Wissenswertes über epileptische Anfallsarten

6 Januar, 2020
Es gibt verschiedene Arten epileptischer Anfälle, die sich außerdem bei jeder Person unterschiedlich auswirken. Erfahre in unserem heutigen Artikel mehr zu diesem Thema.

Die Wissenschaft hat unterschiedliche epileptische Anfallsarten klassifiziert und beschrieben. Jede Art äußert sich durch verschiedene Charakteristika, die wir uns nachfolgend genauer ansehen.

Epilepsie ist eine neuronale Störung, bei der es gleichzeitig vermehrt zu elektrischen Entladungen kommt. Die Auswirkungen hängen davon ab, welche Aufgaben die beteiligten Nervenzellen haben. Die Entladungen sind heftig und treten plötzlich auf, wobei andere neuronale Funktionen unterbrochen werden.

Wie wir etwas weiter unten erklären werden, ist ein epileptischer Anfall nicht dasselbe wie die diagnostizierte Epilepsie als Krankheit. Es kann irgendwann im Leben zu einem epileptischen Anfall kommen, ohne dass die betroffene Person an Epilepsie erkrankt ist.

Epileptische Anfälle dauern im Normalfall nur sehr kurz, danach erholt sich die betroffene Person wieder und die Situation normalisiert sich. Die Normalisierung ist komplett und sollte keine Konsequenzen haben. Falls dies nicht der Fall ist, können andere auslösende Krankheiten zugrunde liegen.

Schätzungsweise erleidet rund 1 % der Bevölkerung irgendwann einen epileptischen Anfall. Von den diagnostizierten Patienten, die an der Krankheit Epilepsie leiden, kann bei rund einem Fünftel trotz Medikation die Kontrolle der Anfälle nicht erreicht werden.

Es gibt sehr viele epileptische Anfallsarten, die in zwei große Gruppen eingeteilt werden:

  • Primär generalisierte Anfälle: Diese entstehen durch eine neuronale elektrische Entladung, die in einem Großteil des Gehirns stattfinden oder sogar das ganze Gehirn betreffen.
  • Fokale oder partielle Anfälle: Diese Art von Anfällen betreffen nur einen bestimmten Bereich des Gehirns und beschränken sich auf nur eine Hirnhälfte.

Erfahre mehr über epileptische Anfallsarten: primär generalisierte Anfälle

Primär generalisierte Anfälle bilden die erste große Gruppe. Wie bereits erwähnt kommt es dabei massiv zu gleichzeitigen neuronalen Entladungen. Zu dieser Gruppe zählen folgende epileptischen Anfallsarten:

  • Tonisch-klonische Anfälle: Es handelt sich um die bekannteste Form eines epileptischen Anfalls. Dabei versteift sich der Körper des Betroffenen und danach kommt es zu rhythmischen Krämpfen und Zuckungen der Gliedmaße und des Rumpfes. Häufig werden die Patienten bewusstlos und fallen auf den Boden. Oft verlieren sie außerdem die Kontrolle über ihre Schließmuskeln. Eine weitere Komplikation ist, dass sich Betroffene oft auf die Zunge beißen und es durch einen Sturz oder Fall zu einem Schädeltrauma kommen kann.
  • Epileptischer Anfall mit Absencen: Diese Art des Anfalls verläuft völlig anders als ein tonisch-klonischer Anfall. Es kommt zu einer kleinen, plötzlich einsetzenden Unterbrechung des Bewusstseins. Der Blick des Betroffenen ist abwesend und die Person reagiert auf keinen Reiz. Die Absence geht jedoch nicht mit Ohnmacht einher, es handelt sich um eine Abwesenheit von der Realität. Die Absencen treten relativ häufig auf und dauern ungefähr zehn Sekunden lang.
  • Myoklonische Anfälle: Im Unterschied zu tonisch-klonischen Anfällen kommt es in diesem Fall nicht zur Steifheit des Körpers. Bei den neuronalen Entladungen schüttelt und zuckt der Körper des Patienten, insbesondere die oberen Gliedmaße. Dieses Symptom kann sehr leicht sein und sich wie ein nervöser Tick äußern. In manchen Fällen kann es jedoch auch zu einem Bewusstseinsverlust, zur Ohnmacht und zu einem Sturz kommen.
Erfahre mehr über epileptische Anfallsarten
Die physiopathologische Grundlage der Epilepsie bilden neuronale Entladungen.

