann der/die Arzt/Ärztin ein starkes Analgetikum verabreichen und lokale Kälte anwenden. Außerdem wird subkutan Terbutalin verabreicht.

Wenn die Schwellung anhält, erfolgt eine Aspiration durch Punktion des distalen Teils eines Schwellkörpers. Dabei lässt man so lange Blut abfließen, bis hellrotes arterielles Blut austritt.

Falls das Blut nicht auf natürliche Weise abfließt, weil es zu dick ist, erfolgt eine Spülung mit einer physiologischen Kochsalzlösung. Wenn die Erektion erneut auftritt, injiziert man intrakavernös zusätzlich zu einer erneuten Absaugung einen alpha-adrenergen Agonisten. Wenn die Erektion lange anhält, empfiehlt es sich, die Fisteln zu öffnen, um eine Drainage zu ermöglichen.

In einigen Fällen von nicht-ischämischem Priapismus ist eine Behandlung nicht notwendig, da er normalerweise nicht zu Komplikationen führt. Das Ziel besteht höchstens darin, den Blutfluss durch eine selektive Embolisation oder andere Verfahren zu verringern, um eine Abschwellung zu erreichen.

Priapismus - Mann beim Arzt
Ischämischer Priapismus erfordert ein dringendes medizinisches Eingreifen.

Wann du zum Arzt gehen solltest

Manchmal verschwindet ein Priapismus von selbst. Er kann aber auch ein Notfall sein. Je nach Schweregrad können Nachwirkungen wie eine dauerhafte erektile Dysfunktion auftreten.

Wenn eine Erektion mehrere Stunden anhält, solltest du dich sofort in eine Notfallambulanz begeben. Der/die Arzt/Ärztin wird feststellen, um welche Art von Priapismus es sich handelt und welche Maßnahmen erforderlich sind.

Wenn diese Episoden jedoch immer wieder auftreten, sollte eine Behandlung eingeleitet werden, um sie zu verhindern. Als Maßnahme kann der/die Arzt/Ärztin das Absetzen von Medikamenten empfehlen. Ebenso sollte die Person die Einnahme von Drogen oder Substanzen vermeiden, die sie beeinflussen könnten.


Alle zitierten Quellen wurden von unserem Team gründlich geprüft, um deren Qualität, Verlässlichkeit, Aktualität und Gültigkeit zu gewährleisten. Die Bibliographie dieses Artikels wurde als zuverlässig und akademisch oder wissenschaftlich präzise angesehen.


  • Altman A, Seftel A, Brown S, Hampel N. Cocaine associated priapism. J Urol. 1999; 161: 1817-1818.
  • Aoyagi T, Hayakawa K, Miyaji K, Ishikawa H, Hata M. Sildenafil induced priapism. Int J Impot Res. 2001; 13: 357-359.
  • Bschleipfer T, Hauck E, Diemer T, et al. Heparin-induced priapism. Int J Impot Res. 2001; 13: 357-359.
  • Bugarín González R, Casais Gude J, Alonso López C, et al. Priapismo. JOUR Medicina Integral. 2002; 40(8); 338 – 342.
  • Capua Sacoto C, Lujan Marco S, Morales Solchaga G,  et al. Cáncer de pene: Nuestra experiencia en 15 años. Actas Urol Esp. 2009;  33(2): 143-148.
  • Eland I, Van der Lei J, Stricker B, Sturkenboom M. Incidence of priapism in the general population. Urology. 2001; 57: 970-972.
  • Madrid F, Díez A, Madrinero C, Rivas J, Delgado M, García J. Priapismo secundario a la administración de testosterona en el tratamiento de la pubertad retardada. Arch Esp Urol. 2001; 54; 703-705.
  • Miguélez E, Rodríguez L, Sáenz I. Priapismo. Actualización en Andrología. 1998; 24: 17-32.
  • Pagà Carbonell J, Peri L. Priapismo de alto flujo y larga evolución: Presentación de un caso y propuesta de algoritmo diagnóstico y tratamiento. Actas Urol Esp. 2005;  29(7): 708-710.
  • Zúñiga P, Martínez C, González L, Rendón D et al. Sickle cell disease: A diagnosis to keep in mind. Rev. chil. pediatr.  2018;  89(4): 525-529.
  • Rodríguez, R., Et al. (2015). Priapismo. Actas Urol Esp vol.29 no.10. https://scielo.isciii.es/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0210-48062005001000008

Dieser Text dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch einen Fachmann. Bei Zweifeln konsultieren Sie Ihren Spezialisten.