Kann der Candirú-Fisch wirklich in die Harnröhre gelangen?

Verschiedenen Berichten zufolge wird der Candirú-Fisch vom Geruch des menschlichen Urins angezogen und kann in die Harnröhre eindringen. Wenn eine Person in den Amazonas uriniert, besteht die Gefahr, von diesem Fisch attackiert zu werden, was zu einer Verstümmelung des Penis führen kann. Aber entspricht das wirklich der Wahrheit?
Kann der Candirú-Fisch wirklich in die Harnröhre gelangen?

Letzte Aktualisierung: 01. Oktober 2021

Der Candirú-Fisch ist eine der am meisten gefürchteten Arten im Amazonasgebiet, denn es gibt Hunderte von seltsamen Geschichten, die jeden erschrecken können. Es heißt, dass dieses kleine Tier die Fähigkeit hat, in den Penis einzudringen, sich in der Harnröhre festzusetzen und dort als Parasit zu leben. Und dann kann er nur durch einen chirurgischen Eingriff entfernt werden.

Aufgrund dieser Eigenschaften ist der Candirú-Fisch auch als Vampirfisch, Harnröhrenwels oder Penisfisch bekannt. Im Volksmund heißt es, dass dieses Tier vom Geruch des menschlichen Urins angezogen wird und deshalb angreift. Allgemein ist bekannt, dass er nur andere Fische angreift.

Der Candirú-Fisch ernährt sich von Blut. Aufgrund seiner geringen Größe ist er schwer zu entdecken, vor allem in unruhigen Gewässern. Man sagt, dass er jede Gelegenheit nutzt, um in die Öffnung des Penis zu gelangen und sich dort mit seinen scharfen Widerhaken festzuhalten. Aber ist an all diesen Behauptungen wirklich etwas dran?

Was für ein Fisch ist der Candirú?

Kann der Candirú-Fisch wirklich in die Harnröhre gelangen? Ein Mann steht im Bad und greift sich in den Schritt
Der Candirú-Fisch ist auch als Vampirfisch oder Penisfisch bekannt und den Erzählungen zufolge wird er von Urin angezogen.

Der Candirú-Fisch ist ein kleines Tier, das ausschließlich im Amazonasbecken (Bolivien, Brasilien, Peru, Ecuador und Kolumbien) lebt. Er ist etwa 1 Zentimeter groß und ähnelt in seinem Aussehen einem Aal, obwohl er zur Familie der Welse gehört.

Diese Fische sind Parasiten. Sie haben eine Reihe von Stacheln, die sich auf dem Kiemendeckel befinden. Mit ihnen heften sie sich an die Kiemen anderer Fische und ernähren sich dann vom Blut ihrer Wirte.

Der Candirú-Fisch hat keine Schuppen. Sein Körper ist durchsichtig, färbt sich aber nach dem Fressen. Er hat Barben, die mit winzigen nadelartigen Zähnen besetzt sind. Die meiste Zeit lebt er im Flussbett und taucht nur zur Paarung oder zum Fressen auf.

Diese Fische bevorzugen trübes Wasser. Sie durchdringen ihr Opfer in weniger als einer Sekunde. Sobald sie sich an ihre Beute geheftet haben, zappeln sie und holen eine Art Schirm hervor, mit dem sie sich einhaken und sichern. Dann beginnen sie sofort, mit ihren scharfen Nadelzähnen an der nächstgelegenen Arterie zu knabbern.

Was wird über den Candirú-Fisch erzählt?

Geschichten über Angriffe von Candirú-Fischen auf Menschen tauchten bereits im 19. Jahrhundert auf. Im Wesentlichen wird davon berichtet, dass der Fisch nach oben schwimmt, wenn ein Mensch ins Wasser uriniert und mit großer Geschwindigkeit in den Penis seines Opfers eindringt. Dann klettert er bis zur Harnröhre, wo er sich festsetzt. Das verursacht große Schmerzen und erschwert das Wasserlassen.

Darüber hinaus heißt es, dass er ins Wasser springen und den Urinstrahl hinaufklettern kann. Manche behaupten zudem, dass der Candirú-Fisch auch in die Vagina oder den Anus eindringt und ähnliche Wirkungen hat. Des Weiteren wird behauptet, dass er im Menschen Eier ablegen und auf diese Weise ebenfalls Schaden anrichten kann.

