Wie sieht ein Farbenblinder die Welt?

25 Mai, 2020
Farbenblindheit ist eine erblich bedingte Störung, welche die Wahrnehmung der Farben verändert. Diese Störung kann unterschiedlich ausgeprägt sein und es gibt auch verschiedene Arten, wie das Gehirn die Farben interpretiert. Lies weiter, wir sprechen heute über ein sehr interessantes Thema!

Ein farbenblinder Mensch nimmt die Farben anders als andere wahr. Erfahre heute mehr über die Farbenblindheit, die auch als Achromatopsie oder Achromasie bezeichnet wird!

Das menschliche Auge und Gehirn ist fähig, die Farben anhand von Lichtwellen, die auf die Netzhaut (Retina) fallen, zu interpretieren. Die Retina besteht aus spezialisierten Zellen, den Zapfen (Neuron coniferum), die für das Farbsehen zuständig sind.

Wir verfügen über drei veschiedene Zapfentypen, die verschiedene Wellenlängen aufnehmen und es uns so ermöglichen, unterschiedliche Farben zu sehen: Blauviolett (S-Zapfen), Smaragdgrün (M-Zapfen) und Gelbgrün (L-Zapfen). Durch die Kombination der drei Farbtöne können wir eine große Farbpalette wahrnehmen, um unsere Realität besser zu verstehen. Doch diese Zapfentypen ermöglichen es uns nicht, Schwarz und Weiß (Hell- und Dunkelsehen) wahrzunehmen. Dafür sind die Stäbchen zuständig.

Die aufgenommene Information wird an den optischen Nerv (Sehbahn) weitergegeben, der sich hinter jedem Augapfel befindet. Die Sehbahn des rechten und linken Auges verbinden sich nach Eintritt in die Schädelhöhle in der Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum). Sie leiten die wahrgenommene Information bis in die Sehrinde, wo sie interpretiert wird. 

Ein farbenblinder Mensch nimmt die Farben jedoch anders wahr, da bei gleichen Lichtverhältnissen die Information falsch interpretiert wird. Schätzungsweise sind davon rund 8 Prozent der Männer und 0,5 Prozent der Frauen betroffen.

Was ist Farbenblindheit?

Farbenblindheit ist eine genetisch bedingte Störung, die durch das X-Chromosom, also einem Geschlechtschromosom, vererbt wird. Deshalb leiden mehr Männer als Frauen daran. 

Es handelt sich um eine Wahrnehmungsstörung, welche das Farbsehen beeinträchtigt. Es gibt unterschiedliche Varianten und Ausprägungen dieser Störung, die nur sehr leicht sein kann, jedoch auch dazu führen kann, dass eine völlig andere Farbe wahrgenommen wird.

Im Allgemeinen unterscheidet man drei klassische Formen der Farbenblindheit:

  • Monochromasie: Diese Form kommt selten vor, hat allerdings für Betroffene mehr Komplikationen, denn diese Störung geht meist mit anderen Symptomen, wie Photophobie (Überempfindlichkeit gegenüber Licht) und Nystagmus (Störungen im visuellen System, die das normale Fixationsverhalten nicht zulassen) einher. Die Bezeichnung dieser Störung bezieht sich darauf, dass nur eine („mono“) der drei Zapfenarten funktioniert, also entweder grün, rot oder blau.
  • Dichromasie (oder Dichromatopsie): Es handelt sich um die häufigste Form der Farbenblindheit. In diesem Fall sind nur zwei Arten von Zapfen aktiv. Man unterscheidet drei verschiedene Arten von Dichromasie, je nachdem, welche Farbe nicht wahrgenommen werden kann: Protanopsie (Rot wird nicht richtig wahrgenommen), Deuteranopsie (die Zapfen für Grün sind nicht aktiv) und Tritanopsie (die Farbe Blau kann nicht wahrgenommen werden).
  • Anormale Trichromasie (Farbenschwachsichtigkeit): In diesem Fall sind zwar alle Zapfenarten aktiv, doch es kommt zu vereinzelten Veränderungen. Betroffene sehen Farben schlechter als andere und verwechseln sie insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen häufiger.
Wie nimmt ein farbenblinder Mensch die Welt wahr?
Farbenblindheit entsteht, wenn die Zapfen in der Netzhaut nicht richtig funktionieren.

