Interview mit Carlos Ríos: Isst du reales Essen?

30 Juni, 2019
Carlos Ríos, der Begründer der Realfooding-Bewegung, erinnert uns daran, dass uns die Lebensmittelindustrie konfuse Botschaften über unser Essen vermittelt. Wir werden dadurch oft ganz unbewusst zu Konsumenten hochprozessierter Lebensmittel, die unserer Gesundheit schaden. 

Realfooding bezieht sich auf reales Essen und bezweckt viel mehr als nur eine Modeerscheinung zu sein. Der Begründer dieser Bewegung und Ernährungsberater Carlos Ríos hat bereits viele Anhänger, die ihn auf seinem Weg mit diesem neuen Lebensstil begleiten.

Es geht um die Gesundheit und darum, sich bewusst zu werden, dass weniger mehr ist und die einfachsten Dinge die besten sind.

Wir wissen, dass es in der Ernährungsindustrie viele Moden und Gurus gibt, die Wunder versprechen. Doch Carlos Ríos hat vor einigen Jahren in sozialen Netzwerken einen neuen Weg initiiert und damit insbesondere zwei Dinge erreicht. 

Einerseits hat er Konsumenten Werkzeuge und Kenntnisse zur Verfügung gestellt, um zu wissen, was sie täglich konsumieren. Andererseits ist sein Ziel, uns die Augen zu öffnen und die Notwendigkeit einer gesunden, realen Ernährung zu erkennen. 

Wir sprechen heute darüber in unserem Interview mit Carlos Ríos: 

“Die Industrie liebt es, die Sprache der Nährstoffe und Kalorien zu sprechen, um uns das Gefühl zu geben, etwas Gesundes zu essen. Doch es handelt sich um eine konfuse Sprache, hinter der sich hochprozessierte Lebensmittel verstecken, die wir schließlich konsumieren.“

Interview mit Carlos Ríos: reales Essen

Der Ernährungsexperte Carlos Ríos studierte an der Universität Pablo de Olavide (Sevilla, Spanien) und ist, wie bereits erwähnt, der Begründer der Realfooding-Bewegung. Sein Ziel ist es, das Bewusstsein der Bevölkerung zu wecken. Mit seinem Matrix-Stil hat er in sozialen Netzen zahlreiche Anhänger erreicht.

Er hat auch ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben, das einen Leitfaden für eine gesunde Ernährung darstellt, um allgemeine Gesundheit zu erreichen. Darin ist auch eine umfassende wissenschaftliche Bibliografie zu finden. In diesem Buch weist uns Carlos Ríos mehrfach darauf hin, dass wir „kein reales Essen einnehmen, sondern jene Produkte, die man uns vor die Augen setzt“.

In unserem Interview gehen wir nicht nur näher darauf ein, was Realfooding bedeutet. Es geht auch um Verstehen und Wissen, um mehr Macht zu haben. Wenn wir wissen, was wir essen, sind wir mächtiger und investieren in unsere Gesundheit. 

reales Essen

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Wie entstand Realfooding oder „reales Essen“?

Ich habe damit bei meiner Arbeit als Ernährungsberater angefangen. Da ich die guten Ergebnisse sah, als ich Lebensmittel beleuchtete und auf die Gefahren hochprozessierter Produkte hinwies, entschied ich mich, diese Kenntnisse auch der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Denn ich kenne mich gut mit sozialen Netzen aus und sah darin die Möglichkeit, ein großes Publikum zu erreichen.

Wenn uns reales Essen bereits seit Langem zur Verfügung steht, warum ernährt sich dann ein Großteil der Bevölkerung falsch?

Weil die Lebensmittelindustrie unseren hektischen Lebensstil geschickt nutzt. Da wir immer in Zeitnot sind, verkauft sie uns Produkte, die schnell gekauft und konsumiert werden können (hochprozessierte Produkte) und diese ersetzen allmählich unser reales Essen.

Was ist das schlechteste Produkt, das wir täglich konsumieren? Gibt es ein Lebensmittel, das wir definitiv aus unserer Ernährung streichen sollten?

Im Allgemeinen sind alle hochverarbeiteten Lebensmittel ungesund, doch insbesondere ist die Summe all dieser Produkte gefährlich. Zu den meist konsumierten Produkten, die in großen Mengen eingenommen werden, gehören Softdrinks, die als Erstes vermieden werden sollten.

Worauf müssen wir beim Einkaufen von Lebensmitteln ganz besonders achten?

Insbesondere auf die Zutaten. Wir achten immer auf Kalorien und Fettwerte, doch eigentlich sind die Zutaten am wichtigsten. Die Lebensmittelindustrie weiß genau worauf wir achten und versucht deshalb, uns mit Light-Produkten oder kalorienarmen Produkten zu täuschen, da diese für uns attraktiver sind.

Doch diese Produkte sind genauso ungesund wie ihre „normale“ (nicht light) Version. Deshalb ist der einzige Weg, zu wissen, was wir konsumieren und ob das gesund oder nicht ist, die einzelnen Inhaltsstoffe des Produktes zu lesen. Nur so wissen wir, ob es sich um reales Essen handelt.

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Welche Alternativen gibt es für einen gesunden Snack oder ein Getränk zwischendurch?

Für Snacks gibt es viele Möglichkeiten: naturbelassene oder geröstete Nüsse (ohne Salz!), Obst, Naturjoghurt, Essiggurken, Oliven, Edamame usw. Das beste Getränk ist Wasser, doch es gibt auch ein „Realfood-Getränk“, das wir aus kohlensäurehaltigem Mineralwasser, Zitrone und Eis zubereiten können.

In den Medien werden uns zahlreiche hochprozessierte Lebensmittel mit einem übermäßigen Zuckergehalt vor Augen geführt. Sprechen wir von Kindern: Wie können wir ihnen helfen, sich der Realfooding-Initiative anzuschließen?

Wir müssen verstehen, dass Kinder Konzepte wie „gesund“ oder „hochprozessiert“ nicht auf dieselbe Weise verstehen. Sie haben jedoch eine große Vorstellungskraft und nehmen Vieles über ihre Sinne auf, deshalb müssen wir ihnen reales Essen auf kreative, schmackhafte und auch spielerische Weise präsentieren. 

Für Kinder macht es einen großen Unterschied, ein einfaches Stück Obst zu essen, oder ein aus Obst hergestelltes Bild auf einem Teller zu sehen und zu essen.

Zum Schluss noch eine Frage: Wie können wir mit der Umstellung auf reales Essen am besten beginnen?

Mit der Herausforderung von Realfooding für einen Monat. Auf Instagram gibt es viel Information über dieses Thema, um damit zu beginnen. Mit dieser Herausforderung erzielst du in einem Monat so viele Vorteile, dass du nicht wieder zurück zu deinen alten Gewohnheiten möchtest.