Avitaminose: das Fehlen von Vitaminen

5 November, 2019
Mit der Avitaminose wird das vollständige Fehlen von Vitaminen bezeichnet, die der Körper braucht, um zu funktionieren. Wie es dazu kommt und welche Folgen es für die Gesundheit hat, erklären wir dir in diesem Artikel.

Mit der Avitaminose wird das vollständige Fehlen von Vitaminen bezeichnet, die der Körper braucht, um zu funktionieren. Wie es dazu kommt und welche Folgen es für die Gesundheit hat, erklären wir dir in diesem Artikel.

Eine Avitaminose tritt bei einem Menschen nur selten auf. Aus diesem Grund wird meist von einer Hypovitaminose gesprochen, mit der vielmehr eine unzureichende Vitaminzufuhr gemeint ist.

Vitamine sind wichtige Nährstoffe für unseren Organismus. Gestaltet sich unsere Ernährungsweise nicht abwechslungsreich und werden nicht verschiedene Lebensmittel einbezogen, lassen sich die notwendigen Tagesmengen nicht abdecken.

Ursachen einer Avitaminose

Der menschliche Körper braucht im Vergleich zu Proteinen und Kohlenhydraten nur relativ kleine Mengen an Vitaminen. Dennoch leiden viele Personen an einem Vitaminmangel.

Unausgewogene Ernährung mit strikten Einschränkungen

Diese Ernährungsform verhindert die Aufnahme der empfohlenen minimalen Vitaminmenge. Sie kann auf äußere Umstände zurückzuführen sein, beispielsweise auf Hungersnöte, Dürren, kriegerische Auseinandersetzungen oder Vertreibung.

Aber auch selbst auferlegte Einschränkungen gelten als Ursache: strenge Diäten ohne professionelle Aufsicht, Weglassen von Grundnahrungsmitteln, unzureichende anhaltende Ernährungsgewohnheiten und Weiteres.

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Gesteigerter Nährstoffbedarf

Ein gesteigerter Nährstoffbedarf ist während der Stillperiode, eines schnellen Entwicklungsstadiums oder einer Phase intensiver körperlicher Betätigung denkbar. Obwohl weitestgehend wie gewöhnlich gegessen wird, entsteht ein gewisser Vitaminmangel, da der Körper unter den genannten Umständen einen höheren Vitaminbedarf aufweist.

Zunehmende Verluste bei der Vitaminabsorption

Dieser Aspekt kann zu einem Problem werden, wenn er über längere Zeit bestehen bleibt. Zudem hängt er oftmals mit Erkrankungen wie chronischem Durchfall, Zöliakie, entzündlichen Darmerkrankungen oder Lebensmittelunverträglichkeiten zusammen.

Rauchen

Laut einer veröffentlichten Studie in der medizinischen Fachzeitschrift ‚American Journal of Public Health‘ zerstört diese Gewohnheit üblicherweise Teile des Vitamins C. Daher ist vor allem Rauchern zu empfehlen, die Zufuhr dieses Vitamins zu erhöhen.

Alkoholismus

Wie in einem Artikel des International Journal for Vitamin and Nutrition Research dargelegt, weisen viele Patienten einer chronischen Alkoholkrankheit eine Mangelernährung auf. Dies kann daran liegen, dass sie die gewöhnliche Aufnahme essentieller Nährstoffe reduzieren oder weil der Alkohol eine adäquate Verdauung und Absorption der Vitamine verhindert.

Die Vitamine

Vitamine stimulieren und bringen im Grunde genommen alle biochemischen Aktivitäten des Organismus in Gang, die für unsere Gesundheit wichtig sind.

Die 13 essentiellen Vitamine lassen sich in zwei Gruppen unterteilen. Eine dieser umfasst die wasserlöslichen Vitamine, die täglich aufzunehmen sind, da sie schnell ausgeschieden werden. Zu der anderen Gruppe zählen die nicht wasserlöslichen Vitamine, die der Körper für Wochen oder sogar Monate speichern kann.

Avitaminose wasserlöslicher Vitamine

  • Ascorbinsäure/Vitamin C: Dieses Vitamin kann zu Veränderungen der Mundgesundheit, der Haut und der Haare sowie zu einem höheren Risiko von Brüchen führen. Der Skorbut ist beispielsweise eine Krankheit, die auf diesem Vitaminmangel basiert.
  • Thiamin/Vitamin B1: Ein Fehler dieses Vitamins kann sowohl neurologische, kardiovaskuläre als auch psychiatrische Störungen beinhalten. Beriberi und das sogenannte Wernicke-Korsakoff-Syndrom sind Krankheitsbilder, die mit einem Fehlen des Vitamins B1 einhergehen.
  • Riboflavin/Vitamin B2: Eine niedrige Zufuhr Riboflavins löst Veränderungen der Schleimhäute aus, insbesondere des Mundes und der Augen. Möglich sind auch eine Schwellung der Zunge sowie trockene oder tränende Augen.
  • Niacin/Vitamin B3: Fehlt dem Körper Niacin, zeigen sich Symptome wie gastrointestinale und Hautveränderungen sowie Demenz. Es kann ebenfalls zur sogenannten Pellagra-Erkrankung kommen.
  • Pantothensäure/Vitamin B5: Denkbare Folgeerscheinungen sind neurologische Veränderungen sowie solche der Haut und des Verdauungssystems.
  • Pyridoxin/Vitamin B6: Ein Defizit des Vitamins B6 kann eine Anämie hervorrufen. Auch Probleme in Bezug auf sowohl das Nerven- als auch Verdauungssystem und solche neurologischer Art sind nicht auszuschließen.
  • Biotin/Vitamin B7: Bei Fehlen dieses Vitamins sind Krämpfe, Haarausfall (Alopezie), Dermatitis und psychomotorische Entwicklungsstörungen möglich.
  • Folsäure/Vitamin B9: Ein Folsäuremangel kann in einer megaloblastären Anämie resultieren. Das Vitamin B9 ist ebenfalls für das Heranwachsen eines Fötus notwendig.
  • Cobalamin/Vitamin B12: In diesem Fall können eine perniziöse Anämie sowie neuromuskuläre Probleme oder Komplikationen im Zusammenhang mit dem Blut auftreten.

Für mehr Informationen: Wissenswertes über Vitamine in der Ernährung

Avitaminose nicht wasserlöslicher Vitamine

  • Vitamin A: Das Vitamin A spielt eine wesentliche Rolle beim Sehen und kann bei einem Mangel Nachtblindheit zur Folge haben sowie das Immunsystem schädigen.
  • Vitamin D: Dieses Vitamin fehlt am häufigsten. Jedoch ist es für die Gesundheit unserer Knochen wichtig und verringert somit gleichzeitig das Risiko von Brüchen.
  • Vitamin K: Sein Mangel ruft bei Neugeborenen die hämorrhagische Krankheit und bei Erwachsenen Blutungen vor.
  • Vitamin E: Die Hauptsymptome einer unzureichenden Vitamin-E-Aufnahme sind eine hämolytische Anämie und neurologische Defizite.

Um den zuvor genannten Mangelerscheinungen vorzubeugen, ist es unabdingbar, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, bei der alle verschiedenen Lebensmittelgruppen einbezogen werden. Falls es nicht möglich ist, den notwendigen Bedarf der einzelnen Vitamine über die Nahrung abzudecken, kann – sofern vom Arzt empfohlen – auf Ergänzungsmittel zurückgegriffen werden.

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