Bipolare Störung Typ I: Was du darüber wissen solltest

Die bipolare Störung Typ I ist eine chronische psychiatrische Erkrankung, die den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen durch manische und depressive Episoden stark beeinträchtigt. 
Bipolare Störung Typ I: Was du darüber wissen solltest

Geschrieben von Daniela Echeverri Castro

Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2022

Die bipolare Störung Typ I, auch als Bipolar-I-Störung bezeichnet, ist durch manische und depressive Episoden gekennzeichnet, die sich abwechseln und zu mindestens einer stark ausgeprägten Depressionsphase führen.

Patienten, die an dieser psychiatrischen Erkrankung leiden, haben mindestens eine maniatische Episode experimentiert. In diesem veränderten emotionalen Zustand füheln sie sich euphorisch und voller Energie, was zu veränderten Verhaltensweisen führt, die den Alltag stark beeinträchtigen können.

Der ersten manischen Episode gehen häufig eine oder mehrere stark depressive Phasen voraus. Diese intensiven Gemütszustände haben einen sehr negativen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen und auf ihre persönlichen Beziehungen. Deshalb sind Selbstmordversuche keine Seltenheit. 

Doch zwischen den manischen und depressiven Phasen können viele Patienten mit einer bipolaren Störung des Typs I ein ganz normales Leben führen. Außerdem können die Symptome mit spezifischen Arzneimitteln und einer psychologischen Intervention kontrolliert werden.

Bipolare Störung Typ I: Ursachen

  • Nahe Familienmitglieder (Vater/Mutter oder Bruder/Schwester) mit bipolarer Störung
  • Traumatische Erfahrungen oder Missbrauch in der Kindheit
  • Konstante Stresssituationen
  • Missbrauch psychoaktiver Substanzen und alkoholischer Getränke
  • Kürzlicher Verlust einer nahe stehenden Person
  • Neurologische oder endokrine Abweichungen

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Frau hat bipolare Störung Typ I

Bipolare Störung Typ I: Symptome

Um von einer Bipolar-I-Störung zu sprechen und diese von anderen psychiatrischen Erkrankungen zu differenzieren, muss die betroffene Person mindestens eine manische Phase experimentiert haben, der eine hypomanische Episode oder eine starke Depression voranvorgeht. In manchen Fällen führt die Manie zu einem Realitätsverlust, zur Verzerrung der Realität oder zu einer Psychose. 

Symptome einer manischen Episode

Die Manie oder manische Episode ist durch starke innere Erregung, übersteigerte Aktivität und Unruhe gekennzeichnet Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Hypomanie, doch intensiver. Sie führen in der Regel zu Problemen bei sozialen und beruflichen Aktivitäten. 

Folgende Auswirkungen äußern sich in vielen Fällen:

  • Reduziertes Schlafbedürfnis
  • Maßloses Selbstwertgefühl
  • Episoden mit abnormalem Optimismus, Nervosität und Angespanntheit
  • Sehr viel Energie und übersteigerte Aktivität
  • Übertriebenes Wohlbefinden, Euphorie
  • Gesteigerte Kreativität und haltlose Ideen
  • Unhaltbares Kommunikationsbedürfnis
  • Impulsives und unvorsichtiges Verhalten
  • Riskantes Sexualverhalten
  • Missbrauch von Substanzen
  • Kompulsives Einkaufen

Symptome einer stark depressiven Episode

Die Symptome einer Depression können nach der manischen Phase auftreten. Manchmal vergehen dazwischen jedoch mehrere Wochen oder Monate. Um den depressiven Schub katalogisieren zu können, müssen die Symptome so ernst sein, dass offensichtliche Schwierigkeiten in alltäglichen Situationen vorliegen. Einige Beispiele dafür sind:

