Kyphose: Ursachen, Arten, Behandlung und 6 hilfreiche Tipps

Verformungen der Wirbelsäule, wie z. B. eine Kyphose, können mehr als nur ein ästhetisches Problem bedeuten. Hier erfährst du alles, was du darüber wissen musst.
Kyphose: Ursachen, Arten, Behandlung und 6 hilfreiche Tipps
Leidy Mora Molina

Geprüft und freigegeben von der Krankenschwester Leidy Mora Molina.

Geschrieben von Rafael Victorino Muñoz

Letzte Aktualisierung: 11. November 2022

Bei der Kyphose handelt es sich um eine Deformation der Wirbelsäule, wobei diese anormal gekrümmt oder gewölbt ist. Dadurch erhält der Rücken ein buckliges Aussehen, meist in Höhe der Schulterblätter.

Außerdem kann sie von Symptomen wie Schmerzen oder Atembeschwerden begleitet sein. Eine Kyphose kann angeboren sein oder andere Ursachen haben, zu denen Brüche, Abnutzung und Osteoporose gehören.

Zur Diagnose werden bestimmte Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen und MRT-Scans durchgeführt. Die Behandlung der Kyphose hängt vom Alter oder der jeweiligen Ursache ab. Sie umfasst Korrekturoperationen, Verstrebungen, Physiotherapie und einige Schmerzmittel. Willst du mehr über diese Krankheit erfahren? Dann lies einfach weiter!

Was ist Kyphose? Arten und Symptome

Kyphose - Junge bei einer ärztlichen Untersuchung
Es gibt verschiedene Verformungen, die die Wirbelsäule betreffen können. Die Kyphose zeigt sich als eine Art Buckel auf der Höhe der Schulterblätter.

Es gibt verschiedene Arten von Wirbelsäulendeformationen. Skoliose ist eine Verformung, die seitlich auftritt (wenn du die Person von vorne oder von hinten betrachtest), während bei der Lordose der untere Rückennach innen gekrümmt ist. Kyphose ist die dritte Variante.

Dieses Wort leitet sich von dem griechischen Wort kyphós ab, das “gebückt” bedeutet. Bei der Kyphose handelt es sich um eine abnorme oder übermäßig starke Krümmung der Wirbelsäule im oberen Rückenbereich. Sie macht sich durch ein Vorwärtsfallen des Nackens, der Schultern und des Kopfes bemerkbar und führt zu einer Wölbung oder Rundung in Form eines Buckels.

Untersuchungen zufolge liegt die Gesamtprävalenz der Kyphose bei 2,8 %. Bei Frauen ist sie weniger häufig (2,1 %) als bei Männern (3,6 %). Mit zunehmendem Alter ändern sich die Zahlen jedoch, denn bei Frauen nach der Menopause kann die Prävalenz bis zu 30 % betragen.

Arten

Es werden mehrere Arten der Kyphose beschrieben:

  • Haltungsbedingt: Sie kann durch mangelnde Haltungshygiene verursacht werden, was zu einer Verformung von Muskeln, Knochen und Gelenken führt.
  • Angeboren: In einigen Fällen kann diese Abweichung schon bei der Geburt beobachtet werden.
  • Juvenile Kyphose (auch dorsale Kyphose genannt): Wie der Name schon sagt, sind die Rückenwirbel davon betroffen.
  • Altersbedingte Kyphose: Bei älteren Menschen kommt es zu einer Schwächung der Knochen und Muskeln, was zum Auftreten einer derartigen Deformation führen kann.

Symptome

Das sichtbarste Zeichen der Kyphose ist die Rundung des Rückens auf Höhe der Schulterblätter, die aber auch im Nacken zu beobachten ist.

Darüber hinaus können weitere Symptome auftreten, wie z. B:

  • Steifheit in der Wirbelsäule
  • Empfindlichkeit und Schmerzen im Nacken und in den Schultern
  • Atemprobleme
  • Allgemeine Müdigkeit
  • Taubheit oder Schwierigkeiten bei der Ausführung bestimmter Bewegungen

Ursachen der Kyphose

Bei einer Kyphose verlieren die Wirbel ihre Form und bekommen ein keilförmiges Aussehen, wobei ein Teil dicker ist als der andere. Sehen wir uns an, was die häufigsten Ursachen sind.

