Rehabilitation nach einer Herzerkrankung

26 Januar, 2020
Die Rehabilitation nach einer Herzerkrankung bedeutet für die Betroffenen auch eine Rückkehr ins aktive Leben. So wird ihnen mit gezielten Maßnahmen dabei geholfen, dass sie beispielsweise nach einem Herzinfarkt wieder ganz normal ihre alltäglichen Tätigkeiten verrichten können. Hier erfährst du, wie so eine kardiale Rehabilitation vor sich geht.

Die Rehabilitation nach einer Herzerkrankung nennt man auch kardiale oder kardiologische Rehabilitation, oder auch einfach Herz-Reha. Sie ist eine anerkannte Form der aktiven Nachsorge für Menschen, die beispielsweise einen Herzinfarkt erlitten haben oder am Herzen operiert wurden. Dabei kann jeder einzelne Fall von verschiedenen Programmen profitieren.

Grundsätzlich besteht eine solche Rehabilitation in folgenden Maßnahmen: Die Betroffenen werden in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Gesundheitstraining betreut. Darüber hinaus gibt man ihnen auch psychologische und sozialmedizinische Beratung. Ziel ist es, die Lebensqualität der Herzpatienten zu verbessern. Denn so können sie ihre alltäglichen Tätigkeiten wieder möglichst normal ausführen.

Außerdem besteht ein weiteres Ziel darin, dass sich die Betroffenen über ihre Lebensgewohnheiten bewusst werden. Vor allem über solche, die ungesund sind. Denn diese müssen sie natürlich ändern, um nicht erneut Probleme mit ihrem Herzen zu bekommen. So könnte man sogar soweit gehen, zu sagen: Bei der Rehabilitation nach einer Herzerkrankung ist dieser edukative Aspekt fast wichtiger als die körperlichen Übungen selbst.

Kardiologenverbände in Ländern auf der ganzen Welt empfehlen kardiale Rehabilitationsprogramme. Denn es besteht kein Zweifel an ihrer Wirksamkeit. So haben wissenschaftliche Studien bereits gezeigt: Dadurch wird bei den Betroffenen das Risiko eines späteren Auftretens einer Angina pectoris oder eines Herzinfarkts verringert.

Für wen ist eine solche Rehabilitation von Nutzen?

Eine kardiale Rehabilitation kommt nicht automatisch für jeden Patienten mit koronarer Herzerkrankung in Frage. Deshalb wählt man bestimmte Personen aus. Nämlich diejenigen, die am meisten von einer Herz-Reha Nutzen ziehen werden.

Dabei besteht Einigkeit darüber, dass bestimmte Patientengruppen von einer Rehabilitation profitieren.

Es handelt sich vor allem um Personen, die an folgenden Erkrankungen gelitten haben oder noch leiden:

  • Herzinsuffizienz: Bei dieser Krankheit verfügt das Herz nicht über genug Kraft, um das Blut korrekt in den Kreislauf zu pumpen. Dadurch ist der Alltag der Betroffenen sehr beeinträchtigt. Denn sie haben Schwierigkeiten, ganz alltägliche Tätigkeiten zu verrichten.
  • Angina pectoris: Dabei handelt es sich um wiederkehrende Schmerzen im Brustkorb. Diese werden durch eine unzureichende Versorgung des Herzmuskels mit Blut verursacht. Hier ist eine kardiale Rehabilitation unerlässlich. Denn nur so kann man verhindern, dass die Angina pectoris zu einem Herzinfarkt führt.
  • Herzinfarkt: Auch Myokardinfarkt oder Herzanfall genannt. Es ist ein akutes und lebensbedrohliches Ereignis. Dabei kommt es zum Absterben von Herzzellen aufgrund von starken Durchblutungsstörungen des Herzens.
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Dabei handelt es sich um eine Störung der arteriellen Durchblutung der unteren sowie oberen Gliedmaßen. Diese Erkrankung gehört zu den chronischen Gefäßkrankheiten der Arterien. Die Risikofaktoren sind denen eines Herzinfarkts ähnlich.
  • Operationen am Herzen: Im Falle, dass es keine anderen möglichen Behandlungen gibt, kommt es zu einem operativen Eingriff am Herzen. Im Anschluss erhalten die Patienten eine kardiale Rehabilitation. Denn so kann man ihnen helfen, sich wieder in das normale gesellschaftliche Leben einzugliedern und auf gesunde Art und Weise in ihren Alltag zurückzufinden.
  • Herztransplantation: Zu diesem Mittel greift man als letztes bei Erkrankungen des Herzens. Eine solche Maßnahme ist eher selten. Dennoch ist heute eine solche Transplantation durchaus eine Option für schwer kranke Herzpatienten ohne andere Alternativen. Denn die kontinuierlichen wissenschaftlichen Fortschritte eröffnen immer neue Möglichkeiten.
Herzinfarkt: Frau hält sich am Herzen

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Wie läuft eine kardiale Rehabilitation ab?

