POIS: Postorgasmic Illness Syndrom

1 Mai, 2020
Wir sprechen heute von einer noch sehr unbekannten Krankheit, über die es wenig Referenzen gibt. Dennoch ist sie ernst und betrifft sowohl Paarbeziehungen als auch das Selbstvertrauen des betroffenen Mannes. 

Das Postorgasmic Illness Syndrom (POIS) ist eine seltene Krankheit, die erst kürzlich entdeckt wurde und ausschließlich männliche Personen betrifft. Die Symptome ähneln denen einer Grippe und treten nach einer Ejakulation auf.

Laut der Internationalen Gesellschaft für Sexualforschung ist nicht bekannt, wie weit verbreitet das Postorgasmic Illness Syndrom ist, obwohl bereits vor wenigen Jahren die ersten Fälle dokumentiert wurden.

Man geht davon aus, dass viele Männer unter diesem Syndrom leiden, aber nicht davon wissen, da es bisher nicht genügend Informationen über dessen Existenz gibt. Es war Marcel Wandinger, Leiter der Abteilung für Neurosexologie am Krankenhaus Leyenburg in den Niederlanden, der diese Krankheit im Jahr 2002 entdeckte.

Symptome des Postorgasmic Illness Syndroms

Der mit dem POIS zusammenhängende Stress kann Probleme beim Geschlechtsverkehr verursachen.

Auch wenn diese Krankheit kein großes Gesundheitsrisiko darstellt, ist es für die emotionale Stabilität eines Mannes und seiner Partnerin sehr problematisch. Denn bei Personen, die an diesem Syndrom leiden, mindert es das Verlangen nach Sex und sie empfinden den Orgasmus eher als Vorstufe des Unwohlseins und nicht als angenehme Aktivität.

Die Symptome für das POIS können direkt nach der Ejakulation oder einige Stunden später auftreten und zwischen 3 und 7 Tagen anhalten.

Es wurden zwei Arten von Symptomen festgestellt, die koexistieren, aber je nach Fall überwiegen folgende:

Physische Symptome

  • Müdigkeit
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • verstopfte oder laufende Nase
  • Rachenreizung und Husten
  • Juckreiz in den Augen und verschwommene Wahrnehmung
  • Muskelschmerzen
  • Schwitzen
  • gelegentlicher Durchfall

Psychologische Symptome

  • geistige Erschöpfung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schwierigkeiten bei der Erinnerung an Dinge
  • Sprachprobleme

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Was verursacht das Postorgasmic Illness Syndrom?

Postorgasmic Illness Syndrom
Die Ursachen des POIS werden aufgrund des Auftretens neuerer Fälle noch untersucht.

Der Ursprung des POIS ist nicht bekannt, dennoch existieren mehrere Theorien darüber, die derzeit getestet werden. Einerseits gibt es keinen Hinweis darauf, dass es sich um eine genetisch bedingte oder ansteckende Krankheit handelt. Studien weisen auf hormonelle und neuropsychologische Probleme aufgrund von chemischem Ungleichgewicht oder Immunproblemen hin.

Es wurde nach einem Zusammenhang zwischen dieser Krankheit und der vorzeitigen Ejakulation gesucht, aber nur 25 % der analysierten Fälle berichteten über Ejakulationen innerhalb einer Minute nach Beginn des Geschlechtsverkehrs oder der Masturbation.

Chemisches Ungleichgewicht

Diese Theorie deutet auf eine anormale Reaktion auf die Freisetzung von Oxytocin nach dem Orgasmus hin. Andere Studien wiederum suchen nach einem Zusammenhang zwischen niedrigen Testosteronspiegeln und POIS, da einige der Symptome, wie Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten, häufig auftreten.

Neuropsychologische Probleme

Unmittelbar nach dem Orgasmus steigt der Prolaktinspiegel an und bleibt über einen längeren Zeitraum erhöht. Eine neue Theorie geht davon aus, dass das Prolaktin die dopaminergen Neuronen verändern kann, was zu einer unzureichenden Produktion von Dopamin führen würde.

