Doman-Methode für frühzeitiges Lesen

25 April, 2019
Die Doman-Methode ermöglicht es Kindern, bereits mit 3 Jahren lesen zu lernen. Damit werden auch die kognitiven Fähigkeiten von Kindern mit Gehirnschäden stimuliert. Es handelt sich um eine unterhaltsame Methode, die schnelles Lernen begünstigt. 

Kann ein dreijähriges Kind tatsächlich lesen lernen? Du findest das erstaunlich? Die Doman-Methode wurde für das frühzeitige Lesenlernen entwickelt uns soll auch Kindern mit Problemen helfen, bestimmte Fähigkeiten einfacher zu erwerben.

Diese Methode wurde in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts von dem US-amerikanischen Arzt Glenn J. Doman entwickelt, der auch The Institutes for the Achievement of Human Potential in Philadelphia (USA) gegründet hat. Dieser Experte hat gezeigt, dass seine Methode effektiver als traditionelle Silbenmethoden ist.

Anfangs wurde diese Methode verwendet, um Kindern mit Gehirnschäden zu helfen, bestimmte kognitive Fähigkeiten zu entwickeln. Aufgrund der positiven Ergebnisse erforschte Doman auch die Wirkungen seiner Methode auf gesunde Kinder, um ihnen bereits in sehr jungem Alter das Lesen beizubringen.

Erfahre heute mehr über diese Methode.

Die Doman-Methode

Doman-Methode für frühes Lesen

Diese Methode funktioniert ganz ähnlich wie der natürliche Spracherwerb. Dabei werden die Potenziale sehr junger Kinder genutzt.

Doman hat in seinen Untersuchungen herausgefunden, dass die kindliche Lernfähigkeit in den ersten Lebensjahre besonders groß ist. 

Dies erklärte er in seinem Buch „How to teach your baby to read“. Darin bezeichnet der Arzt die ersten 6 Lebensjahre eines Kindes als die Phase der „Entstehung des Genies“, denn diese Zeit zeichnet sich durch unübertreffbare Fähigkeiten aus, die im späteren Leben nie mehr so groß sein werden.

Kinder können schon sehr früh lesen lernen, wenn sie die richtige Stimulation erhalten, um Wörter und ihre Bedeutung zu erkennen. Dazu verwendet man in der Doman-Methode Karten mit Wörtern aus der Welt der Kinder, die sehr groß geschrieben sind, damit das Kind das Wortbild erkennen kann.

Die Doman-Methode geht davon aus, dass das Lesen auf dieselbe Art wie das Sprechen gelernt werden kann. Wenn das Baby ein Wort hört, erfolgen dieselben elektrochemischen Reaktionen wie beim Sehen des Wortes.

Deshalb ist es für das Kind gleich anstrengend beziehungsweise einfach, sprechen und lesen zu lernen. Es kann also beide Fähigkeiten gleichzeitig lernen. 

Auf diese Weise werden beide Gehirnhemisphären gleichzeitig stimuliert. Das Kind erfährt das Wort als Ganzes, ohne die Buchstaben zu unterscheiden, genau so, wie es auch ein Bild erkennt.

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Doman-Methode zum Lesenlernen

Doman-Methode zum Lesenlernen
Die Wörter, die das Kind lernt, müssen mit seiner täglichen Umgebung im Zusammenhang stehen.

Diese Lerntechnik passt sich an die individuellen Eigenschaften jedes Kindes an. 
Es muss eine einfache und unterhaltsame Aktivität sein. Dabei werden dem Kind dreimal täglich schnell fünf Wortkarten gezeigt.

Es lernt dabei jeweils 5 neue Wörter, die derselben Kategorie angehören: Körperteile, Familienmitglieder, Farben, Tiere, Spielzeug oder Tätigkeiten. Die Wahl der Wörter hängt allerdings von der jeweiligen Umgebung des Kindes ab, denn sie müssen in seinem Alltag vorhanden sein.

Man schreibt ein Wort auf einen Karton mit 10 cm Höhe und 60 cm Breite. Die Wörter werden in roter Farbe mit Druckschrift (klein) geschrieben. Jede Kategorie umfasst 5 Wörter. Der Leseprozess erfolgt in verschiedenen Phasen:

1. Phase der Doman-Methode: Wörter

In der ersten Phase werden nur einzelne Wörter gezeigt. Zuerst verwendet man Substantive, die bestimmten Kategorien (Familie, Tiere, Nahrung, Farben) entsprechen, danach kann man Tätigkeiten (Verbformen) zeigen. Der Prozess erfolgt folgendermaßen:

  • 1. Tag: Zeige deinem Kind fünf Wörter derselben Kategorie dreimal täglich.
  • 2. Tag: Zeige deinem Kind die fünf Wörter des ersten Tages und weitere fünf Wörter einer anderen Kategorie.
  • 3. Tag: Zeige deinem Kind die zehn Wörter der Vortage und fünf neue Wörter einer anderen Kategorie.
  • 4. Tag: Zeige deinem Kind die fünfzehn Wörter der Vortage und fünf neue Wörter einer anderen Kategorie.
  • 5. Tag: Zeige deinem Kind die zwanzig Wörter der Vortage und fünf neue Wörter einer anderen Kategorie.

