Warum wir öfter weinen sollten

· 26 Februar, 2016
Weinen bedeutet nicht, Schwäche zu zeigen. Im Gegenteil: Weinen hilft uns, Spannungen zu kanalisieren und abzubauen und hat auf unseren Organismus einen ähnlichen Effekt wie ein Schmerzmittel.

Wir weinen von Geburt an. Manchmal, weil wir traurig sind, andere Male vor Freude. Und bei vielen Gelegenheiten versuchen wir, unsere Tränen zurückzuhalten, weil wir denken, dass wir so mutiger erscheinen und es ein Zeichen der Schwäche ist, Tränen zu vergießen. Wir sollten öfter weinen.

Diese Art der „Befreiung“ ist jedoch wichtig, um uns auszudrücken, vorwärts zu schauen oder zu zeigen, was passiert ist. Im nachfolgenden Artikel erzählen wir dir, warum wie öfter weinen sollten.

Öfter weinen befreit uns von Kummer und Stress

Tränen werden für viele verschiedene Zwecke eingesetzt. Sie verschaffen Erleichterung bei Schmerzen oder wollen Aufmerksamkeit erzeugen.

Sie vermitteln unsere Traurigkeit oder Enttäuschung, erinnern uns an Geschehnisse in der Vergangenheit oder es können uns vor Lachen die Tränen kommen,  auch beim Niesen oder wenn wir eine allergische Reaktion haben.

Öfter weinen erleichtert uns, beruhigt uns und kann uns helfen, Dinge wahrzunehmen, die wir nicht sehen (oder denen wir uns widersetzen).

Bestimmt erinnerst du dich, dass du bereits mehrere Male „mit aller Heftigkeit“ geweint und danach sehr gut geschlafen hast bzw. du dich wieder dazu aufraffen konntest, einer Aktivität nachzugehen.

Warum das so ist? Das Weinen nützt dir, um eine große Last von deinen Schultern zu nehmen, wie man so sagt.

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Weinen

Es gibt Personen, welche die Fähigkeit zum Weinen haben, anderen jedoch fällt es weit schwerer. Als Kinder werden wir zurechtgewiesen, wenn wir weinen und es wird uns gesagt, dass nur schwache, eigensinnige und schlechte Kinder öfter weinen.

Diese Erfahrungen haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt und deswegen erlauben wir uns auch nicht zu weinen, wenn wir das Bedürfnis danach verspüren.

Für unsere Gesundheit

Doch es ist für unsere Gesundheit schädlich, Emotionen zu sehr zu kontrollieren (sie zu unterdrücken oder mit einem falschen Lachen zu überspielen).

Wenn der Körper zu viele negative Gefühle anhäuft, kann das nicht nur Depression, Spannungen und Stress auslösen, sondern es ist auch gut möglich, dass dies unseren Charakter oder unsere Persönlichkeit ändert. Reizbarkeit, schlechte Laune und Nervosität sind nur einige der Folgen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass der Organismus auf irgendeine Art und Weise alles abstoßen muss, das uns Schmerzen bereitet oder uns nicht gut tut.

Eines Tages wird es uns nicht mehr gelingen, unsere Tränen und unsere Traurigkeit zurückzuhalten und wir werden in verzweifeltes Schluchzen ausbrechen oder einen Tobsuchtsanfall bekommen.

Wenn wir nicht weinen, können physische Leiden wie Kopf- oder Nackenschmerzen, Bauchschmerzen und Übelkeit auftreten. Die Abwehrkräfte werden geschwächt und wir sind für neue Erkrankungen anfälliger.

Außerdem kann ein Emotionsstau den Energiefluss blockieren, was auch die Gesundheit negativ beeinflusst.

Gesicht

Erholung

Hemmungsloses Weinen ist eine hervorragende natürliche Art, um sich von Schmerzen zu erholen und zu verstehen, was in uns körperliche oder seelische Qualen auslöst.

Das soll aber nicht heißen, dass wir solange warten sollen, bis sich alles Schlechte aufgestaut hat, aber es tut gut zu wissen, dass wir uns danach ein wenig besser fühlen.

Oft sind wir mit unserem Leben so sehr beschäftigt, dass wir gar nicht verstehen, was in uns vorgeht. Wir nehmen uns nicht die Zeit, um unsere täglichen Emotionen zu analysieren und es bereitet uns Schwierigkeiten, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Wenn du den ganzen Tag von hier nach dort hetzt, hast du nie Gelegenheit, deinem Bedürfnis nach Weinen nachzugeben und dich von all den negativen Gefühlen loszulösen.