  • Depressiver Gemütszustand, konstante Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit
  • Notwendigkeit zu weinen
  • Verlust des Interesses für angenehme Aktivitäten
  • Starke Gewichtsschwankungen
  • Schlaflosigkeit oder erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Aufgregung oder langsames Verhalten
  • Chronische Erschöpfung
  • Gefühl der Nutzlosigkeit oder Schuld
  • Unentschiedenheit und Konzentrationsstörungen
  • Selbstmordgedanken

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Diagnose

Die ersten Schritte zur Diagnose einer bipolaren Störung des Typs I sind die physische Untersuchung und die klinische Analyse zur Identifizierung möglicher medizinischer Probleme, welche die Symptome auslösen könnten. Nach einer Befragung kann der Arzt folgende Untersuchungen als notwendig erachten:

  • Psychiatrische Bewertung: Analyse der Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, um herauszufinden, ob diese auf eine Bipolar-I-Störung hinweisen könnten. Möglicherweise ist außerdem eine Selbstbewertung oder das Ausfüllen eines Fragebogens nötig.
  • Psychiatrische Diagnose: Der Psychiater kann die Symptome des Patienten mit den Kriterien für eine bipolare Störung und damit zusammenhängenden Störungen vergleichen, die im DSM-5 von der American Psychiatric Association veröffentlicht wurden.

Bipolare Störung Typ I: Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer bipolaren Störung des Typs I erfolgt durch einen Facharzt (Psychiater), der ein spezifisches Interventionsprogramm erstellen kann, das die individuellen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt: 

Bipolare Störung Typ I: Behandlungsmöglichkeiten 

Das Behandlungsteam umfasst meist auch einen Psychologen, Sozialarbeiter und psychiatrische Pfleger. Die Medikamente und die Psychotherapie konzentrieren sich darauf, die Symptome zu kontrollieren und die Anzahl der Krisen zu reduzieren.

Arzneimittel

Um manische Episoden einer bipolaren Störung kontrollieren zu können, sind Medikamente erforderlich, die den Gemütszustand regulieren. Es kommen Antipsychotika, Antidepressiva und hypnotische Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine zum Einsatz. 

Psychotherapie

Die Psychotherapie ist ein Teil der Behandlung, um die bipolare Störung Typ I unter Kontrolle zu bringen. Diese kann individuell, mit der Familie oder in einer Gruppe erfolgen. Das Hauptziel ist, den Gemütszustand zu kontrollieren, doch diese Therapie hilft dem Betroffenen auch, seinen Alltag zu stabilisieren.

  • Interpersonelle Therapie (IPT): Damit lernt der Patient, die Kontrolle über seinen Gemütszustand zu übernehmen und den Alltag besser zu meistern.
  • Kognitive VerhaltenstherapieDamit werden negative Verhaltensweisen identifiziert, um Lösungen zu finden. Außerdem geht es in dieser Therapie auch darum, die Auslöser für die bipolaren Episoden herauszufinden.
  • Psychoerziehung: Die Psychoerziehung hilft den Patienten und deren Familien, diese Krankheit und ihre Auswirkungen besser zu verstehen.
  • Familientherapie: Die Unterstützung der Familie ist grundlegend, um Rückfälle zu verhindern. Außerdem können Familienangehörige frühzeitig Hinweise und Symptome erkennen, die auf veränderte Gemütszustände hinweisen.

Die Behandlung der Bipolar-I-Störung muss fortwährend sein, auch wenn die betroffene Person gerade eine asymptomatische Phase durchläuft. Die Medikamente müssen das ganze Leben lang eingenommen werden oder zumindest so lange, wie der Psychiater dies als notwendig erachtet. Außerdem ist es für Patienten vorteilhaft, gesunde Lebensgewohnheiten anzunehmen.

Die tägliche Schlafroutine, eine gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport helfen den Betroffenen, ihren Gemütszustand zu kontrollieren. Darüber hinaus ist es wichtig, dass sie sich von Alkohol und anderen Drogen fern halten. 


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