Was ist Prolaktin und wie funktioniert dieses Hormon?

2 Dezember, 2019
Der Prolaktinspiegel verändert sich im Laufe des Lebens. In der Kindheit ist er höher, doch im Erwachsenenalter nimmt er ab. 

Prolaktin ist ein Hormon, das aus unterschiedlichen Peptiden besteht und vorwiegend von den Zellen der Adenohypophyse synthetisiert wird. Durch das Studium der Physiologie und Biochemie dieses Hormons konnte festgestellt werden, dass dieses über 300 Funktionen in verschiedenen Körpergeweben und Organen ausführt.

Zu den wichtigsten Funktionen gehört die Milchproduktion in der Mutterbrust sowie die Synthese von Progesteron im Gelbkörper (Corpus luteum). 

Wenn das Baby während der Stillzeit an der Brust saugt, fördert dies eine hochwertige Synthese dieses Hormons. Es wird durch eine positive Rückkoppelung reguliert. Andererseits kann sich der Hormonspiegel auch sehr einfach verändern. Denn  Faktoren wie Stress können die Prolaktinwerte erhöhen oder vermindern.

Welche Funktionen hat Prolaktin?

Da bei Säugetieren die Prolaktinrezeptoren weiträumig angelegt sind, kann dieses Hormon verschiedenste Auswirkungen auf den Organismus haben. Wir werden uns anschließend einige der am besten erforschten Funktionen dieses Hormons genauer ansehen.

Reproduktion

Prolaktin spielt eine wesentliche Rolle in der morphologischen und funktionalen Entwicklung der Brüste und der Sekretionen des Gelbkörpers. Deshalb ist es auch für die Fortpflanzungsfähigkeit grundlegend. 

Prolaktin ist notwendig, damit sich die Milchgänge (Ducti) in der Brust während der Schwangerschaft verzweigen, wachsen und entwickeln. Außerdem übernimmt dieses Hormon verschiedene Funktionen bei der Synthese der Muttermilch:

  • Es stimuliert die Erfassung von Aminosäuren,
  • erhöht die Synthese von Casein und Laktoalbumin,
  • stimuliert die Erfassung von Glucose
  • und verbessert die Synthese von Laktose und Milchfettsäuren.
Prolaktin beim Stillen
Prolaktin spielt bei der morphologischen und funktionalen Entwicklung der Brustdrüse eine wesentliche Rolle.

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Homöostase

Prolaktin reguliert nicht nur bestimmte Fortpflanzungsfunktionen, sondern ist auch für eine Reihe von Selbstregulierungsfunktionen zuständig, die die Erhaltung der Komposition und Eigenschaften des inneren Milieus ermöglichen.

Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die immunregulatorischen Wirkungen von Prolaktin, die direkt oder indirekt mit der Entwicklung und Reifung der Thymuszellen und der Zellen der peripherischen lymphoiden Organe zusammenhängen.

Außerdem reguliert Prolaktin die Homöostase, kontrolliert den Transport von Natrium-, Calcium- und Chloridionen über die Epithelmembranen des Darms, ist für die Erfassung der Aminosäuren durch die Epithelzellen der Brustdrüsen zuständig und auch für andere Ionen und Wasser in der Niere.

In den Schweiß- und Tränendrüsen reguliert Prolaktin ebenfalls die Ionenzusammensetzung.

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Regulierung der Sekretion von Prolaktin

Zahlreiche physiologische Stimuli regulieren die Sekretion von Prolaktin:

  • Das Saugen des Babys an der Brustwarze,
  • Stress,
  • die Zunahme von Steroiden in den Eierstöcken, insbesondere ein erhöhter Östrogenspiegel,
  • und andere Faktoren.

All diese Stimuli werden vom Hypothalamus erfasst und in der Folge werden freisetzende und hemmende Faktoren der Prolaktinsekretion aktiviert. Auf diese Weise übt der Hypothalamus hauptsächlich eine hemmende Wirkung auf die Synthese und Sekretion von Prolaktin aus. 

Außerdem wird die Synthese und Sekretion dieses Hormons von vielen anderen freisetzenden Faktoren durch andere Zellen der Adenohypophyse und der Hypophyse reguliert. 

Darüber hinaus ist Dopamin der wichtigste Hemmer der Prolaktinsynthese und -sekretion. Dieser Neurotransmitter übt nach der Interaktion mit den dopaminergen Rezeptoren D2 in der Membran laktotroper Zellen eine hemmende Funktion aus.

Andere Substanzen, welche die Sekretion von Prolaktin regulieren sind:

  • Histamin wird über H1- und H2-Rezeptoren aktiviert. Die Aktivierung der H1-Rezeptoren hat eine stimulierende Wirkung auf die Ausschüttung von Prolaktin. Die H2-Rezeptoren haben eine hemmende Funktion.
  • Die Aktivierung von Acetylcholin begünstigt die Ausschüttung von Dopamin und hemmt in der Folge die Prolaktinproduktion.
  • Das Schilddrüsen stimulierende Hormon wirkt nicht nur auf die Schilddrüse, sondern stimuliert auch die Sekretion von Prolaktin durch die laktotropen Zellen der Hypophyse.
Prolaktin
Die Produktion von Prolaktin wird großteils durch Dopamin reguliert. Doch auch Histamin und das Schilddrüsen stimulierende Hormon spielen dabei eine wichtige Rolle.

Sekretionsmuster von Prolaktin

Die Prolaktinwerte variieren im Laufe des Lebens. In der Kindheit sind sie erhöht, doch nehmen dann ab, bis sie die für Erwachsene normalen Werte erlangen.

Im Alter nehmen die Prolaktinwerte wieder zu, da die hemmende Wirkung im Hypothalamus abnimmt. Außerdem sind auch die Konzentrationen von Prolaktin im Blut im Laufe des Tages variabel. Während des Schlafes sind die Werte höher als im Wachzustand.

Abschließende Zusammenfassung

Prolaktin ist ein natürliches Hormon im menschlichen Organismus, das bei zahlreichen biochemischen Prozessen eine Rolle spielt. Doch die wichtigsten Aufgaben übernimmt es während der reproduktiven Phase und in der Homöostase.

Es ist sehr wichtig, die Werte dieses Hormons zu kontrollieren, denn sie können zu- oder abnehmen und verschiedene Symptome verursachen. Frage deinen Arzt, wenn du Zweifel oder Fragen zu diesem Thema hast.

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