Morbus Scheuermann

Die Scheuermann-Krankheit, auch Adoleszentenkyphose oder juvenile Kyphose genannt, betrifft den Diskuswirbelkomplex bei Heranwachsenden. Die Ursache ist unbekannt, obwohl es mechanische Faktoren (besonders bei Sportlern) und genetische Faktoren geben kann. Neben der Kyphose verursacht sie verschiedene Wirbelsäulenprobleme, darunter auch degenerative Bandscheibenläsionen.

Knochenschwächung

Bei älteren Erwachsenen können die mit Osteoporose verbundene Knochenschwächung und der Verlust an Skelettmasse zu Krümmungen, Brüchen und Missbildungen der Wirbelsäule führen, insbesondere wenn die Wirbel Kompressionsbrüche erleiden.

Verletzungen und Traumata

Neben den bereits erwähnten Frakturen können auch andere Arten von Verletzungen der Wirbelsäule auftreten, sowohl in Bezug auf die Wirbel, die Bandscheiben als auch auf die Wirbelsäule selbst.

Degeneration der Bandscheiben

Darüber hinaus können die Bandscheiben, die die Wirbel voneinander trennen und als Polsterung zwischen ihnen dienen, mit dem Alter austrocknen oder zusammengedrückt werden. Dies kann eine Kyphose verursachen oder verschlimmern.

Angeborene Probleme

In manchen Fällen entwickeln sich die Knochen der Wirbelsäule während der Schwangerschaft nicht gut. Teilweise besteht hier ein Zusammenhang mit Krankheiten wie dem Ehlers-Danlos-Syndrom.

Andere Ursachen

Kyphose kann auch bei jungen und älteren Erwachsenen aufgrund anderer Ursachen auftreten, wie zum Beispiel:

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Wie erfolgt die Diagnose?

Kyphose - Frau mit Rückenschmerzen an einem Schreibtisch
Obwohl die Kyphose eher ältere Menschen betrifft, können eine sitzende Lebensweise und die Anzahl der am Computer verbrachten Stunden ihre Entwicklung beeinflussen.

Zunächst führt der Arzt/die Ärztin eine allgemeine Untersuchung durch, bei der vor allem die Körpergröße gemessen wird. Möglicherweise untersucht er/sie auch die Reflexe und die Muskelkraft.

Außerdem werden zu verschiedenen Zwecken bildgebende Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören häufig:

  • Röntgen: Ermöglicht es, den Grad der Verkrümmung der Wirbelsäule zu beobachten und Anomalien in den Wirbeln zu erkennen.
  • Tomographie: Wenn eine detailliertere Untersuchung erforderlich ist.
  • MRT: Wenn eine Infektion oder ein Tumor vermutet wird.
  • Neurologische Tests: Um Schwäche, Lähmungen oder mangelnde Sensibilität festzustellen.
  • Knochendichtemessung: Bei Patienten mit einer Diagnose oder dem Verdacht auf Osteoporose.
  • Weitere Tests: Lungenfunktionstest, wenn die Lunge durch die Kyphose beeinträchtigt ist.

Behandlung der Kyphose

Die Behandlung der Kyphose hängt von der Ursache und der Schwere bzw. dem Fortschreiten der Krankheit sowie vom Alter der Person ab. Eine solche Behandlung kann einige oder mehrere der folgenden Alternativen umfassen, die auch miteinander kombiniert werden können.

Medikamente

In der Regel kommen rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Naproxen zum Einsatz. Wenn der Patient oder die Patientin sehr starke Schmerzen hat, kann der Arzt oder die Ärztin auch stärkere Mittel verschreiben.

Bei Menschen mit Osteoporose empfehlen sich Medikamente zur Stärkung der Knochen (u. a. Alendronat, Ibandronat, Risedronat), die zur Vorbeugung von Knochenbrüchen beitragen.

Physiotherapie

Die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut kann verschiedene Techniken anwenden, um die Kyphose zu behandeln:

  • Massage der betroffenen Muskelgruppen
  • Atemübungen
  • Übungen zur Wiederherstellung der Körperhaltung
  • Elektrotherapie, Thermotherapie oder Ultraschall

Operation

In schweren Fällen, in denen die Kyphose eine Kompression der Wirbelsäule oder der Nerven verursacht, wenn die Krümmung stark ausgeprägt ist (60 Grad) und starke Schmerzen verursacht, oder wenn eine Infektion oder ein Tumor vorliegt, kann eine Operation erforderlich sein. In der Regel erfolgt eine Wirbelsäulenversteifung mit Metallstäben und Schrauben. Die Genesung kann langwierig sein.

