Abulie – Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Abulie ist gekennzeichnet durch Gefühle der Apathie und Motivationslosigkeit, während auch die Sprache der betroffenen Person dies zum Ausdruck bringt. Der Patient hat keine Lust, etwas zu tun, was wiederum ein Anzeichen für eine beginnende Depression sein kann.
Abulie – Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Letzte Aktualisierung: 23. August 2021

„Mir fehlt die Energie, etwas zu tun“, „Ich habe kein Interesse an irgendetwas“, „Ich versuche es, aber ich kann nicht“. Dies alles sind Sätze, die Patienten in Therapiesitzungen häufig äußern. Oft stehen solche Äußerungen im Zusammenhang mit einer Abulie.

Die Abulie äußert sich in Form einer extremen Apathie und einem Mangel an Interesse, Willen und Energie, um irgendeine Aktivität auszuführen. Je nach Einzelfall kann sie eine relativ einfache Ursache haben oder auf etwas Komplexeres zurückzuführen sein.

Symptome, die im Zusammenhang mit einer Abulie auftreten

Einige der Symptome, die auf eine Abulie hinweisen, sind die folgenden:

  • Fehlende Motivation und mangelndes Interesse an der Teilnahme an Aktivitäten, sowohl an solchen, die mehr Spaß machen, als auch an solchen, die eher Routine sind, wie zum Beispiel Arbeit oder Schule.
  • Verlust der Fähigkeit, Freude zu empfinden.
  • Die Erkenntnis, dass es Dinge gibt, die getan oder zumindest begonnen werden müssen, aber die Betroffenen gehen diesen nicht nach. Die Abulie führt somit dazu, die Dinge aufzuschieben.
  • Der Interessenverlust zeigt sich auch auf Beziehungsebene. Somit kommt es zu Kommunikationsschwierigkeiten (keine Interaktion, einsilbige Antworten, ein Dialog wird nicht aufgenommen oder fortgesetzt). Darüber hinaus kann auch das Interesse an Sex abnehmen oder gar ganz verschwinden.
  • Die Betroffenen vernachlässigen die Körperpflege oder geben sie ganz auf.
  • Emotionale Abgestumpftheit: Gleichgültigkeit oder Schwierigkeiten, auf Situationen zu reagieren, die man erlebt.
  • Langsame Bewegungen oder motorische Hemmungen.

Die Schwere der Symptome sind hier ausschlaggebend. Das Vorhandensein an sich muss nicht unbedingt auf ein Problem hindeuten, da die meisten Menschen hin und wieder Schwierigkeiten mit der Motivation haben oder über weniger Energie verfügen, um Aktivitäten auszuführen. Es wird jedoch dann zu einem Problem, wenn diese Symptome für längere Zeit andauern.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Abulie bei Stimmungsstörungen wie einer Dysthymie oder Depression häufig auftritt.

Die Abulie tritt häufig bei Stimmungsstörungen auf
Die Abulie kann ein Symptom einer depressiven Episode und ein Zeichen für eine Stimmungsstörung sein.

Was sind die Ursachen?

Wie bei fast allen Themen oder Problemen in der Psychologie gibt es keine einheitliche Ursache. Im Gegenteil, denn es kommt ganz darauf an, um welche Störung es sich handelt.

In bestimmten Fällen können neuroendokrine Veränderungen (aufgrund einer erhöhten Cortisolproduktion) eine Ursache sein. Auf neurologischer Ebene verweisen einige Forschungsergebnisse auf strukturelle oder funktionelle Probleme in verschiedenen Bereichen des Gehirns, wie etwa Läsionen in den Basalganglien.

Bei Stimmungsstörungen wie Depressionen ist bekannt, dass Veränderungen der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin die Motivation beeinflussen. Daher besteht eine Behandlungsoption darin, das Symptom mit Antidepressiva zu behandeln.

Die Abulie kann aber auch in Verbindung mit psychologischen oder psychosozialen Faktoren auftreten, beispielsweise im Falle von langanhaltenden und intensiven Stresssituationen oder traumatischen Erlebnissen.

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Wie wird die Abulie diagnostiziert?

Angesichts der Komplexität des Phänomens und der vielfältigen möglichen Ursachen sollte die Diagnose einer Abulie eine gründliche Untersuchung beinhalten, die neurobiologische und psychologische Faktoren berücksichtigt.

Es ist wichtig, verschiedene individuelle Aspekte zu berücksichtigen, die Lebensgeschichte des Patienten zu bewerten und alle negativen Ereignisse zu berücksichtigen, die sich auf den Patienten auswirken können. Es ist auch wichtig zu überlegen, ob soziale Faktoren die Abulie ausgelöst haben oder sie verlängern.

