Der Schlüssel zum Glück laut der Wissenschaft

27 Januar, 2021
In absoluten Ausnahmesituationen können Momente des emotionalen Wohlbefindens uns dabei helfen, den Lockdown besser zu bewältigen. Im folgenden Artikel geben wir Ihnen einige Tipps, damit Sie den wissenschaftlich bestätigten Schlüssel zum Glück erkennen können.

Den Schlüssel zum Glück gibt es tatsächlich, die Wissenschaft ist davon überzeugt. Dafür gibt es immer mehr Beweise. Obwohl dies noch ein relativ junges Forschungsgebiet ist, wurden bereits zahlreiche Forschungsergebnisse veröffentlicht. Diese haben ergeben, dass der Mensch imstande ist, auch unter schwierigen Lebensumständen glücklich zu sein.

Wir können uns in Zeiten von Covid-19 definitiv sehr weit weg vom Schlüssel zum Glück fühlen. Doch auch in den kompliziertesten Situationen im Leben können wir Momente erleben, in denen wir unser Dasein genießen und uns dem Schlüssel zum Glück näher fühlen.

Was ist eigentlich Glück?

Glück ist ein abstraktes Konzept, mit dem sich Forscher seit Jahrzehnten beschäftigen. Jeder einzelne von ihnen hat seine eigene Definition, sodass es eine Vielzahl davon gibt.

Einige konzentrieren sich auf das Erleben positiver Emotionen und Zustände. Andere hingegen beschäftigen sich mehr mit dem Gleichgewicht zwischen Glück und dem Ausbleiben von Angst oder Unglück.

Eine sehr interessante Sicht ist die des Ingenieurs Mo Gawdat. Dieser ehemalige Google Mitarbeiter erlebte eine besonders schwierige Situation: Sein Sohn starb während einer Blinddarmoperation aufgrund ärztlicher Fahrlässigkeit.

Als Ergebnis seines eigenen Leids, stellte Gawdat eine mathematische Formel auf, um unser Unglück zu erklären. Laut seinem Ansatz war Glück gleichbedeutend mit den Ereignissen unseres Lebens abzüglich unserer Erwartungen an den Verlauf dieser Ereignisse. 

Das bedeutet, dass wir leiden, wenn wir das, was passiert, ablehnen. Nur weil wir denken, dass es anders sein sollte. Beispielsweise leiden in der aktuellen Lockdown Situation die Menschen, die sich weigern, die angeordneten Maßnahmen zu befolgen, viel mehr als diejenigen, die diese schlichtweg akzeptieren.

Das Gleiche gilt auch für jede andere schwierige Situation im Leben: Nicht zu akzeptieren, dass unser Partner uns verlassen hat, ein Abschied oder eine Kündigung, eine Krankheit oder der Tod eines geliebten Menschen verwandeln den Schmerz selbst in eine extreme Qual. Etwas, das uns zweifellos vom wissenschaftlichen Schlüssel zum Glück entfernt.

Schlüssel zum Glück
Wenn wir die Ereignisse, die uns widerfahren, ablehnen oder Widerstand leisten, weil wir denken, dass es anders sein müsste, leiden wir.

Die wissenschaftliche Wirkung vom Glücklichsein

Nach Barbara Fredricksons Theorie der Expansion und Konstruktion (1998, 2001) ermöglicht das Erleben positiver Emotionen flexiblere Verhaltensweisen und hilft uns dabei, ein größeres Repertoire an unterschiedlichen Verhaltensweisen zu haben. Dadurch sind wir besser imstande, uns an unsere Umwelt anzupassen und können in verschiedenen Lebensbereichen besser funktionieren.

Einige Auswirkungen vom Erleben positiv empfundener Zustände sind folgende:

  • unsere Gedanken sind kreativer
  • wir sind toleranter uns selbst und anderen gegenüber
  • unsere Reaktionen sind angemessener
  • wir können besser mit negativen Emotionen umgehen
  • wir sind altruistischer
  • körperlichen Schmerz können wir besser aushalten
  • wir sind belastbarer im Umgang mit schwierigen Situationen

Erfahre mehr: Glücklich sein ist keine Utopie: Reflexionen über den Glückszustand

Positive Emotionen haben einen starken Puffereffekt auf Stress (Fredrickson, Mancuso, Branigan, & Tugade, 2000), wie diverse Laborstudien, beispielsweise zur kardiovaskulären Reaktivität, gezeigt haben (Fredrickson & Levenson, 1998).