Tipps zur Pflege und Prävention

Wenn die Kyphose angeboren ist, lässt sie sich nicht verhindern. Aber in anderen Fällen kann das Risiko, dass sie auftritt oder sich verschlimmert, verringert werden, was dazu beiträgt, dass weniger Operationen notwendig sind. Nachfolgend findest du einige Tipps zur Vorbeugung und Pflege, wenn die Diagnose bereits gestellt wurde.

1. Tragen eines orthopädischen Korsetts

Das Tragen eines orthopädischen Korsetts, das eine teilweise Ruhigstellung bewirkt, kann insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Scheuermann dazu beitragen, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten.

Das Korsett sollte korrekt angelegt werden. Außerdem sollten die Empfehlungen des Arztes/der Ärztin bezüglich der Tragezeit befolgt werden, d. h. es darf nicht abgelegt werden, auch wenn es unbequem ist.

2. Richtige Körperhaltung

Vor allem ältere Menschen und solche, die aufgrund ihrer Arbeit lange vor dem Computer sitzen müssen, sollten sich um eine gute Haltungshygiene bemühen. Gleiches gilt, wenn du fernsiehst oder dein Handy kontrollierst.

3. Vermeiden von sitzender Lebensweise

Zu den verschiedenen Folgen einer sitzenden Lebensweise gehört der Verlust von Masse, Kraft und Ausdauer der Muskeln, weil sie nicht ausreichend benutzt werden. Und das wirkt sich auch auf den Rückenbereich aus.

4. Angemessenes Gewicht

Studien zufolge neigen Menschen mit Übergewicht zu Haltungsfehlern, da die direkte vertikale Druckbelastung zunimmt, wovon insbesondere die Wirbelsäule, die Knie und die Knöchel betroffen sind. Dies kann bei Menschen mit Kyphose zu Komplikationen führen. Deshalb sollten körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung ein fester Bestandteil der Behandlung dieser Krankheit sein.

5. Dehnungsübungen für den Rücken

Bei einigen Arten von Kyphose kann der Patient durch Dehnungs- und Rückenstärkungsübungen eine gewisse Verbesserung erfahren. Einige dieser Übungen kann der Betroffene selbst durchführen, aber bei anderen ist die Hilfe eines Physiotherapeuten/einer Physiotherapeutin erforderlich.

6. Regelmäßige Arztbesuche

In den folgenden Fällen ist es wichtig, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen:

  • Wenn eine persönliche Vorgeschichte von Verkrümmungen vorliegt (z. B. Skoliose).
  • Wenn du an Osteoporose leidest oder über 60 Jahre alt bist.

Vergiss nicht, dass eine frühzeitige Diagnose eine wirksamere oder weniger invasive Behandlung bedeuten kann.

Mögliche Folgen und Komplikationen

Die oben genannten Maßnahmen und Behandlungen können dazu beitragen, das Risiko zu verringern, Komplikationen und verschiedene Folgen zu erleiden, wie z. B:

  • Rückenschmerzen, die zu Behinderungen führen können.
  • Atembeschwerden: Durch die falsche Krümmung kann Druck auf die Lunge ausgeübt werden.
  • Beeinträchtigung bei der Erledigung von Aufgaben: Schwierigkeiten beim Gehen, Sitzen oder Aufschauen. Eine Kyphose kann sogar das Autofahren verhindern.
  • Schlaflosigkeit: Forschungsergebnissen zufolge kann diese Krankheit bei manchen Menschen die Qualität der Nachtruhe beeinträchtigen.
  • Verdauungsprobleme: Durch das Zusammendrücken des Verdauungssystems, insbesondere des Magens, kann es zu Problemen wie Reflux und Schluckbeschwerden kommen.
  • Geringes Selbstwertgefühl: Menschen mit Kyphose haben möglicherweise eine negative Selbstwahrnehmung ihres Körpers.

Prognose der Kyphose

Die Prognose der Kyphose hängt von der Art und dem Schweregrad sowie vom Alter des Betroffenen ab. Bei Jugendlichen mit Morbus Scheuermann stoppt die Krankheit in der Regel, wenn das Wachstum abgeschlossen ist, ohne dass eine Operation erforderlich ist. Allerdings kann das Tragen eines Korsetts weiterhin erforderlich sein.

Im Gegensatz dazu sind bei älteren Erwachsenen der Zeitpunkt und die Einhaltung der Behandlungsempfehlungen entscheidend. Für sie ist es notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, da ihre Knochen in der Regel schwächer sind und Komplikationen auftreten können.

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