Vegane Ernährung bei Heranwachsenden: ein neuer Trend?

8 März, 2020
Das Thema vegane Ernährung bei Heranwachsenden wirft einige Fragen auf. Wenn man genau auf die wichtigen Nährstoffe achtet, kann sich diese Ernährungsweise durchaus als gesundheitsfördernd erweisen.

Die Entscheidung, vegan zu leben, hat sein Für und Wider. Eine Ernährung auf pflanzlicher Basis ist gesundheitsfördernd und hilft, das Gewicht zu halten; und auch die moralischen Beweggründe sind nicht wegzudiskutieren. Wenn man jedoch nicht genau darauf achtet, dass man alle wichtigen Nährstoffe bekommt, sind Mangelerscheinungen die Folge. Was müssen wir über vegane Ernährung bei Heranwachsenden wissen?

Vegane Ernährung und ihre Folgen

Die Fragestellung, was genau Vegetarier oder Veganer sein bedeutet, ist deshalb so relevant, weil es sich nicht nur um eine Ernährungsgewohnheit handelt, sondern Menschen sich komplett damit identifizieren.

Durch die Fülle an Beiträgen in den Medien sowie der Vielzahl an Fachkonferenzen zu dem Thema entsteht der Eindruck, dass sich Jugendliche immer öfter dazu entscheiden, vegan zu leben.

Dies bringt gleichzeitig Kontroversen und gelegentlich auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Kindern und Eltern hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen mit sich.

R. González Leal von der endokrinologischen Abteilung der Universitätskinderklinik Niño Jesús in Madrid, schreibt in einem lesenswerten Fachbeitrag der von der SEMA (Sociedad Española de Medicina del Adolescente; zu deutsch: spanische Gesellschaft für Jugendmedizin) herausgegebenen Zeitschrift Adolescere 2017 (V (3): 56-65): 

„Die gängigsten Formen der fleischlosen Ernährung sind die „vegane Diät“, welche komplett auf jegliche Nahrungsmittel tierischen Ursprungs verzichtet, sowie die „vegetarische Diät“, bei der kein Fleisch konsumiert wird, wohl aber Eier (ovo) und Milchprodukte (lakto).“

vegane Ernährung

Hintergrundinformation: warum eher vegan als vegetarisch?

„Die Gründe für die Entscheidung zum Vegetarismus reichen von gesundheitlichen Aspekten über Umweltschutzgedanken bis hin zur Sorge um das Tierwohl“, führt R. González Leal weiter aus und fügt hinzu:

Vegetarier geben auch wirtschaftliche Gründe, ethische Erwägungen, den Welthunger oder religiöse Überzeugungen als Ursache für ihre Entscheidung gegen den Fleischkonsum an. Wenn sie in einer Vegetarierfamilie aufgewachsen sind, haben sie sich schon von klein auf daran gewöhnt.“

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Vegane Ernährung in der Wachstumsphase, eine steigende Tendenz, die nicht ohne Risiken und manchmal Grund zur Besorgnis ist

Die spanische Gesellschaft für Jugendmedizin (SEMA) weist auf Folgendes hin:

„Vegetarier können unter Nährstoffmangel leiden, wenn sie nicht genügend darauf achten, dass ihre Ernährung ausgewogen ist. Bei ausreichendem Verzehr von Blattgemüse, Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Trockenfrüchten und Ölsaaten kommt es jedoch zu keinen Mangelerscheinungen.“

Es ist wichtig zu wissen, dass es beim Vegetarismus zwei Risikogruppen gibt. Bei der ersten handelt es sich um Kinder und Jugendliche, welche sich noch im Wachstum befinden und daher einen erhöhten Nährstoffbedarf, vor allem an essentiellen Aminosäuren, haben.

Die andere sind die Frauen wegen der Gefahr des Eisenmangels. Eisen ist in Hülsenfrüchten und natürlich in Gemüse enthalten, jedoch mit verringerter Bioverfügbarkeit. Auch wenn in Hülsenfrüchten und Blattgemüse ausreichend Eisen vorhanden ist, kann dies vom Körper nicht so leicht aufgenommen werden wie Eisen tierischen Ursprungs.

vegane Ernährung

Kann vegane Ernährung bei Jugendlichen auch von Vorteil sein?

Natürlich bringt die vegane Ernährung nennenswerte gesundheitliche Vorteile mit sich; nichtsdestotrotz dürfen aber auch die möglichen Nachteile, die bis zu Gesundheitsschäden reichen können, nicht unterschätzt werden.

Die Gesundheitsgesellschaft SEMA weist diesbezüglich auf folgende Punkte hin:

  • Vegetarische Diäten, bei denen auf breitgefächerte Nährstoffaufnahme geachtet wird, gelten zumeist als gesundheitsfördernd.
  • Während tierische Eiweiße sämtliche essentiellen Aminosäuren enthalten, ist dies bei pflanzlichen Eiweißen nur eingeschränkt der Fall. So enthält Getreide die Aminosäure Lysin in hoher biologischer Wertigkeit, Hülsenfrüchte hingegen Methionin und Threonin.
  • In der Pubertät ist die Gefahr von beginnenden Essstörungen am höchsten.

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Fazit

Die National Library of Medicine der Vereinigten Staaten  empfiehlt, bei vegetarischer Ernährung auf Folgendes zu achten:

  • Große Vielfalt in der Wahl der Lebensmittel, darunter Gemüse, Obst, Getreide, Nüsse, Saaten, Vollkorn, fettarme Milchprodukte und Ei, wenn es Bestandteil der Ernährung ist.
  • Stärkende Lebensmittel einbeziehen, wie Getreide, Brot, Soja- oder Mandelmilch und Fruchtsäfte, um eine große Spannbreite an Nährstoffen abzudecken.
  • Fett-, zucker- und salzhaltige (Natrium) Lebensmittel vermeiden.
  • Eiweißquellen als Bestandteil von allen Mahlzeiten.
  • Bei Vitamin- oder Mineralstoffmangel Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.
  • Vitamin B12 ist unerlässlich, um der Anämie vorzubeugen. Deshalb muss man immer darauf achten, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die reich an B12 sind, wie Eier und Milchprodukte. Für Veganer ist es deutlich schwieriger, ihren Bedarf an Vitamin B12 zu decken.
  • Die Etiketten mit den Inhaltsstoffen von Nahrungsmitteln richtig lesen, um Informationen über die genauen Inhaltsstoffe und den Nährwert des Produktes zu erhalten.

Man muss immer beachten, dass, je eingeschränkter eine Diät ist, desto wichtiger das Hinzuziehen eines Ernährungsberaters, damit die Aufnahme aller lebenswichtigen Nährstoffe gesichert ist.

  • Temas de revisión. „Alimentación vegetariana en adolescentes: pros y contras“. ADOLESCERE • Revista de Formación Continuada de la Sociedad Española de Medicina de la Adolescencia • Volumen V • Septiembre 2017 • Nº 3.
  • Biblioteca Nacional de Medicina de los EE.UU.