Zwanghafte Persönlichkeit: 4 Merkmale

Eine zwanghafte Persönlichkeit, das bedeutet, übermäßig starr und unflexibel zu sein, kann dir in jedem Bereich deines Lebens Probleme bereiten. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren.
Zwanghafte Persönlichkeit: 4 Merkmale

Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2021

Manche Menschen sind spontaner, extrovertierter und lieben es zu improvisieren, während andere ernsthafter, formeller und organisierter sind. Und dann gibt es diejenigen, die zwanghafte Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Eine zwanghafte Persönlichkeit ist durch einen zu starren und unflexiblen Charakter gekennzeichnet, was in der Regel zu sozialen Konflikten und persönlichem Unwohlsein führt.

Der Begriff “Zwang” (oder Obsession) hat viele verschiedene Bedeutungen und es gibt Situationen, in denen er überhaupt nicht zutreffend ist. Zum Beispiel wird jemand, der sich intensiv auf eine Idee, eine Aktivität oder eine Beziehung konzentriert, oft als “zwanghaft” oder “von etwas besessen” beschrieben. Allerdings ist dies weit von dem entfernt, was der Terminus im klinischen Umfeld impliziert.

Die zwanghafte Persönlichkeit

Wenn ein Mensch eine zwanghafte Persönlichkeit hat, wird dies auch als zwanghafte Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Das Hauptmerkmal ist ein stabiles und anhaltendes Muster von Gedanken, Emotionen und Handlungen, das von Starrheit, Perfektionismus und dem Bedürfnis nach Kontrolle gekennzeichnet ist.

Es handelt sich um eine Persönlichkeitsstörung. Daher treten die oben genannten Merkmale in jedem Lebensbereich einer davon betroffenen Person auf, sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Bereich.

Die Merkmale einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung

Eine zwanghafte Persönlichkeit manifestiert sich in einer Reihe identifizierbarer Merkmale. Allerdings sind diese Verhaltensweisen manchmal auf einem niedrigeren Niveau vorhanden, das die diagnostischen Kriterien nicht erfüllt. Dennoch führen auch diese Züge zu vielen der Beeinträchtigungen, die diese Störung mit sich bringt.

Zwanghafte Persönlichkeit - Eine Frau, die mit einer Lupe nach Schmutz sucht.
Eine zwanghafte Persönlichkeit führt zu zwanghaften Verhaltensmustern. Infolgedessen kann das Verhalten einer betroffenen Person zu Problemen im täglichen Leben führen.

1. Übertriebene Organisation

Organisiert zu sein ist hilfreich, wenn es darum geht, Aufgaben und Pflichten zu erfüllen. Wenn du gut organisiert bist, verschaffst du dir Zeit in deinem vollen Terminkalender. Wenn jemand allerdings eine zwanghafte Persönlichkeit hat, treibt dieser Mensch das Ganze auf die Spitze und ist dennoch unproduktiv.

Diese Menschen verbringen beispielsweise viel Zeit damit, Terminpläne auszufüllen, Zeitpläne zu erstellen und sich Erinnerungshilfen zu setzen. Gleichzeitig vernachlässigen sie aber die wesentlichen Aufgaben.

2. Ein zwanghafte Persönlichkeit ist extrem perfektionistisch

Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung streben in allem, was sie tun, nach Perfektion und erlauben sich keinen Spielraum für Fehler. Das führt dazu, dass sie Tätigkeiten unter großem Druck ausführen.

Aus diesem Grund verschieben sie häufig die Erledigung der schwierigsten Aufgaben auf einen späteren Zeitpunkt. Außerdem neigen sie dazu, immer wieder nach Fehlern zu suchen, was es ihnen oft unmöglich macht, Fristen einzuhalten.

3. Inflexibilität

Diese Menschen brauchen klare und präzise Regeln, an die sie und alle anderen sich halten müssen. Sie sind sachlich (bei der Arbeit), sozial und moralisch, so dass sie im Umgang mit Kollegen, Verwandten und Bekannten häufig kompromisslos sind.

Außerdem glauben sie, dass andere ihren hohen Ansprüchen nicht gewachsen sind und überfrachten sich deshalb mit Aufgaben. Darüber hinaus sind sie der Meinung, dass jede freiwillige oder unfreiwillige Verfehlung gemeldet und bestraft werden muss.

4. Eine zwanghafte Persönlichkeit ist durch reduzierten emotionalen Ausdruck gekennzeichnet

Eine zwanghafte Persönlichkeit ist gekennzeichnet durch förmliche, ernsthafte und höfliche Interaktionen mit anderen. Infolgedessen ist der emotionale Ausdruck dieser Menschen eingeschränkt. Darüber hinaus kann es sein, dass sie sich mit den spontanen emotionalen Äußerungen anderer unwohl fühlen.