Die Rehabilitation nach einer Herzerkrankung besteht aus drei Phasen. Davon entsprechen die letzten beiden dem eigentlichen Übungsprogramm sowie dem edukativen Teil. Diese Phasen sind:

  • Aufnahme in das Rehabilitationsprogramm bzw. Diagnose: In dieser ersten Phase muss man zunächst feststellen, ob der Patient in die Herz-Reha aufgenommen werden kann. Nach entsprechenden Untersuchungen durch ärztliches Personal kann eingeschätzt werden, ob die betreffende Person von dem Rehabilitationsprogramm profitieren kann. Dann kommt es gegebenenfalls zu ihrer Aufnahme.
  • Aktives Programm: Der Patient tritt die kardiale Rehabilitation an. Damit beginnt er mit einem auf ihn zugeschnittenen Trainingsplan. Außerdem erhält er therapeutische Sitzungen mit Psychologen sowie ein Gesundheitstraining. Darüber hinaus wird für die nötige medizinische Nachsorge gesorgt. Die genaue Dauer dieser Phase hängt von jedem einzelnen Fall ab.
  • Entlassung: Schließlich steht als dritte und letzte Phase die Entlassung an. Dazu kommt es, wenn das ärztliche Personal der Herz-Reha den Prozess als erfolgreich abgeschlossen betrachtet. Das heißt, es ist klar, dass der Patient nun zu Folgendem in der Lage ist: Er kann die erlernten Veränderungen in seiner Lebensweise in seiner gewohnten alltäglichen Umgebung selbstständig fortsetzen.

Welche Betreuung erhalten die Patienten genau?

In jeder dieser Phasen steht den Patienten ein multidisziplinäres Team zur Seite. Dabei handelt es sich normalerweise um Fachpersonal aus den Bereichen:

  • Kardiologie: Fachärzte aus diesem Bereich erstellen das Rehabilitationsprogramm. Außerdem sind sie für die Verschreibung der Arzneimittel zuständig.
  • Krankenpflege: Im Allgemeinen leitet der zuständige Pflegedienst mit Krankenpflegern und -pflegerinnen den täglichen Ablauf des Programms. Dazu gehört auch die ordnungsgemäße Aufzeichnung und Dokumentation aller relevanten Ereignisse im Rahmen der Herz-Reha.
  • Kinesiologe / Physiotherapie: Das hier tätige Fachpersonal ist für die Betreuung und Aufsicht bei den durchzuführenden Übungen verantwortlich.
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin: Die Fachärzte aus diesem Bereich erstellen gemeinsam mit dem Physiotherapeuten die Übungen für jeden Patienten.
  • Psychologie: Fachpersonal der Psychologie kümmert sich um den emotionalen Faktor beim Rehabilitationsprozess. So erfahren die Patienten in der Herz-Reha professionelle Unterstützung aus emotionaler und psychologischer Sicht.
Übungen während einer Rehabilitation

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Inhalte einer Herz-Reha

Wie eingangs schon erwähnt, besteht eine Herz-Reha nicht nur aus einem krankengymnastischen Übungsprogramm. Sondern sie beinhaltet vielmehr auch wesentliche edukative Aspekte. Also ist sie eine Art ganzheitliches Gesundheitstraining. Daher setzt sich eine solche Rehabilitation aus mehreren Bereichen zusammen, unter anderem:

  • Medizinische Betreuung: Das ärztliche Personal legt fest, welche Rehabilitation für jeden Fall angemessen ist und welche Medikamente für den Genesungsprozess nach der jeweiligen Herzerkrankung am besten geeignet sind.
  • Übungen: In der kardialen Rehabilitation erhalten die Patienten individuelle Übungsprogramme. Diese sind darauf angelegt, die Herzmuskulatur zu verbessern. Dabei sind die Übungen sehr vielfältig. So reichen sie vom Fahrradergometer bis hin zu kontrolliertem Heben von Gewichten.
  • Gesundheitstraining: Wie schon gesagt: Dies stellt im Grunde die wichtigste Säule des Rehabilitationsprogramms dar. Es geht darum, dass die Patienten eine Änderung ihres Lebensstils vornehmen müssen. Dazu klärt man sie über gesunde Essgewohnheiten sowie körperliche Bewegung auf. Außerdem lernen sie, wie sie besser mit Stress umgehen können. Und auch, in welchen Fällen sie dringend einen Arzt aufsuchen müssen. Darüber hinaus erklärt man ihnen, welche Angewohnheiten schädlich für ihre Gesundheit sind. Sie lernen auch, mit eventuellen anderen Krankheiten umzugehen, die eine Gefahr für ihre Herzgesundheit darstellen können.
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