Was sind Ich-Botschaften?

13 Januar, 2020
Die menschliche Kommunikation ist sehr komplex. Aus diesem Grund haben wir eine Reihe von Strategien entwickelt, die es uns ermöglichen, uns adäquat auszudrücken. Dazu gehören auch die Ich-Botschaften. Erfahre in unserem heutigen Artikel, worum genau es geht.

Ich-Botschaften sind ein besonders nützliches Kommunikationswerkzeug, das uns hilft, unsere Gedanken und Gefühle auszudrücken, ohne unseren Gesprächspartner zu verletzen.

Stell dir zum Beispiel eine Situation vor, in der dir das Verhalten deines Gegenübers nicht gefällt. Oft fällt es uns unter diesen Umständen schwer, unser Unwohlsein und die dadurch entstehenden Gefühle auszudrücken.

Wir vermeiden deshalb oft zu sagen, was wir tatsächlich denken, um einen Konflikt zu verhindern. Und wenn wir etwas sagen, finden wir oft nicht dir richtigen Worte, um uns tatsächlich zu behaupten, jedoch den Gesprächspartner nicht zu verletzen.

In diesem Fall sind Ich-Botschaften eine angemessene Technik, denn sie helfen uns, höflich und respektvoll unsere Gedanken auszudrücken, ohne dem anderen jedoch Vorwürfe zu machen.

Was sind Ich-Botschaften?

Ich-Botschaften sind eine Kommunikationsstrategie, die es uns ermöglicht, unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen und uns zu behaupten, ohne jedoch den Gesprächspartner anzugreifen.

Um dies zu erreichen, sprechen wir in der ersten Person und konzentrieren unsere Aufmerksamkeit auf das Gesprächsthema. Wir beschreiben, welche Emotionen dadurch in uns ausgelöst werden.

Was sind Ich-Botschaften?
Ich-Botschaften sind ein Kommunikationsmittel, das es uns ermöglicht, uns zu behaupten und auszudrücken, ohne jedoch Konflikte oder Unwohlsein beim Gesprächspartner auszulösen.

Wir können zum Beispiel sagen: „Du räumst nie auf und legst nie etwas an den richtigen Platz, du hast immer nur Ausreden!“ Das ist eine Kritik, die häufig bei Personen zum Ausdruck kommt, die zusammenleben. Doch die angesprochene Person fühlt sich dadurch schnell verletzt und antwortet in ähnlicher Form.

Eine andere Möglichkeit wäre diese Ausdrucksform: „Im letzten Monat habe ich die ganze Last der Ordnung im Haus getragen und habe keine Unterstützung gespürt.“ Diese Art ist weitaus effektiver und adäquater. Die Person beschreibt, was passiert ist und wie sie sich gefühlt hat, konzentriert sich jedoch nicht auf den anderen.

Wenn man die Botschaft auf diese Weise zum Ausdruck bringt, kann der Gesprächspartner einfühlsamer sein und fühlt sich nicht beurteilt. Er kann so auch seine eigenen Gefühle besser ausdrücken.

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Unterschiede zwischen Ich-Botschaften und Du-Botschaften

Du-Botschaften verwenden wir meist in einer schlecht geführten Diskussion. Wir schauen uns anschließend einige Unterschiede im Vergleich mit Ich-Botschaften an.

Schuldzuweisung

Du-Botschaften verhindern eine gute Kommunikation, Denn der Gesprächspartner fühlt sich schnell angegriffen, wenn wir ihm die Schuld für das Geschehene zuschieben. Wenn du dich auf die Schuld konzentrierst, erreichst du nur eine gegenteilige Wirkung: Der andere wird sich verteidigen und keine Verantwortung übernehmen. Er wird Gegenargumente und Kritik vorbringen.