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Andere Ursachen für Farbenblindheit

Die Farbenblindheit ist, wie bereits erwähnt, in der Regel auf genetische Veränderungen des X-Chromosoms zurückzuführen, doch es gibt auch verschiedene Krankheiten, die sich durch veränderte Farbwahrnehmungen charakterisieren. Dazu zählen unter anderem folgende:

  • Katarakt: Dieser Ausdruck bezeichnet die Trübung der Augenlinse, die den Glanz der wahrgenommenen Dinge reduziert und deshalb auch die Farbwahrnehmung beeinträchtigen kann. Ein chirurgischer Eingriff kann dieses Problem lösen.
  • Parkinson: Nicht alle Parkinson-Patienten sind farbenblind, doch bei manchen beeinträchtigt diese Krankheit die Nervenzellen in der Netzhaut, welche die Lichtwellen aufnehmen.
  • Kallman-Syndrom: Diese angeborene Krankheit kann ebenfalls mit Farbenblindheit einhergehen, die bei manchen Patienten zu den Symptomen zählt. Es handelt sich um eine Störung der Hypophyse.
  • Lebersche Optikusatrophie: Es handelt sich um eine vererbbare optische Neuropathie, welche insbesondere die Farbwahrnehmung von Rot und Grün beeinträchtigt.
  • Arzneimittel: Farbenblindheit kann auch durch die Nebenwirkungen eines Medikaments entstehen. Dies ist zum Beispiel bei der Verabreichung von Tiagabin möglich, ein Arzneimittel, mit dem Epilepsie behandelt wird. Sobald dieser Arzneistoff abgesetzt wird, erlangt der Patient sein normales Sehvermögen wieder zurück.

Wie nimmt ein farbenblinder Mensch die Welt wahr?

Ein farbenblinder Mensch sieht nicht alles in grauen, schwarzen und weißen Farbtönen. Doch er kann die Farben schwächer wahrnehmen. Außerdem kann es zu Farbverwechslungen kommen, über die sich jedoch die betroffene Person selbst nicht bewusst ist. Für sie ist es ganz normal, die Farben so zu sehen, denn sie ist möglicherweise bereits seit der Geburt daran gewöhnt, die Realität auf diese Weise wahrzunehmen.

Der Augenarzt kann verschiedene Test durchführen, um eine Diagnose zu stellen. Der vermeintlich farbenblinde Mensch beschreibt, wie er die Farben wahrnimmt und zeigt dabei auf die entsprechenden Farbtöne, die der Wirklichkeit entsprechen können oder nicht.

Der berühmte Test von Ishihara wird mit Farbtafeln mit runden Farbflecken durchgeführt, auf denen bei normaler Farbsehfähigkeit Zahlen oder Buchstaben zu sehen sind. Ein farbenblinder Mensch tut sich jedoch sehr schwer dabei, die Ränder der runden Farbflecken, die in unterschiedlichen Farbnuancen und Größen angeordnet sind, richtig zu erkennen. 

Wie nimmt ein farbenblinder Mensch die Welt wahr?
Farbenblindheit wird durch verschiedene Tests vom Augenarzt diagnostiziert.

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Ein farbenblinder Mensch kann ein ganz normales Leben führen

Wenn du glaubst, farbenblind zu sein, solltest du eine Diagnose erstellen lassen. Anhand verschiedener Untersuchungen stellt der Augenarzt fest, ob deine Farbwahrnehmung tatsächlich anders ist. Im Allgemeinen ist dies kein Anlass für Sorgen, denn die meisten farbenblinden Menschen führen ein ganz normales Leben.

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