Wissenswertes über Menstruationskoliken

· 16 März, 2016
Erstaunlich aber wahr: Regelmäßige körperliche Aktivitäten können Menstruationskoliken vorbeugen. Zusätzlich ist eine ausgeglichene Ernährung sowie ausreichend Schlaf von großer Bedeutung.

Manche Frauen verspüren während der Menstruation kaum Beschwerden. Andere jedoch leiden jeden Monat an starken Menstruationskoliken, die sehr unangenehm sein können. Von diesen Schmerzen sind sehr viele Frauen im reproduktionsfähigen Alter betroffen. 

Manchmal können die Schmerzen so intensiv sein, dass man sie ärztlich behandeln muss. In diesem Beitrag findest du wissenswerte Information über Menstruationskoliken, deren Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten.

Was sind Menstruationskoliken?

Dabei handelt es sich um starke Schmerzen im Bauch- und Beckenbereich, die während der monatlichen Menstruation auftreten.

Diese sind nicht mit dem prämenstruellen Syndrom (PMS) zu verwechseln, auch wenn beide Beschwerden nacheinander auftreten können: Viele Frauen leiden nämlich sowohl an PMS als auch an Menstruationskoliken.

Diese können verschieden intensiv auftreten. Es gibt leichte Menstruationsschmerzen, die kaum erwähnenswert sind und nur kurze Zeit andauern. Sie fühlen sich ähnlich wie en Schweregefühl im Bauch an.

Starke Koliken können jedoch sehr schmerzhaft sein und den Alltag während der Menstruation sehr beeinflussen.

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Sind Menstruationskoliken weit verbreitet?

Schätzungsweise leiden mehr als 50% aller Frauen an Menstruationskoliken, wobei diese von bis zu 15% als sehr stark beschrieben werden.

Aus Umfragen von Jugendlichen geht hervor, dass mehr als 90% der Mädchen an Menstruationsschmerzen leiden.

Was ist Dysmenorrhoe?

Dieser medizinische Fachausdruck bezieht sich auf schmerzhafte Regelblutungen. Man unterscheidet hierbei zwischen primärer und sekundärer Dysmenorrhoe .

Bei primären Regelschmerzen liegt kein gynkäkologisches Problem vor, das für diese verantwortlich ist. In diesem Fall treten die Beschwerden meist in den ersten 6 Monaten oder dem ersten Jahr nach der Menarche (erstes Auftreten der Regelblutung) auf.

Menstruationskoliken entstehen normalerweise erst dann, wenn es zu ovulatorischen Menstruationszyklen kommt, die Regelblutungen beginnen jedoch meist bereits vor der Ovulation. Deshalb beginnen die Regelschmerzen bei Mädchen oft erst nach Monaten oder Jahren nach der ersten Blutung.

Bei sekundären Regelschmerzen liegt normalerweise eine physische Abnormalität (im Fortpflanzungssystem der Frau) vor, die für die Schmerzen verantwortlich ist.

Sekundäre Dysmenorrhoe kann bereits ab der Menarche auftreten, doch meist beginnen die Schmerzen erst später.

Welche Ursachen können Menstruationskoliken mit sich bringen?

Jeden Monat bereitet sich die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Wenn es nach dem Eisprung (Ovulation) nicht zu einer Befruchtung und folglich nicht zu einer Schwangerschaft kommt, ist die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr notwendig.

Östrogen- und Progesteronspiegel reduzieren sich und die Monatsblutung leitet das Endometrium aus. Erst im darauffolgenden Monat bereitet sich dieses erneut für eine mögliche Schwangerschaft vor.

Beim Abbau des nicht mehr benötigten Endometriums bildet der Körper Prostaglandin. Das bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht.

Wenn sich die Gebärmuttermuskeln zusammenziehen und den Blutfluss zum Endometrium behindern, versagt die Sauerstoffversorgung der Gebärmutterschleimhaut. Sie zersetzt sich deshalb.

Die Gebärmutterkontraktionen leiten das Gewebe über den Gebärmutterhals und die Scheide aus dem Körper aus.

In diesem Moment setzt der Körper auch Leukotriene frei. Das ist eine chemische Substanz, die man für allergische und entzündliche Reaktionen verantwortlich macht, und die zu Menstruationsschmerzen führen kann.

Warum sind die Koliken manchmal so schmerzhaft?

Die Menstruationskoliken werden durch die Gebärmutterkontraktionen, die in Reaktion auf das freigesetzte Prostaglandin und andere chemische Substanzen auftreten, verursacht.

