Wurzelspitzenresektion: Was ist das und was sind die Vorteile?

Wenn eine Wurzelbehandlung nicht funktioniert und sich der Zahn erneut entzündet, kann eine Wurzelspitzenresektion eine Option sein, die du in Betracht ziehen solltest. Hier ist, worum es geht.
Wurzelspitzenresektion: Was ist das und was sind die Vorteile?
Vanesa Evangelina Buffa

Geschrieben und geprüft von der Zahnärztin Vanesa Evangelina Buffa.

Letzte Aktualisierung: 09. Dezember 2022

Wenn es darum geht, einen Zahn mit einer Infektion im Mund zu erhalten, ist die Endodontie meist die Lösung. Manchmal reicht dieses Verfahren jedoch nicht aus und es ist notwendig, auf eine Wurzelspitzenresektion zurückzugreifen.

Zahnärzte nutzen diesen kleinen chirurgischen Eingriff, um den infizierten Zahn nicht aus dem Mund zu entfernen. Wenn Wurzelkanalbehandlungen fehlgeschlagen sind, kann dieses Verfahren das infizierte Gewebe entfernen und so die Zähne erhalten.

Hier erfährst du, was eine Apektomie oder Wurzelspitzenresektion ist, wann sie empfehlenswert ist und welche Vorteile sie bringt. Außerdem erklären wir dir, wie du dich nach diesem Eingriff verhalten musst. Lies weiter.

Was ist eine Wurzelspitzenresektion?

Die Wurzelspitzenresektion ist ein chirurgischer Eingriff, der an der Wurzelspitze eines wurzelbehandelten Zahns vorgenommen wird. Mit diesem Eingriff ist es möglich, infektiöse Prozesse zu beseitigen, die nach einer Wurzelkanalbehandlung fortbestehen.

Auf diese Weise lassen sich die Beschwerden, die nach einer Wurzelkanalbehandlung bleiben, behandeln und mögliche Komplikationen verhindern. Außerdem vermeidet dieser Eingriff die Extraktion des Zahns, da er im Mund verbleiben und seine üblichen Funktionen erfüllen kann.

Die Wurzelspitzenresektion bezeichnet man auch als endodontische Chirurgie, weil dieser Eingriff eine Ergänzung zur Wurzelbehandlung ist. Allerdings geht es in diesem Fall um die Behandlung von Infektionen, die in der Zahnwurzel auftreten.

Bei Wurzelkanalbehandlungen, die in Zahnarztpraxen routinemäßig durchgeführt werden, wird das Innere des Zahns gereinigt. Mit speziellen Instrumenten und Flüssigkeiten entfernt der Zahnarzt/die Zahnärztin das Zahnmark und die Ablagerungen, die den tiefsten Teil des Zahns verunreinigen.

Die Wurzelspitzenresektion hingegen wird im periapikalen Bereich durchgeführt, also um den äußeren Teil der Zahnwurzel herum. In diesem Fall wird die Infektion, die sich in der Nähe des Wurzelbereichs des Zahns befindet, gereinigt und beseitigt.

Sowohl die Endodontie als auch die Wurzelspitzenresektion sind konservative Behandlungen. Beide Therapien zielen darauf ab, den Zahn im Mund zu erhalten.

Wie wir dir noch erklären werden, kommt die Wurzelspitzenresektion zum Einsatz, wenn herkömmliche Wurzelkanalbehandlungen versagt haben. Sehen wir uns im Detail an, wann sie indiziert ist.

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Vorteile der Wurzelspitzenresektion

Der Hauptvorteil der Wurzelspitzenresektion ist die Möglichkeit, einen entzündeten Zahn zu erhalten, bei dem herkömmliche Wurzelkanalbehandlungen nicht erfolgreich waren. Der Erhalt des Zahns bewahrt die Funktionalität und Ästhetik des gesamten Mundes und sorgt für Wohlbefinden.

Oftmals bleiben trotz einer Wurzelkanalbehandlung Infektionen um die Wurzel herum bestehen. Diese Prozesse können Abszesse, Zysten oder periapikale Granulome verursachen.

Dies führt zu Unbehagen und Schmerzen in diesem Bereich, Schwellungen, Fisteln und Mundgeruch. Außerdem kann sich ein Infektionsherd im Mund ausbreiten und schwerwiegendere Komplikationen im restlichen Körper verursachen.

Wenn die Endodontie nicht gewirkt hat und die Infektion fortbesteht, ist die Wurzelspitzenresektion die Option, mit der man den Zahn behandeln und im Mund erhalten kann. Die weniger konservative Lösung wäre eine Exodontie.

