Marieke Vervoort: Athletin will Sterbehilfe

9 Dezember, 2016
Nachdem Marieke Vervoort eine unheilbare, fortschreitdende Muskelerkrankung diagnostiziert wurde, war die Empfehlung der Ärzte, sich aktiv zu halten. Im Sport fand Marieke Motivation, um weiterzumachen. Bei den Paralympics in Rio 2016 hat sie die dritte olympische Medaille erreicht.

Marieke Vervoort ist eine Kämpferin. Diese belgische Athletin ist 37 Jahre jung und hat bereits 2008 um Sterbehilfe gebeten. 

Sie weiß zwar, dass der richtige Augenblick noch nicht gekommen ist, doch sie weiß auch, dass dieser kommen wird und wie sie sich ihren Tod wünscht. Was wir alle wissen ist, dass wir keine absolute Kontrolle über unser Leben haben. Krankheiten, Unfälle oder unerwartete Vorfällle sind wie Schläge, die uns formen und auf die Probe stellen.

Wir können nicht wählen, was uns das Leben bringt, doch manchmal kann man das Ende des Lebens selbst wählen.

Marieke Vervoort hat erneut die Debatte über Sterbehilfe entfacht, da sich ein Gerücht verbreitet hatte, dass sich diese Athletin nach den Paralympischen Spielen vom Leben verabschieden wollte. 

Doch dies ist nicht der Fall. Nicht jetzt, so ihre eigenen Worte, die voller Mut, Weisheit und Empfindlichkeit sind und die Welt beeindrucken.

Unabhängig davon, ob man für oder gegen Euthanasie ist, diese wunderbare Frau hat vollen Respekt und Bewunderung verdient. 

Wir möchten dir in unserem heutigen Beitrag ihre Geschichte erzählen.

Der letzte Wettkampf von Marieke Vervoort

Marieke Vervoort lebt ihr Leben intensiv, denn sie weiß, dass sie ihr Wettrennen gegen die Zeit verlieren wird. Sie genießt jeden neuen Tag, jedes Bild, jeden Laut, jeden Atemzug.

  • Marieke ist Rennrollstuhlfahrerin, bevor sie an den Rollstuhl gebunden war, bestritt sie Triathlons. Sie hatte schon vor den Paralympics 2016 in Rio verschiedene Medaillen gewonnen.
  • Bereits 2012 nahm sie an den paralympischen Spielen in London teil und gewann eine Gold- und eine Silbermedaille.
  • Sie wurde auch in Belgien sehr oft ausgezeichnet. Am glücklichsten machte sie nach ihren Worten die Auszeichnung der Vereinigung der Flämischen Sportreporter, welche ihre Anstrengung, ihren Charakter und ihre Beispielhaftigkeit prämieren wollten.

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Doch nach Aussagen von Marieke Vervoort waren diese Paralympics die letzten ihrer sportlichen Karriere.

Marieke Vervoort

Degenerative Krankheit

Wie bereits erwähnt, leidet Marieke an einer degenerativen Muskelerkrankung, die sie bereits in frühem Alter an den Rollstuhl fesselte.

Das Problem dabei ist jedoch nicht die Unbegweglichkeit, sondern das große Leiden, das täglich intensive Schmerzen verursacht. 

  • Schon über 20 Jahre lang kämpft Marieke täglich gegen ihre Krankheit und fühlt wie ihr Körper jedes Jahr etwas mehr degeneriert.
  • Sie leidet an Ohnmacht, Epilepsie, starken Schmerzen und weiß auch, dass sie erblinden wird. Jetzt hat sie eine Sehfähigkeit von 20%, doch in einigen Monaten oder wenigen Jahren, wird sie nicht mehr sehen können.
  • Sie leidet an ständigen Schmerzen, einer starken Behinderung, wird erblinden und langsam auf alles verzichten müssen, was sie am meisten liebt: das Leben.

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Papiere für Sterbehilfe

Schon sehr jung war Marieke bewusst, dass sie sterben würde. Nach der Diagnose der Krankheit dachte sie an Selbstmord, doch es geschah etwas, das sie davon abhielt:

  • Die Ärzte rieten ihr, Sport zu treiben, um ihre Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Sport ist ein Überlebenskampf und das gefiel ihr, sie hatte darin eine Motivation.
  • Sie begann im Rollstuhl mit Basketball, danach versuchte sie es mit Tauchen und Schwimmen, doch im Triathlon fand sie sich selbst und in diesem Sport erntete sie ihre ersten Medaillen und Anerkennung.
  • 2006 wurde sie zur Weltmeisterin im Parathriatlon, ein Jahr danach wiederholte sie diesen Erfolg.

Doch 2008 verschlechterte sich ihr körperlicher Zustand so sehr, dass sie damit aufhören musste. Ihr Leben kam zum Stillstand. Doch ihr Land unterstützte sie und bat sie, ihre Geschichte zu erzählen, im Fernsehen aufzutreten, um Zeugnis zu geben.

Marieke Vervoort

Marieke Vervoort tat dies. Sie veröffentlichte auch ein Buch mit dem Titel “Wielemie, sporten voor het leven”. Gleichzeitig bereitete sie die Papiere für Euthanasie vor.

Ihr Körper war nicht mehr fähig, den Sport zu treiben, den sie so sehr liebte, und außerdem weiß Marieke, dass ihr Organismus und ihr Augenlicht in einigen Jahren ganz erlischen werden.

Ihr Augenblick ist noch nicht gekommen, doch es ist nur eine Frage der Zeit…

Nachdem Marieke keinen Tritathlon mehr bestreiten konnte, hatte sie Erfolg im Blokart (Landsegeln in einem kleinen Wagen, der vom Wind geführt wird). In diesem Sport belegte sie 2011 in den Weltmeisterschaften den 2. Platz.

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Danach wurde sie Rennrollstuhlfahrerin. In diesem Sport in der Kategorie T-52 schlug Marieke alle Rekorde.

  • 2012 bei den Olympischen Spielen in London fasste sie neuen Lebensmut und Motivation, ihre täglichen Schmerzen zu ertragen.
  • Sie schläft jetzt oft nur 10 Minuten täglich, da sie ständig von Schmerzen geplagt wird.
  • Darüber hinaus leidet sie an Epilepsie, die Anfälle sind immer intensiver. Sie weiß, dass ihre Zeit zu Ende geht und möchte den Rest, der ihr noch verbleibt, in vollen Zügen genießen.
Marieke Vervoort

Sobald sie ganz erblindet und ihr Körper nur noch aus Schmerzen besteht und keine Bewegungsmöglichkeit mehr vorhanden ist, wird sie sich verabschieden. Sterbehilfe ist kein Aufgeben, sondern Entspannung für die Mutigsten.

Sie hat bereits gewählt, wie sie ihr Begräbnis gestalten möchte: Ihre Asche soll in Lanzarote (Kanarische Inseln, Spanien) ins Meer gestreut werden. Sie möchte, dass sich ihre Familie mit einem Lächeln an sie erinnert, denn so wird auch sie von ihrem Ruheort aus an sie denken. Ohne Leid, in Frieden.