Neurogluten: Besteht ein Zusammenhang zwischen Gluten und neurologischen Erkrankungen?

26 September, 2020
Gluten fördert einen Entzündungszustand bei Menschen mit veränderter Proteinempfindlichkeit, wodurch neurologische Erkrankungen auftreten können. Was sagt die Forschung zu diesem Thema?

Der Verzehr von Gluten wird in einigen Fällen mit vermehrten Symptomen bestimmter neurologischer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Insbesondere im Fall von Zöliakie ist dieses Protein dazu in der Lage, bestimmte Bereiche der Großhirnrinde zu schädigen, was zu Migräne, Multipler Sklerose und Epilepsie führen kann.

Dennoch ist dieses Protein nicht für jeden gesundheitsgefährdend. Nur die Menschen, die an einer Glutenunverträglichkeit leiden, sind anfällig dafür, diese Erkrankungen durch den Verzehr von Gluten zu entwickeln.

Gluten und Epilepsie

Epilepsiepatienten haben laut eines im Journal of Neurology publizierten Artikels eine veränderte Glutenverträglichkeit. Allerdings wissen die Forscher noch nicht genau, ob die Erkrankung selber die Veränderung des Protein-Metabolismus auslöst oder ob der veränderte Metabolismus zur Entstehung dieser Erkrankung führt.

Was sie jedoch sicher wissen, ist, dass es für Patienten mit Epilepsie empfehlenswert ist, den Verzehr glutenhaltiger Nahrungsmittel einzuschränken. Tatsächlich wird die ketogene Ernährung mit einer signifikanten Abnahme der Häufigkeit epileptischer Anfälle in Verbindung gebracht.

Gluten - Nervenfasern
Momentan wissen wir noch nicht sicher, ob Epilepsie den Gluten-Metabolismus beeinflusst. Dennoch wird Epilepsie-Patienten empfohlen, auf Gluten in der Ernährung zu verzichten.

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Ketogene Ernährung: Nutzen und Risiken

Multiple Sklerose und Glutenkonsum

Einige Autoren sehen auch einen Zusammenhang zwischen Multipler Sklerose und Glutenkonsum. Allerdings gibt es bis heute keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege für diese Annahme.

Ein in der Fachzeitschrift Multiple Sclerosis and Related Disorders veröffentlichter Artikel liefert Informationen über den Einfluss, den der Verzehr von Gluten auf die Entwicklung dieser Erkrankung hat. Darüber hinaus entwerfen die Autoren ein pathophysiologisches Modell. Dennoch sind noch weitere, komplexere Studien erforderlich, um diesen Zusammenhang zu bestätigen.

Entzündungen, Gluten und neurologische Erkrankungen

In den letzten Jahren haben Forscher immer wieder empfohlen, Gluten aus der Ernährung zu entfernen. Diese Empfehlung begründet sich auf der Tatsache, dass dieses Protein bei Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit eine entzündliche Reaktion im Darm auslösen kann. Diese wiederum kann zu einer Dysbiose führen, die auch als Schädigung der Mikrobiota bezeichnet wird.

Darüber hinaus wissen die Forscher mit Sicherheit, dass über die Darm-Hirn-Achse eine Verbindung zwischen der Mikrobiota und der psychischen Gesundheit besteht. Und diese Verbindung hat zu der Annahme geführt, dass die Aufnahme von Gluten zur Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen könnte.

Dennoch muss sich nicht jeder Mensch glutenfrei ernähren. Wenn Menschen dieses Protein korrekt metabolisieren können, verursacht Gluten keinen offensichtlichen Schaden. Zumindest gibt es bisher keine gegenteiligen Erkenntnisse und Beweise.

Gluten - Arzt rät von Brot ab
Bei manchen Menschen erhöht der Verzehr von Gluten möglicherweise das Risiko für die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen.

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Die Gefahren einer glutenfreien Ernährung

Wenn du Gluten aus deiner Ernährung entfernst, obwohl du nicht unter einer Glutenunverträglichkeit leidest, birgt dies gewisse Risiken. Denn wenn du dieses Protein nicht mehr konsumierst, beendet der Körper die Produktion der Enzyme, die für die Metabolisierung von Gluten erforderlich sind. Dies wiederum führt mittelfristig zu einer Intoleranz, die es dir dann tatsächlich unmöglich macht, Gluten zu konsumieren.

Aus diesem Grund empfehlen wir dir nicht, deinen Glutenkonsum zu beschränken, es sei denn, dein Arzt hat dir dies verordnet. Momentan gibt es keine Belege dafür, dass diese Substanz bei gesunden Menschen ohne Glutenunverträglichkeit Entzündungen verursacht.

Darüber hinaus gibt es keine fundierten wissenschaftlichen Studien, die diesen Nährstoff mit der Entstehung oder Verschlechterung einer Erkrankung – außer der Epilepsie – in Zusammenhang bringen. In diesem Fall profitieren Patienten von der ketogenen Ernährung und dies nicht nur aufgrund des Fehlens von Gluten.

Der Zusammenhang zwischen Gluten und neurologischen Erkrankungen ist unklar

Gluten ist ein Protein, das für einen Großteil der Bevölkerung nicht schädlich ist. Daher gibt es auch keinen Grund dafür, den Konsum einzuschränken. Allerdings kann der Verzehr glutenhaltiger Nahrungsmittel bei Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit zu vermehrten entzündlichen Reaktionen führen, die gesundheitsschädlich sind.

In diesen Fällen solltest du den Verzehr dieses Nährstoffes einschränken. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Gluten und der Entstehung neurologischer Erkrankungen nach wie vor unklar. In der wissenschaftlichen Literatur wird dieses Thema kontrovers diskutiert.

Das Konzept des Neurogluten, welches das Protein mit einem erhöhten Risiko neurologischer Erkrankungen in Zusammenhang bringt, muss noch weiter erforscht werden, um endgültige Aussagen treffen zu können.

Dennoch gibt es bisher keine Belege dafür, dass Gluten bei Menschen ohne Glutenunverträglichkeit entzündliche Zustände auslösen kann. Die Entzündungsreaktionen werden dem übermäßigen Konsum von einfachen Zuckern und Transfetten zugeschrieben.

  • Julian T., Hadjivassiliou M., Zis P., Gluten sensitivity and epilepsy: a systematic review. J Neurol, 2019. 266 (7): 1557-1565.
  • Thomsen HL., Jessen EB., Passali M., Frederiksen JL., The role of gluten in multiple sclerosis: a systematic review. Mult Scler Relat Disord, 2019. 27: 156-163.