Erbrochenes: Was bedeuten die verschiedenen Farben?

Die Farbe des Erbrochenen kann ein Hinweis auf eine Grunderkrankung sein. Schauen wir uns an, was sich hinter den verschiedenen Farben verbirgt.
Erbrochenes: Was bedeuten die verschiedenen Farben?

Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2022

Erbrechen ist ein Symptom, das jeder irgendwann in seinem Leben erleben kann. Es handelt sich um ein Anzeichen für viele Krankheiten und kann sich mit dem Fortschreiten der Krankheit verändern. Die Ursachen können von selbstlimitierenden klinischen Zuständen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen reichen. Erbrochenes kann dir aufgrund der Farbe wichtige Hinweise geben. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren!

Dieses Symptom wird als Ausstoß des Inhalts des oberen Verdauungstrakts durch den Mund definiert, der durch die Kontraktion des Zwerchfells und der Bauchmuskeln entsteht. Das Auftreten kann sowohl auf Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts als auch auf äußere Umstände wie Migräne und Schwangerschaft zurückzuführen sein.

Die physikalischen Eigenschaften des ausgeschiedenen Inhalts, wie Farbe und Konsistenz, können dem Arzt/der Ärztin bei der Diagnosestellung helfen. Der Grund dafür ist, dass verschiedene Krankheiten dem Erbrochenen ein bestimmtes Aussehen verleihen. Die nachfolgenden Angaben sind lediglich Richtwerte. Daher solltest du immer eine/n Arzt/Ärztin konsultieren.

1. Gelbes oder grünes Erbrochenes

Gelber oder grünliches Erbrochenes deutet auf das Vorhandensein von Galle hin. Galle ist eine Substanz, die in der Leber synthetisiert und im oberen Teil des Zwölffingerdarms freigesetzt wird. Ihre Hauptfunktion besteht darin, Fette zu verdauen und die Aufnahme von Nährstoffen zu erleichtern.

In den meisten Fällen enthält Erbrochenes Galle, wenn der Magen leer ist. Zum Beispiel bei morgendlicher Übelkeit oder bei Darmviren. Darüber hinaus tritt Galle auch bei Erkrankungen auf, bei denen wiederholtes Erbrechen den Magen entleeren kann, wie z. B. bei einem Darmverschluss.

Andere Ursachen, bei denen Erbrechen eine grüne oder gelbliche Färbung annehmen kann, sind die folgenden:

  • Das Vorhandensein von Schleim oder Katarrh, besonders bei Kindern
  • Hepatische Insuffizienz
  • Der Verzehr von Speisen oder Getränken, die den Mageninhalt verfärben können
  • Die Freisetzung von Eiter aufgrund einer Infektion
  • Vergiftungen
Erbrochenes - Arzt mit dem Modell einer Leber
Gelbes Erbrechen ist durch einen hohen Gehalt an Gallenflüssigkeit gekennzeichnet, die aus der Leber stammt.

2. Klares, durchsichtiges, weißes Erbrochenes

Wie bei grünem oder gelbem Erbrochenem kann die Ausscheidung von Mageninhalt klar oder durchsichtig sein, wenn der Magen leer ist. Die Farbe des Erbrochenen ändert sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung.  Daher ist es zunächst durchsichtig, bevor es gelb wird.

Zu den Hauptursachen für klares oder durchsichtiges Erbrochenes gehören Gehirnerschütterungen, zyklisches Erbrechen und bestimmte Arten von Lebensmittelvergiftungen. Darmviren und morgendliche Übelkeit in der Schwangerschaft sind ebenfalls häufige Ursachen.

Es kann auch daran liegen, dass du gerade viel Milch oder Joghurt zu dir genommen hast. Außerdem kann das Erbrochene eine schaumige Konsistenz haben, je nachdem, ob sich viel Gas im Magen befindet. Letzteres tritt auf, wenn du viel kohlensäurehaltige Getränke getrunken hast. Des Weiteren kann klares Erbrochenes auftreten, wenn du an gastroösophagealem Reflux oder Gastritis leidest.