Wie entwickelt sich eine zwanghafte Persönlichkeit?

Bei der Entstehung einer zwanghaften Persönlichkeit kommen sowohl genetische Faktoren als auch Umweltelemente zusammen. So hängt sie neben der biologischen Erbanlage auch mit dem Erziehungsstil, den Kindheitserfahrungen und der Kultur zusammen, in der die Person aufwächst.

Eine autoritäre und kontrollierende Erziehung kann die Entwicklung dieser Eigenschaften bei einer Person beeinflussen. Diese Menschen verhalten sich auf zwanghafte Weise, um Strafe zu vermeiden, auch als Erwachsene. Überfürsorge und Überbehütung durch die Eltern ist ebenfalls ein wichtiger Einflussfaktor. Diese Eltern erlauben dem Kind nicht, Dinge selbst auszuprobieren und eigene Fehler zu machen. Infolgedessen verinnerlicht das Kind schließlich die Idee, dass es nach Perfektion streben muss.

Darüber hinaus können auch Gesellschaften, in denen strenge und verbindliche moralische Standards gelten (beispielsweise religiöse) zum Auftreten derartiger Symptome führen.

Eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung überwinden

Zuerst einmal muss sich der Betroffene seines Zustandes bewusst sein. Das heißt, die Person muss erkennen, dass diese Denk- und Verhaltensmuster schädlich sind. Nur dann kann die Behandlung einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung erfolgreich sein.

Darüber hinaus ist professionelle Unterstützung erforderlich, damit die Betroffenen den Ursprung ihrer Persönlichkeit verstehen und verändern können.

In diesem Kontext ist die Exposition eine der effektivsten Techniken. Hierbei muss sich der Betroffene bestimmten Situationen stellen, in denen er (oder sie) sich unflexibel verhalten würde, um solche Reaktionen zu vermeiden. Entspannungstechniken und Problemlösungstraining sind ebenfalls wirksam.

Zwanghafte Persönlichkeit versus Zwangsstörung
Wiederkehrende Gedanken verwandeln sich in sich wiederholende Handlungen, wodurch soziale Beziehungen beeinträchtigt werden.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung versus Zwangsstörung

Es ist wichtig, diese beiden Störungen voneinander zu unterscheiden. Obwohl beide häufig gleichzeitig auftreten, handelt es sich dennoch um zwei verschiedene Störungen.

Die zwanghafte Persönlichkeit ist eine Persönlichkeitsstörung. Im Gegensatz dazu ist eine Zwangsstörung eine Angststörung. Das Hauptmerkmal der Zwangsstörung ist das Vorhandensein von Obsessionen (intrusive Gedanken) und Zwängen (Verhaltensweisen, die darauf abzielen, die Belastung durch solche Gedanken zu beseitigen).

Aber diese Aspekte sind nicht Teil einer zwanghaften Persönlichkeit. Darüber hinaus werden solche Gedanken von Menschen mit Zwangsstörungen als unangemessen und widersprüchlich erlebt, während sie bei Personen mit einer zwanghaften Persönlichkeit real, kohärent und akzeptabel sind.

Zwanghafte Persönlichkeit – abschließende Gedanken

Einige der Züge der zwanghaften Persönlichkeit werden in der heutigen individualistischen und wettbewerbsorientierten Gesellschaft geschätzt und honoriert. Wenn diese jedoch ins Extreme getrieben werden, können sie zu emotionalem Unbehagen und Problemen in Beziehungen mit anderen führen.

Wenn du das Gefühl hast, dass deine starre Haltung deine Entwicklung als Person einschränkt, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Es könnte dich interessieren ...
Medikamentöse Behandlung von Zwangsstörungen
Besser Gesund LebenLies auch diesen Artikel bei Besser Gesund Leben
Medikamentöse Behandlung von Zwangsstörungen

Zwangsstörungen (kurz OCE aus dem Englischen Obsessive-compulsive disorder) sind sehr häufig auftretende psyschische Störungen



  • Caballo, V. E. (2001). Tratamientos cognitivo-conductuales para los trastornos de la personalidad. Psicología Conductual9(3), 579-605.
  • Barrionuevo, B. J. (2020). Caso de trastorno de personalidad obsesivo compulsivo y modelo cognitivo conductual. Recuperado abril, 2021 de http://repositorio.utmachala.edu.ec/bitstream/48000/15224/1/ECFCS-2020-PSC-DE00002.pdf
  • Sanz, P., & Fernández-Cuevas, A. (2015). Trastorno obsesivo compulsivo. Medicine-Programa de Formación Médica Continuada Acreditado11(84), 5008-5014.