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Erfahre mehr über epileptische Anfallsarten: fokale oder partielle Anfälle

Zu den fokalen epileptischen Anfällen, bei denen es zu elektrischen Entladungen in einem spezifischen Gehirnbereich kommt, zählen folgende Anfallsarten:

  • Einfache partielle Anfälle: Es handelt sich um ein klinisches Krankheitsbild ohne Bewusstseinsverlust. Betroffene erfahren Muskelzuckungen in einem Körperbereich, die mit einem Gefühl des Kribbelns einhergehen. Es gibt verschiedene Unterarten, wie beispielsweise Anfälle, die nur von der betroffenen Person selbst wahrgenommen werden, jedoch äußerlich nicht zu erkennen sind. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel auch sensorische Anfälle, die mit Halluzinationen einhergehen können.
  • Komplexe partielle Anfälle: Dabei kommt es zu einem Bewusstseinsverlust. Diese Anfallsart ist der Absence-Epilepsie sehr ähnlich. Betroffene können einen Augenblick lang abwesend sein und automatische Bewegungen, wie Kauen, durchführen. Da sie jedoch bewusstlos sind, erinnert sich der Patient nicht an diese Episode.
  • Generalisierte fokale Anfälle: In diesem Fall beginnt der Anfall in einem partiellen Bereich, entwickelt sich dann jedoch zu einem generalisierten Anfall. Die Symptome sind am Ende dieselben wie bei einem generalisierten Anfall.
  • Epileptische Spasmen: Diese treten vorwiegend bei Kindern unter einem Jahr auf. Nur selten leiden daran auch Kinder, die bereits älter als zwei Jahre sind. Die Spasmen äußern sich blitzartig  und dabei erfolgt ein rasches Beugen von Kopf und Rumpf, das nur wenige Sekunden (bis zu 5 Sekunden) andauert.
Erfahre mehr über epileptische Anfallsarten: fokale oder partielle Anfälle
Ein epileptischer Anfall kann in generalisierter oder partieller Form auftreten.

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Nicht alle epileptischen Anfälle sind auf die Krankheit Epilepsie zurückzuführen

Wir haben dies anfangs bereits kurz erwähnt: Ein epileptischer Anfall kann vereinzelt auftreten und muss nicht immer bedeuten, dass der oder die Betroffene an Epilepsie leidet. Der Arzt wird die entsprechenden neurologischen Untersuchungen durchführen, um eine Diagnose zu stellen und gegebenenfalls die richtige Behandlung einzuleiten.

In manchen Fällen erleiden schwangere Frauen einen Anfall bei Eklampsie, wobei im Normalfall keine Epilepsie vorliegt. Die Krampfanfälle werden durch die Eklampsie ausgelöst und treten nach der Schwangerschaft nicht mehr auf.

Eine der wichtigsten Diagnosemethoden ist das Elektroenzephalogramm (EEG). Damit kann bestimmt werden, ob es sich um Epilepsie handelt oder welche Anfallsart vorliegt. Mit dem EEG misst der Arzt die elektrische Aktivität des Gehirns durch die Aufzeichnung der Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche.

Diese Diagnosemethode kann mit anderen bildgebenden Techniken ergänzt werden. Dabei kann man feststellen, ob Gehirnverletzungen vorhanden sind, die möglicherweise eine Epilepsie auslösen können. Auch ein Tumor könnte die Anfälle auslösen, was ebenfalls mit diesen Diagnosetechniken abgeklärt werden kann.

  • Castillo, Joaquín Alaín, et al. „Crisis Epilépticas en la edad Pediátrica.“ Seram (2018).
  • Hampel, K. G., et al. „Desafíos diagnósticos en epilepsia.“ Revista de neurología 68.6 (2019): 255-263.
  • González, ME Rosa, et al. „Crisis convulsivas.“ Panorama actual del medicamento 40.394 (2016): 541-546.