Glücklicherweise sind die meisten Ursachen für klares Erbrechen gutartig und selbstbegrenzend. Dennoch ist es ratsam, eine/n Facharzt/ärztin zu konsultieren, besonders wenn das Erbrechen nach einem Schlag auf den Kopf auftritt.

3. Schwarzes Erbrochenes

Schwarzes Erbrochenes weist auf verdautes Blut im Magen hin. Es ist wichtig, daran zu denken, dass rote Blutkörperchen Eisen enthalten, das durch die Einwirkung von Magensäften eine schwarze Farbe annehmen kann.

Schwarzes Erbrochenes tritt bei allen Erkrankungen auf, die mit Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt einhergehen. Forschungsergebnissen zufolge ist die Sterblichkeitsrate bei diesen Patient/innen gering. Tatsächlich heilen bis zu 65 % von selbst wieder ab. In den meisten Fällen sind die Blutungen leicht. Das Aussehen des Erbrochenen ist schwärzlich und viele Menschen beschreiben es als ähnlich wie dunklen Kaffee oder Kaffeesatz.

Schwarzes Erbrochenes geht mit verschiedenen Symptomen einher, wie z. B. Blut im Stuhl, schwarzem oder teerigem Stuhl, Gewichtsverlust und kalten Schweißausbrüchen. Zu den wichtigsten Erkrankungen, die zu schwarzem Erbrechen führen können, gehören die folgenden:

  • Mallory-Weiss-Syndrom
  • Die Ruptur von Ösophagusvarizen, in der Regel als Folge einer portalen Hypertension
  • Magen- oder Ösophagusgeschwüre
  • Amyloidose
  • Pilzinfektionen
  • Morbus Crohn
  • Magenkrebs
  • Komplizierte Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Hepatische Insuffizienz
  • Ösophagitis
  • Duodenitis

4. Braunes Erbrochenes

Braunes Erbrochenes hat zwei wahrscheinliche Ursachen. Bei der ersten handelt es sich um eine Hämatemesis, bei der die Magensäfte das Eisen nicht stark angegriffen haben, so dass es sich nicht schwarz verfärbt hat.

Die zweite wahrscheinliche Ursache ist eine schwere Darmobstruktion, meist im distalen Teil des Magen-Darm-Trakts. Dieser Zustand kann die Verdauung der Nahrung verhindern. Das Erbrochene hat in der Regel eine braune Farbe, die stark an Fäkalien erinnert.

Wenn braunes Erbrochenes die Folge einer Darmobstruktion ist, wird es aufgrund des Fäkaliengeruchs als fäkaloid bezeichnet. Dies gilt als eindeutiges Zeichen für die Erkrankung, da es laut Studien in 80 bis 100 % der Fälle auftritt.

5. Weißes oder schaumiges Erbrochenes

Schaumiges Erbrochenes entsteht durch eine Reizung der Magenschleimhaut und durch Magengase. Das Vorhandensein von Sauerstoff und anderen gasförmigen Verbindungen im Magen verursacht das Auftreten von Blasen oder Schaum.

Daher können Krankheiten wie Gastritis und gastroösophagealer Reflux diese Symptomatik verursachen. Diese Krankheiten stellen keine Lebensgefahr dar und das Erbrechen sollte nach ein paar Tagen von selbst abklingen. Die weiße Farbe kann nur durch die Aufnahme von Lebensmitteln wie Milch oder Eiscreme entstehen und ist daher kein Grund zur Sorge.

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6. Orangefarbenes Erbrochenes

Orange ist die charakteristische Farbe von teilweise verdauter Nahrung. Daher ist es möglich, dass du diesen Farbton schon beim ersten Erbrechen bemerkst. Fast alle verdauten Lebensmittel haben einen orangefarbenen Farbton, wenn die Magensäfte auf sie einwirken.

