Leid stärkt die Seele

· 11 Oktober, 2016
Wir sollten Leid als Lernprozess verstehen, als Prüfung, aus der wir gestärkt hervorgehen und die uns hilft, schwierige Situationen besser zu bewältigen.

Oft hört man, dass man Freiheit erlangt, sobald man es schafft, das Leid zu kontrollieren und abzuschalten.

Zweifellos handelt es sich um einen wunderschönen Satz, doch beim Lesen können wir folgende Frage nicht umgehen: „Und wie macht man das? Wie kann man Ängste, Niederlagen und Leid abschalten?

Um unseren emotionalen Zustand zu kontrollieren und negative Energie, die unseren Geist belagert, umzuwandeln, ist es wichtig, die innere „Anatomie“ zu verstehen.

Leid und Traurigkeit entstehen im Gehirn durch subtile und sehr starke Mechanismen, die einen ganz bestimmten Zweck verfolgen. Anschließend werden wir näher darauf eingehen. Wir hoffen, dass du davon profitieren kannst.

Leid und das traurige Gehirn

Leid ist ein interner Dialog, den wir in unserem Gehirn schaffen. Schmerzhafte Erfahrungen, Verluste, Scheitern, Verrat und bittere Enttäuschungen können dazu führen, wobei man immer zwischen physischem und emotionalen Schmerz unterscheiden sollte.

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  • Das Leid, das uns bedroht und zu einer Depression führen kann, hat seinen einzigen Ursprung in einem inneren Dialog.
  • Manche Personen stellen sich diesen Situationen ganz anders, auch wenn sie eine ähnliche traumatische Erfahrung machen. Alles hängt von den inneren Ressourcen und dem Dialog ab, den wir in unserem Geiste führen.

Sobald man Negativität abschalten kann, kehrt Ruhe ein und kann ein Gleichgewicht hergestellt werden.

Diese Ideen sind grundsätzlich einfach zu verstehen, doch trotzdem sehr schwierig umzusetzen. Den Schalter für bittere, negative Gedanken zu finden, um dem Leiden ein Ende zu setzen ist sehr kompliziert.

Denn emotionale Schmerzen haften an der Seele, halten dich gefangen und nehmen dir die Luft zum Atmen. Es ist gar nicht einfach, sich davon wieder zu befreien, auch wenn wir uns dies sehnlichst wünschen.

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Das traurige Gehirn funktioniert anders

Das menschliche Gehirn besteht aus Millionen von Nervenzellen, die ein erstaunliches und unglaubliches Netz bilden, das auch unser Bewusstsein ermöglicht.

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Neurowissentschaftler erklären uns, dass Angst eine ganz besondere Macht auf unser Gehirn ausübt.

Strukturen wie der Hippocampus oder die Amygdala ermöglichen es dem Gehirn, Information aus der Umgebung aufzunehmen, um uns auf Risiken aufmerksam zu machen, ohne dass wir diese bewusst wahrnehmen.

  • Das Gehirn möchte, dass wir überleben und verwendet deshalb negative Emotionen wie Angst, Traurigkeit oder Leid, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass etwas nicht in Ordnung ist.
  • In diagnostischen Tests kann man sehen, dass Traurigkeit fast 70 vershciedene Gehirnregionen beeinträchtigt.
  • Die Amygdala, der Hippocampus, der präfrontale Cortex oder der anteriore cinguläre Cortex zählen beispieslweise zu diesen Bereichen, und auch die Inselrinde, die besonders interessant ist.
  • Die Inselrinde wird auch mit der Körperwahrnehmung und dem Geschmack assoziiert. All dies erklärt, warum alles still zu stehen scheint und alles an Sinn und sogar Geschmack verliert, wenn wir traurig sind und leiden.
  • Auch wenn wir versuchen, das Leiden abzuschalten, um zur Realität zurückzukehren, kann unser Gehirn nicht so reagieren, wie wir das gerne hätten. Wir sind dazu unfähig.

Denn die interne Musik befindet sich auf einer anderen Wellenlänge, das traurige Gehirn hat den Lärm des Lebens abgeschaltet. 

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Leid überwinden, um stärker zu sein

Es lohnt sich, uns eine wunderschöne Aussage von Leonard Cohen ins Gedächtnis zu rufen: „Es ist ein Riss in allem, durch den das Licht eindringt.“

Wenn etwas kaputtt oder zerbrochen ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass man im Leben nicht vorankommen kann.

Wunden werden geheilt, auch wenn wir nie wieder in den ursprünglichen Zustand zurück können. Wir werden nie wieder so sein, wie zuvor.

  • Doch wir können stärker sein. Denn der Riss ermöglicht es, das Licht der Weisheit, der Erfahrung und der Erkenntnis eindringen zu lassen, das durch die Veränderung unser Wesen erhellt. 
  • Um Leid zu überwinden benötigst du Zeit. Du weißt bereits, dass das Gehirn einem anderen Rhythmus folgt und auf einer anderen Ebene arbeitet, deshalb solltest du geduldig sein und dich auf jene Personen stützen, die dich lieben.
  • Dein Gehirn wünscht sich, „still zu stehen“, um alle Energie darauf zu konzentrieren, eine Lösung für die Sorgen, für den Schmerz zu finden. 
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Deine einzige Aufgabe ist es, etwas an dir oder deiner Umgebung zu verändern, um dich besser zu fühlen. Akzeptiere das Geschehene und suche Motivation in neuen, anderen Dingen, denn diese zwei Schritte sind grundlegend, um voranzukommen.

Neurologen weisen immer darauf hin, dass es sehr hilfreich ist, die Mechanismen des Gehirns zu verstehen, um Traurigkeit und Leid einfacher bewältigen zu können.

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Vergiss nicht, dass Leid nicht ewig dauert, sondern nur ein vorübergehender Prozess ist, den man überwinden kann, um daraus zu lernen und weiter voranzuschreiten, um sich an das Meer des Lebens anzupassen, das manchmal sehr komplex ist.