Außerdem hat die Wissenschaft herausgefunden, dass sich positive und negative Emotionen nicht ausschließen, sondern relativ unabhängig voneinander sind (Avia und Vásquez, 1998). So können wir in positiv erscheinenden Situationen trotzdem negative Emotionen empfinden. Auch umgekehrt ist dies möglich, sodass wir in besonders schwierigen Momenten, wie einer traumatischen oder angsterfüllten Situation, positive Emotionen empfinden können.

Wie lautet der Schlüssel zum Glück laut der Wissenschaft?

Obwohl wir unser ganzes Leben lang schwierige Situationen erleben, können wir viel tun, um diesem Leiden zu entkommen. Im folgenden Beitrag geben wir Ratschläge, wie man laut der Wissenschaft glücklicher wird.

Dankbarkeit

Dankbar zu sein für all das Positive, das uns widerfährt, ist definitiv empfehlenswert in unserem alltäglichen Leben. Es ist umso wichtiger, desto schwieriger die Situation ist, in der wir uns befinden.

Studien zeigen, dass es eine Verbindung zwischen Dankbarkeit und prosozialem Verhalten, positiven Emotionen, Zufriedenheit im Leben, Optimismus, Hoffnung, Vitalität und subjektiver Wahrnehmung des Glücks gibt (McCullough, Emmons und Tsang, 2002).

Darüber hinaus ist Dankbarkeit mit einem geringeren Risiko verbunden, psychische Störungen wie Depressionen, Angstzustände oder Substanzkonsum zu entwickeln (Bono und McCullough, 2006).

Daher kann in Krisenzeiten und schwierigen Momenten das Integrieren von Dankbarkeit in unser alltägliches Leben eine deutliche Verbesserung unseres emotionalen Zustands bewirken.

Schlüssel zum Glück
Mit Dankbarkeit wird ein geringeres Risiko in Verbindung gebracht, an Depressionen, Angstzuständen, Substanzkonsum oder anderen psychischen Störungen zu erkranken.

Der Schlüssel zum Glück: Humor

Dem Sinn für Humor werden viele psychologische Vorteile zugeschrieben, wie zum Beispiel Gefühle und Zustände der Freude, des Wohlbefindens, Zufriedenheit, Stressabbau sowie Vorbeugung von Depressionen.

Er hat auch wichtige körperliche Einflüsse, wie eine höhere Schmerztoleranz und ein besseres Immun- und Herz-Kreislauf-System. Auf der sozialen Ebene verbessert Humor unsere Kommunikation mit anderen und trägt zu gesellschaftlicher Harmonie bei.

Daher ist es wichtig, etwas Ablenkung durch humorvolle Momente in unseren Alltag einzubauen. Unsere Lieblingsserie weiterschauen, nochmal den Film ansehen, bei dem wir nicht aufhören können zu lachen, einen witzigen Podcast hören oder ein Kapitel in einem Buch lesen, das uns lächeln lässt – all das können große Hilfen sein.

Musik

Das Journal of the American Medical Association veröffentlichte Ergebnisse einer Musiktherapie-Studie, die 1996 in Austin durchgeführt wurde. Darin wird berichtet, dass die Stimulierung durch Musik die Freisetzung von Endorphinen erhöht und den Bedarf an Medikamenten reduziert.

Endorphine wirken auf unser zentrales Nervensystem, um uns zu motivieren und mit Energie zu versorgen. Dies hilft uns dabei, glücklicher und optimistischer zu sein.

Wir können zum Beispiel eine Playlist mit unseren Lieblingsliedern erstellen, die uns motiviert während wir Sport machen oder putzen. Eine alltägliche Dosis an fröhlicher Musik sorgt zweifellos dafür, dass wir uns besser fühlen.

Der Schlüssel zum Glück: Achtsamkeit

Achtsamkeit bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein. Dies geschieht, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf diejenige Aktivität richten, die wir gerade durchführen. So fällt es uns leichter, uns nicht so sehr von negativen Gedanken beeinflussen zu lassen, die uns vielleicht durch den Kopf gehen.

Um Achtsamkeit zu üben müssen wir kein Zen-Meister sein. Wir müssen uns nur so gut wie möglich auf das konzentrieren, was wir gerade tun. Schauen wir uns ein Beispiel an:

  • Wenn wir Lebensmittel zubereiten, besteht die Idee darin, uns darauf zu konzentrieren, was wir gerade tun: Die Nahrungsmittel anzuschauen, die Struktur mit den Fingerspitzen zu fühlen, den Geruch, den sie verströmen oder das Geräusch, das sie erzeugen, wenn wir sie berühren, wahrzunehmen oder zu beobachten, wie sich die Konsistenz beim Kochen verändert.