Vielleicht kannst du das unter der Dusche oder beim Schlafengehen nachholen. Das wird dich nicht in einen chronisch depressiven Menschen verwandeln, sondern in eine Person, die es versteht, ihren Kummer auf positive Weise zu kanalisieren.

Du wirst dich ermutigt und befreit fühlen und mehr Energie verspüren, um voranzukommen.

Wenn es dir schwer fällt zu weinen, musst du dich aber auch nicht sorgen. Das passiert vielen. Du musst lernen, auf deine Gefühle zu achten und dir ein wenig Zeit dafür geben. Du kannst Musik hören, etwas lesen oder einen Film schauen, der dazu einlädt, die bereitgelegten Taschentücher zu verwenden.

Dann wirst du nicht wegen der Geschichte an sich weinen, doch du hast so die Möglichkeit, das Aufgestaute in deinem Inneren loszuwerden.

Verzweifelte-Frau

Wusstest du, dass du das Weinen aktivieren kannst, indem du eine bestimmte Stelle am Hals drückst? Du kannst auch tief ein- und ausatmen. Vielen hilft diese Technik, um öfter weinen zu können.

Weinen ist ein natürliches Beruhigungsmittel

Wir haben nun schon die „spirituelle“ Seite des Weines und die Auswirkungen etwas näher beleuchtet. Es ist auch interessant zu wissen, dass es zahlreiche Studien dazu gibt, warum ein „Weinender“ umso ruhiger wird, je mehr Tränen er vergossen hat.

Sobald wir vor Schmerzen weinen, beginnt die salzige Flüssigkeit, den Tränensack unserer Augen zu reinigen und unseren Augapfel auf natürliche Weise zu befeuchten. Und was nützt uns das? Um Gute-Laune-Hormone auszuschütten, nicht mehr und nicht weniger.

Wenn wir unter Stress stehen, ist die Möglichkeit größer, dass wir weinen. Das hat eine sehr überzeugende wissenschaftliche Erklärung.

Beim Weinen befreien wir mit unseren Tränen Oxytocine, Noradrenaline und Adrenaline. Diese Elemente haben für den Körper denselben Effekt wie ein Beruhigungsmittel.

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Mann-Frau

Hormone lenken unsere Aufmerksamkeit auf das, was wir fühlen. Deswegen fühlen wir uns nach heftigem Weinen bedeutend besser. Und auch nicht zu vernachlässigen ist die Meinung von Experten, dass Weinen unsere Angst reduziert und uns beim Entspannen hilft.

Haben Weinen und Lachen dieselbe Wirkung?

Das Lachen und das Weinen sind zwei Phänomene, die uns tagtäglich begleiten. Wenn wir beides physiologisch analysieren, so lassen sich viele Ähnlichkeiten feststellen. Warum? Weil sowohl Lachen als auch Weinen die Atmung sowie den Blutdruck verändern.

Wenn wir eine Stunde pro Tag lachen, nehmen wir 14 Gramm an Fett ab. Möglicherweise erscheint dir das nicht viel. Aber wenn du es summierst, dann hast du innerhalb eines Jahres 5 kg abgenommen.

Und das ist nicht der einzige Vorteil: Lachen stärkt das Selbstbewusstsein, verzögert die Alterung und baut Stress und Spannungen ab.

Frau-Gesicht

Und genau diese beiden letzten Eigenschaften besitzt auch das Weinen! Die hippokratische Medizin nennt dies „eine Reinigung der Temperamente“. Im Laufe der Geschichte wurde das Weinen als Zeichen der Schwäche und wenig Standhaftigkeit fehlinterpretiert.

Doch wie du gesehen hast, ist das falsch. Bereichere dein Leben daher mit Lachen und Weinen!

  • Rottenberg, J., Bylsma, L. M., & Vingerhoets, A. J. J. M. (2008). Is crying beneficial? Current Directions in Psychological Science. https://doi.org/10.1111/j.1467-8721.2008.00614.x
  • GROSS, J. J., FREDRICKSON, B. L., & LEVENSON, R. W. (1994). The psychophysiology of crying. Psychophysiology. https://doi.org/10.1111/j.1469-8986.1994.tb01049.x