Bei Verdacht auf eine Abulie sind Gespräche mit dem Patienten von größter Bedeutung, aber auch die Aussagen von Familienmitgliedern können hilfreich sein. Daher muss der Therapeut so viele Informationen wie möglich sammeln, um einen passenden Therapieplan erstellen zu können.

Verfügbare Behandlungen

Die Behandlung hängt stark von der Diagnose ab. Wie bereits zuvor erwähnt, kann Abulie ein Symptom verschiedener Störungen sein. In der Regel und wenn es als notwendig erachtet wird, kann eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten empfohlen werden.

Was die Art der Therapie angeht, so ist die kognitive Therapie, obwohl es viele verschiedene Therapieformen gibt, eine der am häufigsten verwendeten. Sie konzentriert sich auf die Anpassung der Überzeugungen und Gedanken, die der Patient über sich selbst und seinen aktuellen Zustand haben kann. Ebenso ist die Verhaltensaktivierung eine weitere typische Behandlung.

Darüber hinaus ist auch die Psychoedukation sehr wichtig, sowohl um dem Patienten zu helfen, das Problem zu verstehen, als auch um den Patienten zum Hauptakteur seiner eigenen Veränderung zu machen. Auf diese Weise können die Betroffenen Maßnahmen zur Selbstfürsorge ergreifen und ihre Lebensqualität Schritt für Schritt verbessern.

Tipps, die verhindern können, dass die Abulie das Leben der Betroffenen übernimmt

Eines der größten Probleme, die mit der Abulie einhergehen, ist der Teufelskreis, der sich oft entwickelt. Wenn die Person beispielsweise das Interesse an ihren Beziehungen verliert, wird sie entmutigt, was die Abulie jedoch nur weiter verstärkt. Kleine Schritte können helfen, diese Spirale zu durchbrechen.

Um Hilfe zu bitten, ist für Menschen, die an Abulie leiden, bereits eine Herausforderung. Im Allgemeinen stellen Apathie, ein geringes Selbstwertgefühl und die emotionale Hemmung Hindernisse für eine Besserung der Betroffenen dar.

1. Kleine Erfolge feiern

Für Menschen mit Abulie ist alles, egal wie klein es erscheinen mag, eine schwierige Aufgabe. Deshalb sollte jeder, der den Betroffenen helfen möchte, versuchen, sie schrittweise in kleine, realistisch umsetzbare Aktivitäten einzubeziehen.

Lade sie beispielsweise dazu ein, tagsüber einen 30-minütigen Spaziergang zu machen. Wenn sie dies schaffen, sollte die Leistung anerkannt und entsprechend gewürdigt werden, um sie weiter zu motivieren und zu unterstützen, so dass sie sich weiter in die richtige Richtung bewegen.

Die Unterstützung durch andere ist für Menschen mit Abulie von großer Bedeutung
Für Menschen mit Abulie ist die Unterstützung anderer der Schlüssel. Wenn wir ihre Erfolge feiern und sie bei bestimmten Aktivitäten begleiten, können wir dadurch ihr Interesse wecken.

2. Führe neue Gewohnheiten ein

Es ist ebenfalls wichtig, sich auf gute Gewohnheiten zu konzentrieren, wie beispielsweise eine ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität und eine gesunde Schlafhygiene. In der Psychotherapie wird in der Regel mit der Programmierung täglicher Aktivitäten als Interventionstechnik gearbeitet. Das bedeutet, dass der Patient jedes Mal, wenn er etwas geschafft hat, eine Bestärkung erhält.

3. Ermutige und begleite sie bei der Durchführung von Aktivitäten

Menschen mit Abulie möchten an keiner Aktivität teilnehmen, da sie keine Motivation haben. Ihre Mitmenschen können sie jedoch ermutigen, Vorschläge anzunehmen, auch wenn sie das Gefühl haben, keine Energie zu haben. Auf diese Weise ist es einfacher, die Situation anzugehen und ihnen zu helfen, ihr Interesse wiederzugewinnen.

Familie und Angehörige können helfen, indem sie ihre emotionale Unterstützung anbieten, die soziale Interaktion der Betroffenen fördern, sie ermutigen, zu sprechen und ihre Emotionen und Gefühle auszudrücken.

Im Rahmen der Genesung beziehen Pläne in der Regel nicht nur den Therapeuten und den Patienten mit ein, sondern auch dessen Familie.

Die Abulie kann nicht über Nacht geheilt werden

Es erfordert viel Geduld, an der Überwindung der Abulie zu arbeiten. Die Schritte mögen klein sein, aber sie zu gehen und sich zu bewegen, ist ein großer Erfolg.

Realistische Ziele zu setzen ist der Schlüssel jeder Behandlung, um Frustration zu vermeiden. Ebenso wichtig sind jedoch auch ein unterstützendes Umfeld und Menschen, die die Betroffenen auf dem Weg zur Besserung begleiten können, denn die Isolation verschlimmert diesen Zustand nur noch weiter.

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