Orangefarbenes Erbrochenes tritt normalerweise für eine bestimmte Zeit auf und nimmt dann eine der bereits beschriebenen Schattierungen an. Einige der Situationen, die es verursachen können, sind die folgenden:

7. Rotes oder blutiges Erbrochenes

Ein roter oder rosa Farbton im Erbrochenen kann nur auf frisches, unverdautes Blut hinweisen. Diese Form des Erbrechens wird auch Hämatemesis genannt, obwohl sie nicht die charakteristische schwarze Farbe aufweist. Das Erbrochene kann verschiedene Schattierungen annehmen, z. B. violett.

Die Färbung ist ein Hinweis auf starke Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt und stellt einen medizinischen Notfall dar. Jede Erkrankung, die Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt verursachen kann, kann zu rotem oder blutigem Erbrochenem führen. Daher kann der auslösende Faktor ein schwerwiegenderes Erscheinungsbild der Läsionen sein, die schwarzes Erbrechen verursachen.

Die Ätiologie dieser Blutungen ist die gleiche wie im Fall des schwarzen Erbrechens. Andere mögliche Ursachen sind die folgenden:

  • Blutungen im Mund aus jeglicher Ursache (z. B. schwere Zahnfleischentzündung)
  • Kürzlicher Verzehr von Lebensmitteln mit dieser Farbe
  • Amyloidose
  • Angeborene Anomalien bei Kindern
  • Gerinnungsstörungen
  • Nahrungsmittelallergie bei Säuglingen
  • Läsionen im Mund
  • Ruptur der Speiseröhrenvene
Erbrochenes - intubierter Mann im Krankenhaus
Starke Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt erfordern manchmal eine Notfallbehandlung mit einer Endoskopie.

Komplikationen in Verbindung mit Erbrechen

Eine der wichtigsten Komplikationen in Verbindung mit Erbrechen sind Dehydrierung und Elektrolytstörungen, besonders bei kleinen Kindern. Ständiges Erbrechen bedeutet einen großen Wasserverlust für den Körper. Daher ist eine Rehydrierung mit einer oralen Rehydrierungslösung nach jedem Erbrechen unerlässlich.

Eine weitere Komplikation ist die Bronchialaspiration oder das Einatmen von Erbrochenem in die Lunge. Auch die Speiseröhre kann durch die Wirkung der Magensäfte gereizt werden. Außerdem erfolgt das Erbrechen manchmal so abrupt, dass die Speiseröhrenschleimhaut einreißen kann.

Wenn das Erbrechen chronisch ist, kann dies zu Unterernährung führen. Das liegt daran, dass das Erbrechen die richtige Verdauung der Nahrung und die anschließende Aufnahme der Nährstoffe verhindert.

Wann man einen Arzt aufsuchen sollte

Rotes oder schwarzes Erbrochenes ist ein Warnzeichen. Daher solltest du in diesen Fällen so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Blutverlust kann bei Menschen zu tödlichen Komplikationen führen. Grünes Erbrechen sollte auch ein Alarmsignal sein, wenn ein Leberleiden vermutet wird.

Weitere Umstände, die eine Konsultation eines Spezialisten/einer Spezialistin notwendig machen, sind unter anderem die folgenden:

  • Erbrechen für mehr als 48 Stunden
  • Die orale Aufnahme von Speisen oder Getränken wird nicht toleriert
  • Anzeichen für Dehydrierung
  • Erheblicher Gewichtsverlust
  • Diabetes
  • Starke Schmerzen in der Brust

Die Farbe deines Erbrochenen ist sehr wichtig

Die Bedeutung der Farbe des Erbrochenen einer Person liegt darin, dass sie dem Arzt/der Ärztin bei der Diagnose der ursächlichen Pathologie helfen kann. Deshalb wird der/die Spezialist/in Wert darauf legen, die Farbe des Erbrochenen zu kennen, um festzustellen, ob es sich um einen Notfall handelt.

In den meisten Fällen ist Erbrechen kein Grund zur Beunruhigung und verschwindet normalerweise nach ein paar Tagen wieder. Wenn Blut oder Fäkalien ausgeschieden werden, ist es unbedingt ärztliche Hilfe erforderlich, da beide Situationen lebensbedrohlich sein können.

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