Gilles-de-la-Tourette-Syndrom: Was ist das?

4 Februar, 2020
Das Tourette-Syndrom ist an nervösen Tics zu erkennen. Außerdem ist für Betroffene das Risiko, an einer Depression oder an Nervosität und Angst zu leiden, größer. Auch die Komorbidität mit anderen psychiatrischen Störungen, wie Zwangsstörungen, ist bei dieser Krankheit häufig. 

Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, kurz Tourette-Syndrom (TS), ist eine sehr bekannte Störung, die häufig Hohn und Spott auslöst, da sie sich durch das chronische Auftreten motorischer und vokaler Tics äußert. Allerdings handelt es sich um eine Krankheit, die das Leben sehr stark beeinträchtigt und meist zu Diskrimination führt.

Das Tourette-Syndrom ist an wiederholten Bewegungen und Lauten zu erkennen, die von Betroffenen nicht kontrolliert werden können. Diese motorischen und vokalen Tic sind die Folge einer Verletzung des Nervensystems. In der Regel tritt dieses Syndrom in der Kindheit auf, häufig zwischen dem fünften und dem neunten Lebensjahr.

Diese Krankheit wurde erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal beschrieben. Die Verbreitung liegt schätzungsweise bei 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung. Die genauen Mechanismen, die zu dieser Störung führen, sind noch nicht ausreichend erforscht. Man weiß allerdings, dass die genetische Komponente dabei eine wichtige Rolle spielt.

Das Tourette-Syndrom ist mehr als nur eine nervöse Störung, denn es beeinträchtigt alle Aspekte des Lebens. TS-Patienten leiden insbesondere an den sozialen Folgen. Wir erklären dir deshalb in unserem heutigen Artikel mehr über dieses Syndrom, um Betroffene besser verstehen zu können.

Was ist das Tourette-Syndrom?

Die meisten haben bereits Menschen mit TS gesehen, denn diese Störung ist durch die motorischen und vokalen Tics sehr auffallend. Doch diese unkontrollierbare Symptomatik ist nur ein Teil der Krankheit.

Die unfreiwilligen Tics können sich wiederholende Bewegungen, Geräusche oder Worte sein. Bei manchen Patienten äußert sich dies auch durch Schimpfworte. Eine typische Geste ist zum Beispiel das kontinuierliche Schulternzucken.

Meist sind Männer davon betroffen, wobei die Symptome in der Regel vor dem 15. Lebensjahr auftreten. Häufig wird die Krankheit in einem Alter von rund sechs Jahren diagnostiziert. Die Tics können leicht oder auch sehr komplex sein und in unterschiedlicher Frequenz auftreten.

Einige Beispiele dafür sind:

  • Häufiges Augenzwinkern
  • Die Nase rümpfen
  • Husten
  • Kontinuierliches Räuspern
  • Wiederholung von Sätzen
  • Obszöne Gesten und Beschimpfungen

Wichtig zu wissen ist, dass sich diese Tics im Laufe des Lebens verändern können. Es gibt auch bestimmte Situationen, in denen sie sich verschlimmern. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sich die betroffene Person gestresst oder sehr müde fühlt. Im Normalfall verbessert sich jedoch die Symptomatik im Erwachsenenalter.

Ein anderer wichtiger Aspekt des TS-Syndroms ist, dass in vielen Fällen begleitende Störungen auftreten. Oft leiden TS-Patienten zusätzlich an ADHS mit Impulsivität. Außerdem ist auch die Komorbidität mit Zwangsstörungen sehr häufig.  Zu beachten ist ebenfalls, dass das Syndrom vermehrt in Familien mit Vorgeschichte vorkommt, das heißt, wenn auch andere Familienmitglieder an dem Tourette-Syndrom oder Zwangsstörungen leiden.

Kind mit Tourette-Syndrom
Nervöse Tics sind charakteristisch für das Tourette-Syndrom.

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Wie wird das Tourette-Syndrom behandelt?

Leider gibt es für diese Störung keine Heilung. Doch bestimmte Medikamente können den Betroffenen helfen, ihre Tics einfacher zu kontrollieren. Es gibt immer mehr Therapiemöglichkeiten und unterstützende Gruppen, die TS-Patienten Hilfe bieten.

Die medizinische Behandlung hängt vom Einzelfall und dem Schweregrad der Tics ab. Manche Patienten benötigen keine Medikamente. Die meisten können trotz all der Schwierigkeiten ein produktives Leben führen.

Medikamente, welche den Dopaminspiegel im Gehirn regulieren, können zum Teil hilfreich sein. Das Problem liegt jedoch darin, dass diese starke Nebenwirkungen haben und unter anderem zu einer Gewichtszunahme führen.

Auch Antidepressiva kommen häufig zum EinsatzDiese Arzneimittel helfen bei Angst- und Zwangsstörungen, die mit dem Tourette-Syndrom oft einhergehen. Häufig ist auch eine Intervention zur Behandlung von ADHS nötig, um die Aufmerksamkeit zu verbessern.

Zusätzlich zu einer medikamentösen Therapie, ist insbesondere eine psychologische Behandlung grundlegend. Kinder benötigen Unterstützung, um ihr Selbstwertgefühl zu verbessern. Auch Zwangsstörungen und Ängste können mit einer Psychotherapie deutlich verbessert werden.

Mann mit Tourette-Syndrom

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Abschließende Worte

Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom ist eine komplexe Störung des Nervensystems. Betroffene leiden an motorischen und vokalen Tics, die sich kontinuierlich äußern. Dadurch ist unter anderem das gesellschaftliche Leben von TS-Patienten sehr schwierig.

Wichtig  ist, sich über die psychologischen Folgen dieses Syndroms bewusst zu sein. Betroffene leiden häufig an den Reaktionen ihrer Umwelt, werden stigmatisiert und diskriminiert. Die Gesellschaft muss jedoch Verantwortung übernehmen und TS-Patienten verständnisvoll und mit Respekt behandeln. Es handelt sich nicht um schlechte Angewohnheiten, sondern um unfreiwillige und unkontrollierbare Tics. Doch in der Regel sind Tourette-Patienten ebenso leistungsfähig wie ihre Mitmenschen, sofern keine anderen schweren Begleiterkrankungen vorhanden sind.

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