Was ist eine Endometriumkürettage und wann wird sie durchgeführt?

Verfahren der assistierten Reproduktion können für das Paar frustrierend sein. Manchmal kommt es selbst bei gesunden Embryonen zu Misserfolgen bei der Einnistung der Embryonen. In diesen Fällen kann eine Endometriumkürettage sinnvoll sein.
Was ist eine Endometriumkürettage und wann wird sie durchgeführt?
Mariel Mendoza

Geschrieben und geprüft von der Ärztin Mariel Mendoza.

Letzte Aktualisierung: 27. Februar 2023

Die Endometriumkürettage, auch als “Ausschabung” bekannt, ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem eine Läsion in der inneren Schicht der Gebärmutter (Endometrium) verursacht wird, mit dem Ziel, deren Regeneration zu fördern, um ihre Aufnahmefähigkeit während des Einnistungsprozesses des Embryos zu erhöhen.

Sie gehört zu den Verfahren, die im Rahmen der assistierten Reproduktion bei Frauen zum Einsatz kommen, die aufgrund wiederholter Misserfolge bei der Einnistung nicht schwanger werden. Allerdings ist die Endometriumkürettage nicht ohne Nebenwirkungen, und ihr Nutzen wird noch immer diskutiert. Werfen wir einen genaueren Blick darauf, worum es dabei geht.

Wann empfiehlt sich eine Endometriumkürettage?

Derzeit ist die Endometriumkürettage bei Frauen angezeigt, die sich mindestens zwei Zyklen der In-vitro-Fertilisation unterzogen haben und bei denen die Einnistung wiederholt fehlgeschlagen ist. Das heißt, dass der Embryotransfer trotz guter Qualität der Embryonen fehlgeschlagen ist.

Es ist möglich, dass das Problem mit der Kommunikation zwischen dem Embryo und der Gebärmutter zu tun hat, wenn sich keine Anomalien bei den Eizellen oder Spermien feststellen lassen.

Endometriumkürettage - Frau im Gespräch mit einem Gynäkologen
Wenn mehrere Einnistungen fehlgeschlagen sind, kann der Gynäkologe/die Gynäkologin eine Endometriumkürettage vorschlagen.

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Das Verfahren der Endometriumkürettage

Bei der Endometriumkürettage wird die Schleimhaut, die die Gebärmutter von innen auskleidet, also die Gebärmutterschleimhaut, leicht verletzt oder “ausgeschabt”. Dort wird der Embryo eingepflanzt. Der Eingriff ist sicher, einfach und dauert nicht länger als eine halbe Stunde.

Der Eingriff erfolgt in der Regel in der gynäkologischen Sprechstunde durch eine Endometriumbiopsie oder durch eine Hysteroskopie, wenn eine gründlichere Visualisierung der Gebärmutterstruktur erforderlich ist, um mögliche Ursachen für eine fehlgeschlagene Einnistung des Embryos auszuschließen.

Dabei führt der/die Gynäkolog/in einen 3 Millimeter dicken flexiblen Katheter durch die Öffnung des Gebärmutterhalses ein, um die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) abzuschaben. Dieser Katheter ähnelt dem, der bei der Einnistung von Embryonen zum Einsatz kommt.

Mit einer Hysteroskopie lässt sich das Innere der Gebärmutter sichtbar machen. In diesem Fall führt der/die Arzt/Ärztin ein Endoskop mit einer Kamera ein, mit dem er/sie nicht nur die Wände ausschaben, sondern auch nach Polypen, Verwachsungen oder anatomischen Fehlbildungen suchen kann.

Wann sollte der Eingriff geplant werden?

Die Durchführung der Endometriumkürettage sollte in der Mitte der Lutealphase des Zyklus erfolgen, die dem Embryotransfer vorausgeht. Das heißt, um den 21. Tag des Menstruationszyklus (unter normalen Umständen) oder eine Woche vor dem wahrscheinlichen Beginn der Menstruation des Zyklus, in dem der Embryotransfer geplant ist.

