Auch Zuhören muss gelernt sein

4 Dezember, 2016
Zuhören bedeutet nicht, passiv dazusitzen, du darfst jedoch auch nicht versuchen, die Aufmerksamkeit auf dich zu lenken, wenn dir jemand seine Probleme erzählt.

Zuhören ist gar nicht so einfach. Es ist nicht damit abgetan, das Ohr hinzuhalten und so zu tun, als ob man aufmerksam und interessiert wäre. Die Realität schaut ganz anders aus.

Stell dir vor, dass eine Frau ihrer Freundin erzählt, dass sie am Vortag eine heftige Diskussion mit ihrer Mutter hatte.

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Die Frau ist besorgt, doch die Freundin nutzt nach ihren Worten die Gelegenheit, um eine eigene, ähnliche Erfahrung zu erzählen.

Hat sie wirklich zugehört? Nein, denn die Freundin hat die Sorgen der Frau verwendet, um ihre eigene Erfahrung loszuwerden und so die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. 

Sie hat ihrer Freundin nicht wahrlich und interessiert zugehört.

Fehler beim Zuhören anderer

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Vielleicht kommen jetzt Zweifel in dir auf. Weiß ich wirklich, wie man jemandem zuhören kann? Ich war zumindest davon überzeugt, doch jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. 

Deshalb nennen wir anschließend die wichtigsten Fehler, die sehr häufig begangen werden, wenn man jemandem zuhört.

Den ersten haben wir eingangs schon kurz erwähnt. Jemand, der seine eigenen Erfahrungen oder Sorgen erzählt und die Aufmerksamkeit auf sich selbst lenkt, ist keine guter Zuhörer.

Der zweite Fall ist etwas drastischer, denn dabei wird das Thema rasch gewechselt: Deine Freundin erzählt dir über ihre Diskussion mit ihrer Mutter und du erkundigst dich als Antwort darauf, wie ihr gestriger Arbeitstag war.

Der dritte häufige Fehler besteht darin, der besorgten Person mit Sätzen wie „mach dir keine Sorgen“, „das ist doch Blödsinn“ oder „es wird schon vorbeigehen“ zu antworten.

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Ein häufiger Fehler ist auch, der betroffenen Person zu sagen, was sie tun sollte, ihr Ratschläge oder Lösungen zu geben, die sie umsetzen kann oder nicht.

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In all diesen Fällen wird der Person nicht richtig zugehört, sondern die Situation genutzt, um von sich selbst zu sprechen. 

Sorgen anderer umgehen

Diese Realität kann uns glauben machen, dass wir egoistisch sind und nicht wissen, wie wir anderen zuhören können, denn in Wahrheit wollen wir nur über uns selbst sprechen.

Zuhören ist ein Prozess, der große Aufmerksamkeit erfordert, dabei muss man versuchen, die Sorgen des Gesprächpartners zu verstehen und nicht auf eigene persönliche Erfahrungen oder Leiden zu sprechen kommen.

Auch wenn du der anderen Person sagst, was sie tun soll, drängst du ihr damit deinen eigenen Standpunkt auf. 

Natürlich kannst du deine Meinung zum Thema äußern, du solltest der Person jedoch nicht sagen, wie sie sich verhalten oder mit jemandem sprechen sollte, denn es geht nicht um dich. Du möchtest damit deine eigene Präsenz über die andere Person ausdrücken.

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Du möchtest dich selbst in den Vordergrund stellen, dein eigenes Ego kommt ans Tageslicht, wenn du dem Gesprächspartner nicht richtig zuhörst.

Auch wenn dies nicht einfach zu akzeptieren ist: Du umgehst damit die Sorgen des anderen.

Lerne zuzuhören

Du kennst jetzt die häufigsten Fehler beim Zuhören, wichtig ist jedoch zu lernen, wie man sich in einem Gespräch richtig verhalten kann.

Beachte folgende Schlüssel, um deinem Gesprächspartner aufmerksam und interessiert zuzuhören:

  • Schlage nie Lösungen vor: Wie bereits erwähnt, ist es nicht positiv, anderen Lösungen zu geben oder ihnen zu sagen, wie sie sich verhalten sollten.

Du kannst deinem Gesprächspartner jedoch Fragen stellen und diesen damit einladen, nachzudenken und eigene Entscheidungen zu treffen. Das ist die beste Art, jemandem ehrlich zuzuhören.

  • Vertiefe das Thema: Wenn du tatsächlich zuhörst, stelle Fragen, die dein Interesse bezeugen, damit dir dein Gesprächspartner mehr über seine Sorgen erzählt.

Fragen wie „Was denkst du darüber?“, „Was wirst du tun?“ sind nur zwei kleine Beispiele, um den Gedankenfluss anzuregen.

  • Vermeide es, über dich selbst zu sprechen: Konzentriere dich auf dein Gegenüber, darauf was dir die betroffene Person mitteilen möchte und vermeide es, von dir selbst zu sprechen, außer wenn dich dein Gesprächspartner direkt über eine von dir gelebte Situation fragt. 
  • Miss der Angelengenheit die notwendige Wichtigkeit bei: Auch wenn es sich um etwas Banales zu handeln scheint, ist dein Gesprächspartner darüber besorgt, du solltest das Thema deshalb nicht bagatellisieren. Für die Person, die darüber sprechen möchte, handelt es sich um ein wichtiges Thema.
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Diese einfachen Tipps können dir helfen, jemandem ehrlich und aufmerksam zuzuhören, ohne dabei an dich selbst zu denken.

Zuhören ist kein passives Verhalten, du musst dabei aktiv sein und dich auf deinen Gesprächspartner konzentrieren. Zuhören muss gelernt sein!

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