Doch Ich-Botschaften minimieren die defensive Haltung. Der Gesprächspartner antwortet ganz anders, wenn wir zum Beispiel sagen: „Gestern fühlte ich mich wegen deiner Schuld ganz schlecht“, oder wenn wir uns wie folgt ausdrücken: „Gestern fühlte ich mich traurig, weil du mich nicht angerufen hast.“

Urteilen

Mit Du-Botschaften drückt man ein Urteil über die andere Person aus, das nur zu weiteren Ressentiments führt. Schau dir den Unterschied an: „Du machst das immer wieder, du wirst dich nie verändern!“ Du erreichst damit keinesfalls, dass der Gesprächspartner das Problem lösen möchte. Ganz andere Auswirkungen erzielt diese Ich-Botschaft: „Ich werde sehr nervös, wenn du mir nicht sagst, dass du erst später kommst.“ Darin beschreibt die Person ihre Gefühle und urteilt nicht über den anderen.

Ich-Botschaften in einer Diskussion mit dem Partner
Du-Botschaften urteilen über andere und erschweren die Kommunikation. Deshalb gestaltet sich damit eine Konfliktlösung weitaus komplizierter.

Konfliktlösung

Du-Botschaften lösen keine Probleme, ganz im Gegenteil: Meist verschlimmert sich damit die Situation. Ich-Botschaften sind hingegen eine gute Strategie, um Lösungen zu finden, die für beide Parteien annehmbar sind.

Wenn du deine Aufmerksamkeit darauf konzentrierst, einen Vorfall zu beschreiben, auszudrücken, wie du dich dabei gefühlt hast, und eine Alternative anbietest, kannst du viel zu einer Konfliktlösung beitragen.

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Wie verwendet man Ich-Botschaften?

  • Formuliere den Satz in der ersten Person: „Ich mache mir Sorgen, wenn…“, „Ich fühle mich unwohl…“, „Ich bin traurig, weil…“
  • Beschreibe das Verhalten der anderen Person so objektiv wie möglich: „Wenn du spät kommst und mir nichts sagst…“, „Wenn ich dir erkläre, wie mein Tag war, und du dich anderen Dingen widmest…“, „Wenn du verächtlich über meinen besten Freund sprichst…“
  • Erkläre, wie du dich bei diesem Verhalten fühlst: „Ich habe das Gefühl, dass du meine Zeit nicht respektierst und nicht schätzt…“, „Ich fühle mich ignoriert…“, „Ich fühle mich nicht geschätzt…“
  • Biete eine Lösung an: „Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mich rechtzeitig informieren würdest, wenn du später nach Hause kommst…“, „Ich würde es bevorzugen, das nächste Mal früher einkaufen zu gehen, um lange Schlangen zu vermeiden“, „Ich hätte gerne, dass du nächste Woche die Hälfte der Wäsche übernimmst…“.

Ich-Botschaften sind sehr effektiv, um in verschiedensten Situationen mit anderen zu sprechen: mit Freunden, dem Lebenspartner, der Familie, Arbeitskollegen oder Menschen, die wir gerade erst kennenlernen.

Der Vorteil daran ist, dass wir damit verhindern, dass sich der Gesprächsgegner schuldig fühlt oder er glaubt, dass wir über ihn urteilen. Ganz im Gegenteil: Wenn du die Situation beschreibst, die du erlebst und gleichzeitig eine Lösung anbietest, fühlt sich dein Gegenüber nicht angegriffen und alles ist einfacher.

Dein Gesprächspartner braucht sich so nicht zu verteidigen und versteht, dass du dich nicht wohl fühlst. Er kann sich einfacher in die Situation einfühlen und auch eine Konfliktlösung ist so viel wahrscheinlicher.

  • Armero, M. (2018). Aprendiendo a vivir. Uno Editorial.
  • Castanyer, O. (2014). Aplicaciones de la asertividad. Editorial Desclée de Brouwer.
  • De Castro, A. (2013). La comunicación oral: Técnicas y estrategias. Editorial Universidad del Norte.