Oxytocin: das Hormon der Liebe, hat auch seine dunklen Seiten

15 September, 2017
Oxytocin fördert die Freisetzung anderer Substanzen und kann deshalb wie eine Droge für das Gehirn wirken und auch dazu führen, dass man vom Weg abkommt. 

Nur wenige Worte repräsentieren eine so intensive, reine und magische sowie gleichzeitig biologische und emotionale Substanz wie Oxytocin. 

Sie ist auch als Hormon der Liebe, Molekül der Umarmungen, Chemie des Glücks oder der Erziehung bekannt.

Nicht zu vergessen ist die Wichtigkeit von Oxytocin bei der Entbindung, in der beginnenden Stillzeit oder während des Aufbaus einer intensiven Bindung zwischen Mutter und Kind. Denn hier spielt dieses Hormon eine Schlüsselrolle bei allen Säugetieren.

Doch nicht alles ist so wunderbar… das Oxytocin versteckt auch eine dunkle Seite, die nicht so gesund ist und sogar für die emotionale Gesundheit schädlich sein kann.
Wir sind uns sicher, dass dich dieses Thema interessieren wird. Anschließend erfährst du mehr über dieses Hormon, damit du dir eine genauere Vorstellung davon machen kannst.

Das Hormon der Liebe und abhängige Beziehungen

liebendes Paar

Wenn du weißt, was es bedeutet, in einer Beziehung abhängig zu sein, eine Leidenschaft so intensiv zu erleben, dass Identitäten und Prioritäten verschwimmen, dass man sich gegenseitig als Gefangene betrachtet und grundlegende Aspekte des Lebens vergisst, dann solltest du wissen, dass du in dieser Zeit zum Opfer der dunklen Seite des Hormons Oxytocin geworden bist.

Du denkst, dass dies eine einfache Metapher ist, doch Neuropsychologen zweifeln nicht daran, diese Art von Verliebtheit als „Rauschzustand“ zu bezeichnen.

Es fühlt sich berauschend an, eine Überdosis an Oxytocin macht dich abhängig von einer schmerzenden Liebe, von der du dich nicht befreien kannst. 

Oxytocin und unser Gesellschaftsleben

Bei dieser chemischen Substanz handelt es sich um ein Neuropeptid aus der Gruppe der Proteohormone.

  • Oxytocin funktioniert gleichzeitig wie ein Hormon und wie ein Neurotransmitter im Gehirn. Ein Großteil unserer Entscheidungen und unseres Gesellschaftslebens wird damit reguliert. Soziale Verhaltensweisen wie Großzügigkeit, Empathie oder Altruismus stehen in engem Zusammenhang mit diesem Hormon.
  • Bis vor kurzer Zeit ging man davon aus, dass Oxytocin, das im Gehirn freigesetzt wird, ein grundlegendes Mittel zur Reduzierung von Stress und Nervosität ist. Es wird im täglichen Umgang mit Menschen, die wir lieben, oder wichtig für uns sind, freigesetzt.
  • Doch aus verschiedenen Studien geht hervor, dass dieses Hormon auch eine dunkle Seite hat, denn es spielt auch bei ungesunden Beziehungen eine signifikante Rolle, in denen es zu gegenseitiger Obsession führt, die wiederum eine langsame Selbstzerstörung zur Folge haben kann.

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Chemie der Liebe: Oxytocin

Oxytocin und Alkohol: Substanzen, die im Übermaß zu einem Verlust der Kontrolle führen

Die Liebe ist manchmal ein wahrhafter chemischer Schiffbruch, dabei gibt es keine Poesie, sondern nur offensichtliche Realität.

  • Es ist inzwischen bekannt, dass die Konsequenzen von Oxytocin und Alkohol im Gehirn sehr ähnlich sind. 
  • Die Gamma-Aminobuttersäure, kurz GABA, reagiert auf beide Substanzen sehr sensibel. Beide führen vermehrt zu Nervosität und Stress und bewirken, dass bei bestimmten Verhaltensweisen weniger Angst vorhanden ist.
  • Man fühlt sich sicherer, mutiger und waghalsiger und hat Lust, neue Dinge zu experimentieren.

Eine Liebe, die auf euphorische Leidenschaft und eine fast krankhafte Obsession aufbaut, ist deshalb wie ein Rauschzustand, in dem man unfähig ist, Ausgleich und objektive Klarheit zu finden.

Neurologen und Psychologen sind von dieser so intensiven Wirkung fasziniert, die Oxytocin auf viele Personen hat.

Es geht nicht darum, ein neues Getränk zu entwickeln, das Alkohol ersetzen könnte. Doch Oxytocin könnte bei gewissen Störungen, wie einer Depression, hilfreich sein, um in den Patienten neue Motivation und Lebenslust zu wecken.

Die Liebe ist manchmal eine starke Droge

Frau und Mann

Wir wissen, dass das Gehirn eine magische Kombination von Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und anderen Substanzen freisetzt, wenn man verliebt ist. 

  • Diese Neurotransmitter ermöglichen es uns, mehr Energie zu spüren, mehr Leidenschaft und Lust zu erfahren…
  • Doch das Oxytocin ist dafür zuständig, diese chemischen Substanzen und eine weitere, sehr intensive Substanz freizusetzen: Phenylethylamin.
  • Dieser endogene chemische Wirkstoff zählt erstaunlicherweise zu den Amphetaminen und hält sich im Gehirn mit großer Intensität ungefähr 4 Jahre lang.

Dies erklärt oft, warum die Leidenschaft in den ersten vier Jahren einer Beziehung besonders intensiv ist und warum man in dieser Zeit wie ein Satellit um einen Planeten kreist und nicht im Stande ist, darüber hinaus zu sehen.

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Das ist in dieser Zeit der normaler Zustand, in dem man jedoch nie den inneren Kompass verlieren sollte, um sich daran zu erinnern, wo der Norden liegt.

Vergiss nie, deine Integrität zu wahren, auch wenn du dich berauscht fühlst durch diese phantastische chemische Substanz namens Oxytocin.

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