Am beängstigendsten ist, dass der einzige Weg, den Candirú-Fisch loszuwerden, laut volkstümlicher Erzählung darin besteht, den Penis zu amputieren. Nur so könne man verhindern, dass das Tier die Blase erreicht und dort eine Entzündung verursacht, welche schließlich zum Tod führt. Es gibt mehrere Berichte über diese Verstümmelungen.

Allerdings ist der einzige dokumentierte Fall der eines Mannes namens Silvio Barbosa. Im Jahr 1997 wurde er in Manaus (Brasilien) wegen eines derartigen Problems behandelt. Er soll drei Tage lang Höllenqualen erlitten haben, bis der Arzt Anoar Samad, ein Urogenitalchirurg, den Candirú-Fisch schließlich aus seiner Harnröhre entfernen konnte.

Wie lautet die Wahrheit?

Candirú-Fisch: Digitales Bild einer menschlichen Blase

Es gibt einen Forscher an der Universität von Connecticut, der sich mehrere Jahre lang mit der Erforschung des Candirú-Fisches beschäftigt hat. Sein Name ist Stephen Spotte. Seine Forschungsergebnisse wurden in einem Buch mit dem Titel Candirú: Life and Legend of the Bloodsucking Catfishes (auf Deutsch: Leben und Legende der blutsaugenden Welse) zusammengefasst.

Als der Fall von Silvio Barbosa veröffentlicht wurde, besuchte Spotte Dr. Anoar Samad, um herauszufinden, was geschehen war. Dieser legte ihm Fotos, Videos und sogar das präparierte Tier vor. Doch nichts davon überzeugte den Wissenschaftler. Seiner Meinung nach waren weder die Geschichte noch das Exemplar überzeugend.

Zudem wies Spotte darauf hin, dass der Candirú-Fisch gegen die Gesetze der Physik verstoßen müsste, um durch einen Urinstrahl zu dringen. Gleichzeitig sagte der Arzt, dass er die Stacheln des Fisches entfernt habe, um ihn aus dem Körper seines Patienten zu entfernen. Das vorliegende Exemplar war jedoch unversehrt und wies keine typischen Merkmale eines Candirú auf.

Um die angebliche Anziehungskraft von Urin auf den Candirú-Fisch zu überprüfen, führte Spotte im Jahr 2001 ein Experiment durch. Die vollständige Studie wurde veröffentlicht, und die Schlussfolgerung besagt, dass es keine Beweise dafür gibt, dass dies den Tatsachen entspricht. Das Experiment zeigte, dass die Fische nicht von dieser Substanz angezogen werden.

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Die Erzählungen scheinen ein Mythos zu sein

Anhand der bisher vorliegenden Daten können wir feststellen, dass es keine Beweise dafür gibt, dass die Legende über den Candirú-Fisch der Wahrheit entspricht. Obwohl es zahlreiche Berichte über angebliche Angriffe dieser Fische gibt, gibt es keinen Beweis dafür, dass sie wahr sind.

Solange keine handfesten Beweise vorliegen, ist die Möglichkeit, dass der Candirú-Fisch in die menschliche Harnröhre eindringt, nichts weiter als ein Mythos. Es gibt also keinen Grund, diese Fischart zu verteufeln oder sich vor ihr zu fürchten!

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  • Cochran, P. A. (2005). Candiru: Life and Legend of the Bloodsucking Catfishes.
  • Spotte, S. (2001, 1 abril). Experiments on the Feeding Behavior of the Hematophagous Candiru, Vandellia cf. Plazaii. Environmental Biology of Fishes. https://link.springer.com/article/10.1023/A:1011081027565?error=cookies_not_supported&code=0d614b26-ebd6-49e3-ae37-b2684b392206.
  • Del Basto, J. C. D., Mojica, J. I., & Koyro, H. W. (2018). Morfología externa del pez parásito Paravandellia phaneronema (Miles 1943) (Siluriformes: Trichomycteridae) observada mediante imágenes de microscopía electrónico de barrido. Revista de la Academia Colombiana de Ciencias Exactas, Físicas y Naturales, 42(165), 323-329.