Wenn die Blutgerinnsel und Gewebereste über den Gebärmutterhals ausgeschieden werden, intensivieren sich die Schmerzen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Gebärmutterhalskanal der Frau sehr eng ist.

Ob die Schmerzen stärker oder schwächer sind, kann mit dem Prostaglandinspiegel der Frau zusammenhängen. Je höher die Prostaglandinwerte im Endometrium, umso mehr Schmerzen treten auf. 

Menstruationskoliken sind ähnlich wie jene Schmerzen, die eine Frau bei der Einnahme von Prostaglandin erfährt, wenn eine Geburt eingeleitet wird.

Können Menstruationskoliken gemessen werden?

Menstruationskoliken behandeln

Die Antwort ist ja. Menstruatinskoliken können wissenschaftlich bestimmt werden, indem der Druck in der Gebärmutter sowie die Anzahl der Kontraktionen gemessen werden.

Während einer normalen Menstruation erfährt eine Frau Gebärmutterkontraktionen mit niedrigem Druck (50 – 80 mm Hg), die zwischen 15 und 30 Sekunden anhalten. In einem Zeitraum von 10 Minuten kommt es normalerweise zu zwischen 1 und 4 Kontraktionen.

Bei Menstruationskoliken ist der Druck jedoch weitaus höher (er kann 400 mm Hg oder mehr betragen), die Kontraktionen dauern länger als 90 Sekunden und häufig treten sie in Abschnitten von weniger als 15 Sekunden auf.

Welche anderen Faktoren beeinflussen das Auftreten von Menstruationskoliken?

Wie bereits erwähnt, kommt es zu verstärkten Schmerzen, wenn der Gebärmutterhalskanal sehr eng ist. Wenn die Gebärmutter nach hinten geneigt ist, soll es ebenfalls vermehrt zu Koliken kommen. Bei Bewegungsmangel können ebenfalls stärkere Schmerzen auftreten.

Sehr lange wurden auch psychologische Faktoren für Regelschmerzen verantwortlich gemacht. Es wird beispielsweise allgemein akzeptiert, dass auch emotionaler Stress Auslöser unangenehmer Menstruationskoliken sein kann.

Welche Symptome treten bei Menstruationskoliken auf?

Die Schmerzen machen sich im unteren Bauch- und im Beckenbereich bemerkbar. Sie können sich auch auf den Rücken und die Beine ausweiten. Die Koliken können sehr stark oder auch nur schwach, sporadisch oder kontinuierlich auftreten.

Meist beginnen die Schmerzen kurz vor der Menstruation und erreichen ihren Höhepunkt innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Blutung. Nach ein bis zwei Tagen verschwinden dann die Schmerzen wieder.

Begleiterscheinungen von Menstruationskoliken können Kopfschmerzen oder Übelkeit sein, die eher selten auch zu Brechreiz führen können. 

Zusätzlich kann es zu Verstopfung oder Durchfall kommen, denn die freigesetzten Prostaglandine beeinflussen auch die Darmperistaltik. Bei manchen Frauen kommt es auch zu vermehrtem Harndrang. 

Wie diagnostiziert man Menstruationsschmerzen?

Die Diagnose wird zuerst meist von jeder Frau selbst durchgeführt und hängt auch vom individuellen Schmerzgefühl ab. Wenn Menstruationskoliken auftreten, die bereits meist in jungen Jahren beginnen, werden typische Symptome beobachtet.

Wenn andere Faktoren vorhanden sind (sekundäre Dysmenorrhoe), kann der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen, um eine korrekte Diagnose zu stellen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei primärer Dysmenorrhoe?

Jede Frau muss für sich eine Behandlung finden, die auch wirklich wirkt. Es gibt verschiedenste natürliche Hausmittel, die dabei helfen können.

Nicht nur ausreichend Erholung und Schlaf werden empfohlen, auch regelmäßige körperliche Aktivitäten (insbesondere Gehen) sind sehr wichtig.

Manche Frauen finden Erleichterung in einer Bauchmassage, Yoga oder bei Sex! Ein Wärmekissen im Bauchbereich kann die Schmerzen lindern und andere Symptome reduzieren.

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Inder Apotheke gibt es auch verschiedenste rezeptfreie Arzneimittel gegen Schmerzen und Koliken. 

Bei leichten Beschwerden können Aspirin, Paracetamol oder Acetaminophen sowie ein Diuretikum helfen. Aspirin hat jedoch in der Reduktion von Prostaglandinen eine beschränkte Wirkung und kann deshalb nur bei leichten Koliken helfen.