Der Embryotransfer kann mit Embryonen durchgeführt werden, die mit einer Eizelle und einem Spermium des Partners befruchtet wurden, oder durch eine Embryonenspende.

Was ist nach dem Eingriff zu beachten?

In der auf den Eingriff folgenden Nacht sollte die Frau keinen Geschlechtsverkehr haben. Außerdem sollte sie auf die Verwendung von Tampons oder Menstruationstassen während der Blutung nach dem Eingriff verzichten.

Wie funktioniert die Endometriumkürettage ?

Der Mechanismus, durch den die Kürettage der Gebärmutterschleimhaut die Einnistungschancen des Embryos erhöht, ist nach wie vor unklar. Man vermutet jedoch, dass die Verletzung der Gebärmutterschleimhaut eine Entzündungsreaktion auslöst, die die Regeneration des Gewebes fördert und die Verbindung zwischen der Gebärmutterschleimhaut und dem Embryo verbessert.

Eine solche Reaktion löst die Freisetzung von Wachstumsfaktoren, verschiedenen Chemikalien und einigen Hormonen aus, die die Reparatur des Epithels fördern. Außerdem nimmt man an, dass sie Gene aktiviert, die für die Einnistung verantwortlich sind.

Unerwünschte Wirkungen des Eingriffs

Die Endometriumkürettage ist eine minimalinvasive Technik und gilt als sicher. Im Allgemeinen hat sie nur sehr wenige unerwünschte Wirkungen. Leichte Blutungen nach dem Eingriff sind üblich, ebenso wie Unterleibskrämpfe, die denen während der Menstruation ähneln.

Allerdings kann es in sehr seltenen Fällen zu einer Infektion des Beckenbereichs oder einer unbeabsichtigten Gebärmutterperforation kommen. Am wichtigsten ist es, vor dem Eingriff eine Schwangerschaft auszuschließen, denn eine Endometriumkürettage würde im Falle einer Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt führen.. Daher führt der/die Arzt/Ärtzin vorab einen transvaginalem Ultraschall durch, bei dem er/sie nach der Fruchtblase sucht.

Kontroversen über den Eingriff

Im Jahr 2021 veröffentlichte Cochrane einen Review mehrerer Studien, in dem die Autor/innen zu dem Schluss kamen, dass es keine ausreichenden Beweise für die Anwendung der Endometriumkürettage als Methode zur Erhöhung der klinischen Schwangerschaftsrate gibt.

Daher wird nicht empfohlen, diesen Eingriff Frauen, die sich einer In-vitro-Fertilisation unterziehen wollen, routinemäßig anzubieten.

Es gibt keine ausreichenden Belege dafür, dass sich die klinische Schwangerschaftsrate und die Geburtenrate statistisch durch den Eingriff signifikant erhöhen.

Über Jahre hinweg hat man angenommen, dass die Endometriumkürettage die Einnistung von Embryonen fördern kann. Allerdings stellte man ihre Wirksamkeit nur bei Frauen fest, bei denen die Einnistung zuvor fehlgeschlagen war.

Da es sich jedoch um ein minimalinvasives, sicheres und kostengünstiges Verfahren handelt, gilt sie nach wie vor als Alternative, insbesondere für Paare in Entwicklungsländern oder nach zwei oder mehr gescheiterten IVF-Versuchen.

Endometriumkürettage - Frau bei einer Gynäkologin
Eine Endometriumkürettage ist nicht in allen Fällen die beste Option. Die Vor- und Nachteile der Endometriumkürettage sollte eine Frau mit ihrem/r Gynäkologen/in abwägen.

Weitere Studien über die Auswirkungen der Endometriumkürettage sind notwendig, um ihren tatsächlichen Nutzen zu bestimmen.

Was ist zu beachten?

Die Möglichkeiten der assistierten Reproduktion sind heute vielfältig und lassen sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen. Bevor du dich für eine Endometriumkürettage entscheidest, solltest du dich daher über deren Vor- und Nachteile informieren. Idealerweise solltest du alle Fragen mit deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin besprechen.

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