Harnverhalt: Ursachen und Behandlungen

Ein vollständiger Harnverhalt erfordert einen Gang in die Notaufnahme. Bei teilweisem Harnverhalt musst du so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen.
Harnverhalt: Ursachen und Behandlungen

Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2021

Im Allgemeinen versteht man unter Harnverhalt (oder Harnsperre) die Unfähigkeit, die Blase zu entleeren, obwohl man dies möchte. Dieser Zustand ist ein medizinischer Notfall und muss daher sofort behandelt werden.

Harnverhalt kann verschiedene Ursachen haben, meist sind es obstruktive Erkrankungen. Er kann aber auch durch Infektionen, Entzündungen, neurologische Probleme und Medikamente verursacht werden.

Nach den vorliegenden Daten ist Harnverhalt der häufigste urologische Notfall in der Primärversorgung in Krankenhäusern. Abhilfe kann ein temporärer Katheter schaffen, der die Entleerung der Blase erleichtert.

Was ist Harnverhalt?

Harnverhalt ist die Unfähigkeit zum Wasserlassen, obwohl die Blase voll ist. Obwohl diese Anomalie zu jedem Zeitpunkt des Lebens auftreten kann, ist sie bei Menschen über 60 häufiger. Tatsächlich nimmt die Häufigkeit mit dem Alter zu.

Diese Störung betrifft 10 % der Männer über 70 und 30 % der über 80-Jährigen. Es gibt nur unzureichende Unterlagen, aber Schätzungen deuten darauf hin, dass sie bei Männern häufiger vorkommt als bei Frauen.

Die Retention kann vollständig oder teilweise sein. Letzteres führt zu einer erhöhten Harnfrequenz oder sogar zu Inkontinenz.

Man muss den Harnverhalt von der Anurie, dem vollständigen Ausbleiben der Urinproduktion, unterscheiden. Bei der Harnsperre wird zwar Urin produziert, aber er verlässt den Körper nicht und sammelt sich in der Blase.

Harnverhalt und Behandlungen - eine Person auf der Toilette
Bei einem Harnverhalt wird kein Urin ausgeschieden, selbst wenn der Drang zum Wasserlassen vorhanden ist.

Ursachen

Die Ursachen, die zu einem Harnverhalt führen, werden in vier Gruppen eingeteilt: obstruktive, infektiöse und entzündliche, neurologische und pharmakologische. Schauen wir uns jede einzelne davon an:

  • Obstruktiver Harnverhalt liegt vor, wenn eine anatomische Gegebenheit den Urinabgang verhindert. Bei Männern ist dies in der Regel auf eine Vergrößerung der Prostata oder eine gutartige Prostatahyperplasie zurückzuführen. Bei Frauen handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine gynäkologische Erkrankung.
  • Infektionen und Entzündungen bei Männern stehen im Zusammenhang mit Krankheiten wie akuter Prostatitis, Harnröhrenentzündung, sexuell übertragbaren Krankheiten und Genitalherpes. Bei Frauen handelt es sich meist um vulvovaginale Läsionen oder Vulvovaginitis.
  • Die neurologische Retention ist auf Läsionen des autonomen peripheren Nervs, des Gehirns oder des Rückenmarks zurückzuführen. Sie kann Männer und Frauen gleichermaßen betreffen.
  • Die pharmakologische Retention ist eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente, in der Regel Anticholinergika, trizyklische Antidepressiva und nichtsteroidale Antirheumatika.

Symptome und Diagnose des Harnverhalts

Das Hauptsymptom des Harnverhalts sind Schwierigkeiten beim Wasserlassen – sei es ein schwacher Urinstrahl, Nachtröpfeln, kleine Lecks am Tag, erhöhter Druck im Bauch, Anstrengung beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen und Nykturie (nächtlicher Harndrang).

Der Harnverhalt ist meistens nicht vollständig, aber es gibt Schwierigkeiten, die Blase vollständig zu entleeren. Infolgedessen entzündet sich die Blase einer Person, die nicht urinieren kann, sehr schnell, was zu sehr starken Schmerzen führt.

Außerdem ist zurückgehaltener Urin ein Nährboden für Bakterien und ein Risikofaktor für Harnwegsinfektionen. Die zurückgehaltene Flüssigkeit fördert die Vermehrung von infektionsverursachenden Mikroorganismen.

Die Diagnose bei einer Person, die nicht urinieren kann, ist eindeutig. Mit einem Test kann festgestellt werden, wie viel Urin nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt, wenn es sich um einen teilweisen Harnverhalt handelt. Um dies festzustellen, führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung der Blase durch oder führt einen Katheter in die Blase ein.

Behandlung von Harnverhalt

Bei einem Harnverhalt muss sofort ein Harnkatheter gelegt werden, um den gestauten Urin abzusaugen. Es muss eine Dekompression erfolgen, um den Abfluss der zurückgehaltenen Flüssigkeit zu fördern.

Es gibt zwei Arten der Katheterisierung: intermittierende und permanente Katheterisierung. Bei der ersten wird ein Katheter eingeführt und wieder entfernt, was jede Person mit der richtigen Schulung lernen kann, wenn es sich um eine wiederkehrende Störung handelt. Bei der zweiten Variante muss der Katheter für einen Zeitraum eingesetzt werden, der länger ist als das Intervall zwischen zwei Miktionen (Blasenentleerung).

Anschließend wird der Arzt versuchen, die Ursache für den Harnverhalt zu ermitteln. Man geht davon aus, dass dieses Problem bei 30 % der Patienten, bei denen die ursprüngliche Ursache nicht eindeutig geklärt werden kann, erneut auftritt.

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