Diese Theorie basiert darauf, dass der Mangel an Dopamin psychologische Symptome verursacht, die denen des POIS ähnlich sind.

Immunprobleme

Eine neuere Theorie nimmt an, dass es eine Autoimmunreaktion auf die Produktion der eigenen Samenflüssigkeit geben könnte. Die Studien, die von Dr. Marcel Wendinger an 45 männlichen Personen durchgeführt wurden, liefern einige Belege für diese Möglichkeit.

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Die Behandlung des Postorgasmic Illness Syndroms

Postorgasmic Illness Syndrom
Eine der in Erwägung gezogenen Therapien ist die Hyposensibilisierung gegenüber der Samenflüssigkeit.

Bisher werden Antihistamine, SSRI-Antidepressiva und angstlösende Arzneimittel eingesetzt, um die Symptome zu lindern, aber es stellt keine langfristige Lösung dar.

Dr. Waldinger hat mit der Hyposensibilisierungstherapie experimentiert. Diese besteht darin, Patienten mit ihrer eigenen Samenflüssigkeit zu impfen. Die Therapie wirkt also wie eine Art Impfstoff, der versucht, eine Immunreaktion gegen die Allergie auf die eigene Samenflüssigkeit zu erzielen.

Es wurde berichtet, dass die Hyposensibilisierung die Symptome schrittweise verbessert, allerdings gibt es wenig Belege dafür, sodass diese keine ausreichende Grundlage für eine Schlussfolgerung darstellen.

Andere Behandlungen, die durchgeführt wurden, zeigten nur geringen Erfolg in der Linderung einiger Symptome. Es gibt auch natürliche Therapien wie Behandlungen auf Basis von Sägepalme und Vitamin B3. Allerdings wurden auch schwerwiegendere Methoden angewendet, wie die Verkleinerung der Prostata oder die Anwendung von bestimmten Techniken zur Verhinderung einer Ejakulation.

Selbsthilfegruppen

Es gibt Selbsthilfegruppen, die den Erfahrungsaustausch und die Verbindung zu Fachleuten, die sich mit dieser Krankheit befassen, erleichtern. Außerdem gibt ein Forum, in dem sich Interessierte registrieren können und eine Facebook-Seite, der man folgen kann.

In jedem Fall ist es das Beste, einen Arzt oder Spezialisten zu konsultieren, der dir weiterhelfen kann.

  • Post-Orgasmic Illness Syndrome: A Review. Sexual Medicine Reviews. Hoang Minh Tue Nguyen, BA, Areeg Bala, MD, Andrew T. Gabrielson, BA, and Wayne J. G. Hellstrom, MD, FACS
  • Endocrine response to masturbation-induced orgasm in healthy men following a 3-week sexual abstinence. M.S. Exton, T.H. Krüger, N. Bursch, P. Haake, W. Knapp, M. Schedlowski, and U. Hartmann. World Journal of Urology, vol. 19, Nov. 2001, pp. 377-382.
  • Specificity of the neuroendocrine response to orgasm during sexual arousal in men. T.H. Kruger, P. Haake, D. Chereath, W. Knapp, O.E. Janssen, M.S. Exton, M. Schedlowski, and U. Hartmann. J Endocrinol, vol. 177, 2003, pp. 57-64.
  • Subjective Experiences During Dopamine Depletion,” Am J Psychiatry, vol. 162, 2005, pp. 1755
  • Clinical Characteristics and Evidence for Immunogenic Pathogenesis. Dr. Marcel Waldinger. (2011). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21241453
  • Hyposensitization therapy with autologous semen in two Dutch caucasian males: beneficial effects in Postorgasmic Illness Syndrome (POIS; Part 2). Waldinger MD, Meinardi MM, Schweitzer DH. (2011). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21241454