Die Praxis der Achtsamkeit kann auf fast alle Aktivitäten im Alltag angewandt werden und ist laut verschiedener Studien ein interessantes Werkzeug, um Ängste zu reduzieren.

Angenehme Aktivitäten

Ohne die neuronalen Mechanismen des Motivations- und Belohnungssystems wäre unsere Spezies verhungert und hätte sich nicht erhalten können. Wenn uns etwas Freude bereitet, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir es wieder tun.

So können wir zahlreichen Aktivitäten nachgehen, die uns Freude bereiten: Ein heißes Bad nehmen, wenn uns kalt ist oder eine erfrischende Dusche, wenn es warm ist, etwas Neues lernen, singen, schreiben oder malen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Aktivitäten, die für uns etwas Positives haben, aktivieren einen Schaltkreis von Neuronen, die ein Gefühl von Freude erzeugen und unseren Stresslevel bedeutend reduzieren. Daher ist es gerade in schwierigen Momenten wichtig, sich am Tag Zeit für genau diese Aktivitäten zu nehmen.

Schlüssel zum Glück: einen ruhigen Nachmittag genießen
Öfter Dingen nachzugehen, die uns Freude bereiten, steigert auch unser Wohlbefinden und Glücksgefühl.

Der Schlüssel zum Glück: Aktivitäten planen

Wie Eduardo Punset in seinem Buch El viaje a la felicidad (übersetzt: Die Reise zum Glück) bemerkt, übersteigen die Erwartungen an eine erhoffte Situation bei weitem das Glück des Ereignisses selbst. Mit anderen Worten: Das wirkliche Glück versteckt sich im Warteraum des Glücks.

Dies ist auf etwas zurückzuführen, was Wissenschaftler den Schaltkreis der Belohnung nennen. Dieser Schaltkreis, der die Quellen der Freude und des Glücks alarmiert, wird insbesondere während der Suche aktiviert und weniger während der Situation an sich – anders als man erwartet. Dopamin wird allein durch die Aussicht auf Freude ausgeschüttet, selbst, wenn die Situation sich später nicht ereignet. 

So bereitet uns der Gedanke daran, unser Lieblingseis zu essen, unseren Traumjob zu bekommen, einen idyllischen Urlaub zu planen, ein Gespräch mit einer Person, die wir gern haben, zu führen, oft eine größere Freude als die Situation selbst.

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Der Schlüssel zum Glück laut der Wissenschaft: Was wir wissen müssen

Eine positive Stimmung in einer schwierigen Situation zu erzeugen, ist keine leichte Aufgabe. Wenn wir uns jedoch an die oben beschriebenen Maßnahmen halten, können wir uns dem Gefühl des Wohlbefindens bedeutend nähern. 

Wir müssen uns daran erinnern, dass die meisten negativen Emotionen eine Funktion erfüllen und einen Grund haben. Sie würden nicht existieren, wenn sie im Laufe der Evolution keinen Zweck erfüllt hätten. Wichtig ist, darauf zu hören, was sie uns vermitteln wollen, um sie zu verstehen, weiterzugeben und schließlich hinter uns zu lassen.

Manchmal verschwinden diese negativen emotionalen Zustände jedoch nicht so einfach. Selbst wenn wir alle in diesem Artikel beschriebenen Verhaltensweisen und andere, die wir kennen, befolgen, wie zum Beispiel körperliche Aktivität, Lesen oder ein Gespräch mit einem guten Freund, bleibt das negative Gefühl bestehen.

Wenn wir also trotz aller Bemühungen das Gefühl haben, dass uns die negativen Emotionen überwältigen und wir nicht wissen, wie wir uns verhalten sollen, ist es wichtig, einen Spezialisten zu konsultieren. Ein auf solche Fälle spezialisierter klinischer oder auch Gesundheitspsychologe kann uns helfen, Leid und Schmerz zu vermeiden.

  • Armero, Montse (2019). Aprendiendo a vivir. Uno Editorial.
  • Carbelo, Begoña & Jáuregui, Eduardo (2006). Emociones positivas: humor positivo. Papeles del Psicólogo, vol. 27, núm. 1, enero-abril, 20, pp. 18-30.
  • Punset, Eduard (2005). El viaje a la felicidad: las nuevas claves científicas. Ediciones Destino.
  • Moyano, Natalia. Gratitud en la psicología positiva. Psicodebate 10. Psicología, cultura y sociedad, pp. 103-118.
  • Vázquez, Carmelo; Hervas, Gonzalo, & Ho, Samuel M. Y. (2006). Intervenciones clínicas basadas en la Psicología Positiva: Fundamentos y aplicaciones. Psicologia Conductual, vol. 14, pp. 401-432.