Was ist die Therapietreue?

5 Mai, 2019
Laut der Weltgesundheitsorganisation ist Therapietreue ein Problem, dessen man sich bewusst sein muss. Die sozioökonomischen Schäden aufgrund fehlender Therapietreue sind nämlich unbezifferbar.

Das Thema der Therapietreue hat eine wichtige Bedeutung. Davon hängt in großen Mengen der Behandlungserfolg ab. Diese Angelegenheit ist jedoch recht komplex, da viele Faktoren die Situation beeinflussen.

Die erste Schwierigkeit liegt schon dabei, dass es keine eindeutige Übereinstimmung gibt, was die Therapietreue ist.

Manche Gesundheitsexperten meinen, dass sie schon vollzogen ist, wenn der Patient die verschriebenen Medikamente eingenommen hat.  Andere halten sie für ein Phänomen mit vielen Faktoren.

Genauso sind auch die Gründe und Konsequenzen fehlender Therapietreue vielseitig. Das bedeutet, dass jeder Fall anders ist. Deshalb ist es nicht einfach, dieses Konzept zu besprechen und zu behandeln.

Was ist die Therapietreue?

Frau wird behandelt
Von der Therapietreue hängt es oft ab, ob eine Behandlung erfolgreich ist oder scheitert.

Die Therapietreue bedeutet, dass der Patient sich aktiv und freiwillig der Behandlung des Gesundheitsexperten unterzieht. Ihr Ziel ist es, ein bestimmtes Resultat zu erhalten. Diese Verpflichtung muss zwischen Arzt und Patienten besprochen werden.

Bei der Therapietreue handelt es sich um einen Komplex von Verhaltensweisen. Aus der Sichtweise des Patienten beinhaltet sie die Akzeptanz des medizinischen Planes zur Behandlung und die effektive Ausführung der ärztlichen Anweisungen.

Sie bedeutet auch, dass man Risikoverhalten vermeidet und einen Lebensstil annimmt, der Hand in Hand mit der Behandlung einhergeht.

Aus der Sichtweise des Arztes bedeutet Therapietreue in erster Linie die Fähigkeit, eine positive Verbindung zum Patienten herzustellen.

Er muss dem Patienten klare Anweisungen geben und sicherstellen, dass dieser sie auch verstanden hat. Gleichzeitig sollte er den Patienten motivieren, sich freiwillig an die Behandlung zu halten.

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Faktoren, die die Therapietreue beeinflussen

Es gibt viele Faktoren, die Therapietreue fördern oder behindern. Zu den hauptsächlichen gehören:

  • Interaktion Arzt/Patient: Hierbei geht es um die Güte der Beziehung. Hat der Arzt eine gute Beziehung zu seinen Patienten, so erreicht er meistens eine höhere Therapietreue. Grundlegend ist hierbei die Kommunikation. Je klarer und motivierter die Anweisungen sind, desto besser.
  • Therapeutische Regelung: Einflussreiche Elemente sind hierbei, wie kompliziert die Dosierung ist und welche Nebeneffekte sich ergeben. Eine einfache Dosis ist offenbar die einfachste Möglichkeit. Je schwerer die Nebeneffekte, desto komplizierter wird die Therapietreue.
  • Merkmale der Krankheit: Stillt das Medikament schnell die Symptome, so kommt es zu höherer Therapietreue. Asymptomatische Patienten haben meist die schlechtesten Ergebnisse in dieser Hinsicht.
  • Psychosoziale Faktoren: Glauben, Einstellungen, Lebensstil und Werte sind Faktoren, die Therapietreue beeinflussen. Besonders wichtig ist, dass der Patient die Effektivität der Behandlung und des Arztes wahrnimmt.
  • Umfeld: Erhält ein Patient Unterstützung durch sein Umfeld, dann fällt es ihm leichter, die ärztlichen Anweisungen zu befolgen. Aspekte wie Religion und die Einstellung der Familie der Gesundheit gegenüber sind hierbei wichtige Faktoren.

Konsequenzen von Nichteinhaltung

Ärztin misst Blutdruck
Nichteinhaltung führt zum Scheitern der Behandlung und einem verschlechterten Gesundheitszustand.

Fehlende Therapietreue hat mehrere Konsequenzen, hauptsächlich für die Gesundheit und die Wirtschaft. Dies ist jedoch ein nur schwer einschätzbarer Aspekt. Die Mehrzahl der Patienten weigert sich, über die Nichteinhaltung zu sprechen und ist nicht immer ganz ehrlich, wenn es um das Thema geht.

Die klinischen Konsequenzen hängen von der Art der Nichteinhaltung ab. Manchmal beginnt ein Patient nicht einmal die Behandlung, in anderen Fällen unterbricht er sie. Die Effekte hängen dann unter anderem von der Krankheit und dem Zustand des Patienten ab.

Generell gesprochen erhöht fehlende Therapietreue die Gesundheitskosten. Es kommt zu vermehrten Krankenhauseinweisungen und Besuchen in Arztpraxen oder Notaufnahmen.

Ebenfalls kann es zu Veränderungen in der Verschreibung und erhöhter Notwendigkeit von Diagnoseproben führen.

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Wie erreicht man eine höhere Therapietreue?

Heutzutage führt man viele Studien durch, in denen es darum geht, Strategien zu entwickeln, die Therapietreue verbessern. Das letzte Wort ist bei diesem Thema zwar noch nicht gesprochen, doch generell empfiehlt man die folgenden Maßnahmen:

  • Die medikamentöse Behandlung weitestgehend vereinfachen: je geringer die Dosis und Zahl der Medikamente, desto höher die Therapietreue beim Patienten.
  • Verhaltensbeeinflussung: Hierbei geht es darum, das Verhältnis zwischen Patient und Therapie zu verbessern. Hierzu gehören Erinnerungen, medizinische Überwachung, Belohnungen usw.
  • Information für den Patienten: Der Patient muss nicht nur wissen, was er wann einnehmen soll, sondern auch, warum das so wichtig ist. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der die Behandlung ganz freiwillig vollendet.
  • Familiäre und soziale Unterstützung: Dazu gehören Handlungen, die soziale Unterstützung bringen, wie zum Beispiel Haushaltshilfe, finanzielle Unterstützung usw.
  • Ausbildung von Gesundheitspersonal: Das ist vor allem notwendig, um Kommunikations- und Motivationstechniken zu erlernen.

All diese Strategien sollten gleichzeitig und koordiniert angewendet werden. Geschieht dies, so verbessert sich auch die Therapietreue.

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