Das Anna-Karenina-Syndrom: wenn die Liebe zum Verhängnis wird

· 21 März, 2016

Anna Karenina von Leo Tolstoi ist ein Klassiker der Universalliteratur und beschreibt die Leidenschaft, Intensität und auch Gefahr einer Liebe, die ein tragisches Ende nimmt. Das Anna-Karenina-Syndrom beschreibt nicht unbedingt das tragische Ende der Heldin dieser Geschichte, sondern die Leidenschaft bzw. emotionale Bindung, mit denen wir unsere eigenen Grenzen verlieren.

Heute möchten wir die Gefahren der übertriebenen Leidenschaft beziehungsweise der Besessenheit erklären, die großes Leid verursachen.

1. Wenn Liebe zur Besessenheit wird

Es wird behauptet, dass wer eine leidenschaftliche Liebe erlebt hat, sich nach diesem Gefühl sehnt, auch wenn der Schmerz des Verlustes sehr stark war. Wir fühlen uns lebendig, wenn wir intensive Emotionen spüren. Unbeschreibliche Gefühle vermischen sich mit sexueller Anziehungskraft, emotionaler Bindung, beidseitigem Kompromiss und einer Besessenheit, in der die Zuneigung dem „du und ich“ die höchste Bedeutung gibt.

Nichtsdestotrotz existieren Gefahren, die wir beachten sollten:

  • Das Anna-Karenina-Syndrom erleiden Personen, die mehr als das Verliebtsein erlebt haben. Dieses Syndrom kommt einer affektiven Zwangsstörung sehr nahe. Hierbei sind ein emotionales Ungleichgewicht und eine absolut grenzenlose Abhängigkeit sehr charakteristisch. Die Betroffenen sind sogar in der Lage, Freunde, Familie etc. zu verlassen, auf Hilfe und das eigene Ich zu verzichten, nur um bei der geliebten Person zu bleiben.
  • Diese Liebe macht nicht glücklich, sondert führt zu einer tiefen Traurigkeit, gerade weil die so sehr geliebte Person nicht immer an der Seite der Betroffenen sein kann, die misstrauisch sind und Angst haben, alleine gelassen zu werden und weil sie sich absolute Aufmerksamkeit von der geliebten Person erwarten.
  • Allmählich verlieren die Betroffenen so ihr Selbstwertgefühl, ihre Würde und ihr emotionales Gleichgewicht. Wer das Leben auf eine andere Person fixiert, zerstört sein eigenes. Nichts ist destruktiver.

2. Wie sollte mit leidenschaftlicher Liebe umgegangen werden?

Liebe

Jeder weiß, dass in der Anfangsphase einer Liebe, eine unbeschreibliche Leidenschaft erlebt wird. Trotzdem sollten einige Aspekte klar sein, um nicht in das Anna-Karenina-Syndrom zu verfallen.

Bedenke immer folgende Aspekte:

  • Suche niemals einen Lebenspartner, um Lücken zu füllen. Der Sinn des Lebens ist nicht nur unsere zweite Hälfte zu finden, sondern innerlich zu wachsen, Gleichgewicht zu finden, eine bestimmte Reife zu erlangen und in der Lage zu sein, alleine Glück zu finden und andere glücklich zu machen. Niemand kann unsere Lücken füllen oder unsere Ängste beseitigen. Es handelt sich einfach um eine bereichernde Zweisamkeit.
  • Vermeide eine einengende Verbindung, die dich nicht wachsen lässt, in der du deine Würde und vor allem dein Ich verlierst. Liebe bedeutet Stärke, Wachstum und Freiheit ohne Einschränkungen. Besessenheit ist nicht der richtige Weg, da du damit deine Freiheit einschränkst. In dem Moment, in dem die geliebte Person an erster Stelle und über allem steht, beginnt man, lebenswichtige Dinge zu verlieren, Hobbies, Freunde und sogar die eigenen Werte. Die Liebe wird zum Verhängnis. Anna Karenina verspürte eine so große Besessenheit, dass sie sogar ihren Sohn verließ, um ihrer Liebe zu folgen.
  • Blinde Liebe ist ein Fehler. Du solltest immer bewusst lieben, dein Herz öffnen und genau wissen, was du für den anderen tust und was für dich getan wird. Wirst du respektiert? Wirst du berücksichtigt? Ermöglicht die geliebte Person dein individuelles Wachstum innerhalb und außerhalb der Beziehung? Wahre Liebe ist nicht gleich Besessenheit. Wahre Liebe ist das tägliche Glücksgefühl, in dem beide Lebenspartner Probleme zu lösen wissen, in dem beide aufeinander hören, in dem der Kompromiss beidseitig respektiert wird, wo keine Eifersucht, Misstrauen oder sogar Erpressung exisitieren.

Bedenke immer: Es ist sehr leicht in das Anna-Karenina-Syndrom zu verfallen. Lebe deine Liebe mit voller Intensität, mit Leidenschaft, halte dabei jedoch immer die Augen offen.