In der Doman-Methode umfasst eine Lernwoche jeweils 5 Tage. In den folgenden Wochen entfernst du jeden Tag eine Kategorie und führst eine neue ein. Das Kind soll sich nicht langweilen. Man zeigt ihm nie mehr als 25 Karten pro Tag. Du darfst jedoch nicht alle auf einmal verwenden. Die Karten werden dem Kind immer in 5er-Blöcken aus derselben Kategorie gezeigt.

Eine Sitzung dauert zwischen 15 und 30 Minuten, wobei eine Karte nur eine Sekunde lang gezeigt wird, das geht also ganz schnell. Das Kind muss die Aussprache des Wortes nicht wiederholen. Enthusiasmus und  Motivation, die du dabei deinem Kind vermittelst, sind allerdings grundlegend.

Es soll sich um ein lustiges Spiel handeln, auf das dein Kind bereits freudig wartet. Schau es an, während du das Wort klar und deutlich aussprichst und ihm die Karte zeigst.

Sobald du die Kategorie änderst, mische die Karten, um sie ihm in einer anderen Reihenfolge zu zeigen. Vergiss nicht, dass nicht zwei Worte mit demselben Anfangsbuchstaben aufeinander folgen sollten. 

Zweite Phase der Doman-Methode: Wortpaare

Die zweite Phase beginnt, wenn das Kind bereits 150 Wörter gesehen hat. Jetzt geht es um Wortpaare, die sich jeweils aus einem Substantiv und einem Adjektiv zusammensetzen. Außerdem werden in dieser Phase die Farben nicht mehr auf weißen Karton, sondern auf einen Karton in der jeweils entsprechenden Farbe geschrieben.

Jede Woche zeigst du deinem Kind zwei Gruppen von Wortpaaren (jeweils 5 Wortpaare) und wiederholst die Wörter der ersten Phase. Auf diese Weise sieht das Kleine jeweils Wortpaare (zwei Gruppen) und einzelne Wortkategorien.

Dritte Phase der Doman-Methode: Kurze Sätze

In dieser Phase verwendest du Karten mit einer Höhe von 5 cm. Du führst jetzt einfache Sätze mit jeweils drei Wörtern ein, zum Beispiel: Mama ist da. Papa hört Musik. Oma kocht Essen.

Du kannst diese Sätze in ein Heft schreiben und Zeichnungen dazu machen. Die Seiten sollten 45 cm hoch und 20 cm breit sein. Du liest deinem Kind dieses Buch zwei- bis dreimal täglich vor.

Vierte Phase der Doman-Methode: Sätze

Du schreibst jetzt einfache Sätze mit einer Schrifthöhe von 2,5 cm in schwarzer Farbe auf. Du kannst auch Artikel, Pronomen usw. verwenden. Zum Beispiel: Meine Mutter isst Kuchen. Mein Vater singt ein Lied.

Fertige ebenfalls ein Buch an und lies deinem Kind diese Sätze zwei- bis dreimal täglich vor.

Fünfte Phase der Doman-Methode: Geschichten

Mit Doman-Methode lesen
Mit Geschichten können Kinder ihren Wortschatz ausbauen.
Jetzt ist es an der Zeit, ein Buch mit deinem Kind zu lesen. Du kannst damit auch schon viel früher beginnen. Lies deinem Kind Geschichten vor, die zwischen 50 und 100 Wörter aufweisen.

Du solltest dies zwei- bis dreimal täglich tun, und zwar mit ganz normaler Geschwindigkeit und Betonung.

Besonders vorteilhaft sind Bücher, in denen sich auf jeder Seite nur ein Satz befindet. Die Schrift sollte nicht kleiner als 2 cm sein und sich deutlich von der Illustration abheben. Wähle die Geschichten den Interessen deines Kindes entsprechend. Sie sollten jedoch auch neues Vokabular enthalten.

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Schlussbemerkungen

Nach jeder Sitzung, umarmst du dein Kind und beglückwünschst es. Positive Verstärkung ist in der Doman-Methode grundlegend, um den Erfolg zu garantieren und schon sehr früh lesen zu lernen.

Doman geht davon aus, dass ein einjähriges Baby bereits Wörter erkennen kann. Mit zwei Jahren kann es Sätze identifizieren und mit drei Jahren kann es einfache Sätze lesen und den Prozess genießen.

Später wird dein Kind dann die Regeln der mündlichen und schriftlichen Sprache lernen. Sobald es lesen kann, kannst du ihm das Alphabet beibringen, wenn dies nicht bereits zuvor erfolgte. Hast du Lust, mit deinem Kind diese Methode auszuprobieren?

  • Alegría, Jesús. “Por un enfoque psicolingüístico del aprendizaje de la lectura y sus dificultades—20 años después.” Infancia y aprendizaje 29.1 (2006): 93-111.
  • Bravo Valdivieso, Luis. “La conciencia fonológica como una zona de desarrollo próximo para el aprendizaje inicial de la lectura.” Estudios pedagógicos (Valdivia) 28 (2002): 165-177.
  • Estalayo, Rosario Vega Víctor, Glenn J. Doman, and Rosario Vega. Leer bien, al alcance de todos: El método Dolman adaptado a la escuela. Biblioteca Nueva, 2003.