Wurzelkanalbehandlungen reichen manchmal nicht aus, weil die Mikroorganismen im Inneren des Zahns den Reinigungsmaßnahmen dieses Eingriffs widerstehen können. Bei der Wurzelspitzenresektion entfernt der Zahnarzt/die Zahnärztin die Wurzelspitze und das umliegende infektiöse Gewebe.

In jedem Fall solltest du wissen, dass der Zahnarzt/die Zahnärztin nur dann auf dieses Verfahren zurückgreift, wenn einfachere Methoden wie Endodontie oder Wurzelkanalbehandlungen versagt haben. Es ist auch oft eine sinnvolle Alternative, wenn der infizierte Zahn einen zementierten Stift und eine Krone hat und deren Entfernung die Integrität des Zahns gefährden würde.

Wurzelspitzenresektion - zahnärztliche Instrumente
Die Endodontie kann eine Ergänzung in Form einer Wurzelspitzenresektion erfordern, um hartnäckige Infektionen zu behandeln.

Kontraindikationen für eine Wurzelspitzenresektion

Genauso wie es Fälle gibt, in denen der Zahnarzt/die Zahnärztin eine Wurzelspitzenresektion empfiehlt, gibt es Situationen, in denen dieser Eingriff nicht möglich ist. Hier sind einige Faktoren, die gegen diesen Eingriff sprechen:

  • Sehr umfangreiche Wurzelschäden
  • Patienten mit Gerinnungsproblemen
  • Akute Infektionen mit starken Blutungen
  • Zähne mit Längsfrakturen
  • Infektion in der Nähe der Kieferhöhle
  • Zähne mit falschen Kanälen, die sich nicht mit einer Endodontie behandeln lassen
  • Sehr fortgeschrittene Parodontalerkrankung oder starke Zerstörung des Stützknochens

In diesen Fällen ist es notwendig, den Zahn zu ziehen und die fehlende Stelle mit Implantaten oder einer anderen prothetischen Lösung zu sanieren.

Wie wird eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt?

Bei der Planung einer Wurzelspitzenresektion beurteilt der Zahnarzt/die Zahnärztin zunächst der Zustand des endodontischen Zahns. Dabei ist zu bedenken, dass dieser Eingriff an Zähnen erfolgt, die bereits eine fehlgeschlagene Wurzelkanalbehandlung hinter sich haben.

Um den Zustand des zu behandelnden Zahns zu analysieren, werden Röntgenaufnahmen angefertigt und der Zustand des Wurzelkanals, der Wurzelspitze und des Gewebes, das die Infektion erreicht hat, beurteilt. Anhand dieser Daten stellt der Zahnarzt/die Zahnärztin fest, ob ein chirurgischer Eingriff möglich ist und plant den Eingriff.

Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung in dem Bereich. Sobald der Bereich betäubt ist, wird ein Lappen über das Zahnfleisch gelegt, um an den Bereich des Knochens zu gelangen, in dem sich die Infektion befindet.

Mit speziellen Instrumenten entfernt der Zahnarzt/die Zahnärztin eine bestimmte Menge Knochengewebe, um das Ende der Wurzel freizulegen. Dazu führt er/sie vorher Messungen durch, die es ihm/ihr ermöglichen, den Bereich, in dem er/sie eingreifen muss, genau zu bestimmen.

Sobald die Zahnspitze sichtbar ist, wird sie abgeschnitten und extrahiert. Das heißt, die Spitze der Zahnwurzel wird entsorgt. Außerdem entfernt der Zahnarzt/die Zahnärztin beschädigtes Gewebe und infektiöse Prozesse, die sich in diesem Bereich befinden.

Um Lecks und zukünftige Infektionen zu verhindern, versiegelt er/sie den Zahnkanal mit speziellen Materialien. Außerdem kann die Stelle mit antibakteriellen Mitteln oder Knochentransplantaten aufgefüllt werden, um die Erholung des Gewebes zu fördern.

Am Ende setzt der Zahnarzt/die Zahnärztin das Zahnfleisch wieder an seinen Platz und vernäht es. Mit der Zeit regeneriert sich das Gewebe und die Stelle heilt ab.

Je nach Eingriff und Komplexität des Falls dauert diese Art der Behandlung in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten. Viele Zahnarztpraxen verfügen über Operationsmikroskope, die ein präziseres Vorgehen ermöglichen.

Wie fühlt man sich nach dem Eingriff?