Am häufigsten empfehlen Ärzte nicht steroide Entzündungshemmer, die den Prostaglandinspiegel senken und die Symptome so lindern. Zu den rezeptfreien nicht steroiden Entzündungshemmern zählen folgende: Ibuprofen, Naproxen und Ketoprofen. 

Diese Schmerzmittel müssen bei den ersten Anzeichen eingenommen werden, bevor die Schmerzen zu stark werden, um sie noch kontrollieren zu können.

Das heißt, dass man diese Medikamente normalerweise bereits 1 bis 2 Tage vor der Menstruation nimmt und danach noch weitere 1 – 2 Tage.

Die besten Resultate erzielt man, wenn man nicht steroide Entzündungshemmer genau programmiert und nicht erst dann einnimmt, wenn die Schmerzen bereits vorhanden sind.

Zu den rezeptpflichtigen Entzündungshemmern zählen beispielsweise Mefenaminsäure und Meklofenamat.

Und wenn die Menstruationskoliken sehr intensiv sind?

Wenn die Schmerzen sehr stark sind und nicht mit diesen Methoden behandelt werden können, verschreibt der Arzt meist eine Hormontherapie mit Östrogen und Progestin über einen längeren Zeitraum.

Damit kann man den Eisprung regulieren und die Freisetzung von Prostaglandinen reduzieren. So schwächt man gleichzeitig die Schmerzen und lindert auch die Blutungen.

Bei der Verwendung einer Intrauterinpessare (IUS, Hormonspirale) werden kleine Dosen an Levonorgestrel (Progestin) in der Gebärmutter freigesetzt, wodurch Menstruationskoliken um bis zu 50% reduziert werden können.

Spiralen, die ohne Hormone verwendet werden (wie beispielsweise die Kupferspirale) können Menstruationsschmerzen allerdings verschlimmern.

Gibt es eine chirurgische Lösung?

Früher wurden viele Frauen mit Menstruationsschmerzen operiert, wobei eine Dilatation und Kürettage durchgeführt wurde, um einen Teil der Gebärmutterschleimhaut zu entfernen.

Diese Behandlung führt man teilweise auch als diagnostische Maßnahme durch, um Krebs oder Vorstufen in der Gebärmutterschleimhaut frühzeitig zu erkennen.

Manche Frauen haben sich auch für eine Hysterektomie entschieden. Das heißt die Entfernung der Gebärmutter, um die Schmerzen definitiv zu verhindern.

Bei starker Dysmenorrhoe und intensiven Schmerzen führen Ärzte heute manchmal eine Endometriumablation durch, bei der sie die Gebärmutterschleimhaut veröden und sie dauerhaft entfernen.

Wie kann man sekundäre Dysmenorrhoe behandeln?

Die Behandlung von sekundärer Dysmenorrhoe hängt weitgehend von den Ursachen ab.

Folgende Beschwerden können zu starken sekundären Menstruationsschmerzen führen:

  • Endometriose (die Gebärmutterschleimhaut siedelt sich in anderen Körperbereichen außerhalb der Gebärmutter an), Gebärmuttermyome (gutartige Gewächse in der Gebärmutter, die durch den Östrogenspiegel beeinflusst werden).
  • Adenomyose (gutartige Erkrankung, bei der sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium) einnisten).
  • Pelvine Entzündung (PID – Pelvic Inflammatory Disease)
  • Faseriges Gewebe oder die Verwendung einer Spirale als Verhütungsmittel.

All diese möglichen Ursachen müssen von einem Arzt untersucht werden, um die korrekte Behandlung einleiten zu können. 

Wenn man Veränderungen der Schmerzen bemerkt, wenn diese beispielsweise an Intensität zunehmen, oder sich die Länge oder die Zeit des Auftretens verändert, muss man auf jeden Fall den Arzt zu Rate ziehen.

Das gilt insbesondere dann, wenn die Veränderungen plötzlich auftreten.

Welche Prognose und Erfolgschancen gibt es bei Menstruationskoliken?

Im Allgemeinen werden die Regelschmerzen mit der Zeit nicht stärker, im Gegenteil: Mit zunehmendem Alter und nach einer Schwangerschaft reduzieren sich Schmerzen, die durch eine primäre Dysmenorrhoe entstehen, häufig.

Bei einer sekundären Dysmenorrhoe hängt der Behandlungserfolg von den ursächlichen Beschwerden ab.

Da viele Frauen viel über ihren Körper gelernt haben und wissen, wie sie sich am besten pflegen und vorbeugen können, leiden sie weniger an intensiven Menstruationsschmerzen.

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