Da es sich um einen kleinen chirurgischen Eingriff handelt, verursacht die Wurzelspitzenresektion in der Regel keine großen Unannehmlichkeiten für den Patienten. Allerdings ist die Genesung langsamer und schmerzhafter als bei einer Wurzelbehandlung.

In den Stunden nach dem Eingriff kann der Bereich geschwollen sein und beim Essen oder Sprechen schmerzen. Dabei handelt es sich in der Regel um vorübergehende Beschwerden, die nach ein paar Tagen wieder abklingen.

Der Zahnarzt/die Zahnärztin verschreibt entzündungshemmende Medikamente, um diese Symptome zu kontrollieren und die Genesung zu verbessern. Außerdem kommen in der Regel Antibiotika zum Einsatz, um die bestehende Infektion zu bekämpfen und Komplikationen vorzubeugen.

Die Fäden werden nach einer Woche entfernt, obwohl sie sich oft von selbst lösen. Es ist wichtig, dass die Patientin oder der Patient sanft mit der Stelle umgeht, vor allem beim Zähneputzen und bei der Verwendung von Zahnseide.

Mundpflege nach der Apektomie

Während die meisten Patientinnen und Patienten innerhalb weniger Tage nach einer Wurzelspitzenresektion zu ihren normalen Aktivitäten zurückkehren können, gibt es einige Dinge, die die Genesung verbessern können:

  • Nimm in den ersten Tagen eine leichte, kalte Kost zu dir.
  • Lege Kälte auf den operierten Bereich, um die Entzündung zu reduzieren.
  • Reinige deinen Mund sorgfältig und vermeide es, den operierten Bereich zu bürsten.
  • Ab dem Tag nach der Operation kannst du Chlorhexidin-Spülungen oder -Gele verwenden, wenn dein Zahnarzt/deine Zahnärztin dies empfiehlt.
  • Halte den Kopf aufrecht oder hebe ihn an, wenn du dich ausruhst.
  • Verzichte auf sportliche Aktivitäten und körperliche Anstrengung.
  • Vermeide Tabak- und Alkoholkonsum.

Darüber hinaus solltest du stets alle Anweisungen des Zahnarztes/der Zahnärztin befolgen.

Wurzelspitzenresektion - Mann mit Eisbeutel auf der Backe
Lokale Kälte trägt dazu bei, dass die Schwellung nach dem Eingriff schneller abklingt.

Risiken und Komplikationen

Komplikationen nach einer Wurzelspitzenresektion sind ungewöhnlich. Im Allgemeinen handelt es sich um einen sehr erfolgreichen Eingriff, der die Symptome und Beschwerden einer Zahninfektion rückgängig macht.

Laut einer Studie aus dem Jahre 2020 wurden in 97 % der Fälle mit apikalen Eingriffen bis zu 5 Jahre später hervorragende Ergebnisse erzielt. In mehr als 75 % der Fälle wurden auch nach 10 bis 13 Jahren noch gute Ergebnisse erzielt.

Eine Wurzelspitzenresektion gilt als fehlgeschlagen, wenn die Infektion weiter besteht, sich der Bereich nicht erholt und die Symptome nicht gelindert werden. Im Allgemeinen ist die Ursache für dieses Misslingen auf das Vorhandensein eines Zwischenraums am Ende der Wurzel und eine schlechte apikale Abdichtung zurückzuführen, die das Fortbestehen und die Vermehrung von Bakterien begünstigt.

Wenn der Eingriff das Problem nicht lösen kann, muss der ganze Zahn gezogen werden.

Die Wurzelspitzenresektion ist eine Option, die man in Betracht ziehen sollte

Die Wurzelspitzenresektion ist eine ambulante chirurgische Behandlung, die durchgeführt wird, wenn eine konventionelle Wurzelkanalbehandlung nicht ausreicht, um den Zahn zu retten. Mit dieser Therapie ist es möglich, den Zahn im Mund zu behalten, was ein normales Kauen, Sprechen und Lächeln ermöglicht.

Die Alternative zu einer Wurzelspitzenresektion ist die Extraktion des gesamten Zahns. Der Verlust eines Zahnelements verursacht viele funktionelle und ästhetische Probleme im Mund und erfordert eine sofortige Rehabilitation, um Komplikationen zu vermeiden.

Wenn der Zahnarzt/die Zahnärztin eine derartige Operation an der Wurzelspitze empfiehlt, ist dies eine Option, die man in Betracht ziehen sollte. Dadurch wird nicht nur der Zahn behandelt und erhalten, sondern auch eine Infektion, die sich ausbreiten und ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen könnte, verhindert.

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