Natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt: ist das möglich?

29 März, 2019
Eine natürliche Geburt, also eine vaginale Geburt birgt sowohl Risiken als auch Vorteile, wenn du zuvor bereits einen Kaiserschnitt hattest. Damit die Geburt reibungslos verlaufen kann, musst du als Mutter bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Darüber wollen wir dich heute informieren.

Du möchtest dein zweites Kind gerne durch eine natürliche Geburt zur Welt bringen, obwohl du bereits einen Kaiserschnitt hattest? Das ist grundsätzlich möglich. Allerdings ist diese Art der Geburt nur dann empfehlenswert, wenn weder du noch dein Kind irgendwelchen Risiken dadurch ausgesetzt seid.

Bevor wir gleich näher in diese Thematik einsteigen, möchten wir dir kurz erklären, was passiert, wenn dein Kind durch eine natürliche Geburt oder durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommt.

Kaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff durch den der Fötus und die Plazenta aus deinem Unterleib entnommen werden. Dabei wir deine Bauchdecke und dein Uterus geöffnet.

Der Kaiserschnitt ist heute ein ganz normaler Eingriff, der sehr oft durchgeführt wird. Besonders dann, wenn Komplikationen durch eine vaginale, also eine natürliche Geburt zu erwarten sind. Dieser operative Eingriff stellt dann sicher, dass weder deinem Baby noch dir während des Geburtsvorganges Komplikationen widerfahren.

Vaginale, natürliche Geburt

Die natürliche Geburt ist die klassische Gebär-Methode. Das Baby wird aus deinem Bauch heraus durch deine Vagina das Licht der Welt erblicken. Wenn keine Risiken oder Komplikationen während des Geburtsvorgangs zu erwarten sind, dann ist diese Methode stets die beste Wahl.

Wenn du bereits ein Kind vaginal zur Welt gebracht hast, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du auch beim zweiten oder folgenden Kind problemlos so gebären kannst.

Gleichermaßen ist aber erhöhte Vorsicht geboten, wenn du bereits bei einer vorherigen Entbindung Komplikationen hattest.

Natürliche Geburt: mögliche Komplikationen

Längere Wehen

natürliche Geburt - Verspätung

Wenn du schwache und unregelmäßige Kontraktionen hast, dann deutet dies darauf hin, dass du vermutlich längere Wehen haben wirst. Dies wiederum verzögert dann die Dilatation (Öffnung des Muttermundes) und somit auch den Geburtsvorgang.

Mögliche Ursachen für längere Wehen können sein, dass dein Becken und der Kopf deines Kindes eine unterschiedliche Form haben oder dass du einen engen Gebärmutterhals hast. Es kann auch sein, dass dein Baby sich nicht in der optimalen Position für eine Geburt befindet.

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Vorzeitige Wehen und Frühgeburten

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn das Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Sie kann ausgelöst werden, wenn deine Fruchtblase zu früh platzt oder auch, wenn du Anomalien in deinem Uterus hast.

Auch jede Erkrankung während der Schwangerschaft, Infektionen oder weitere unbekannte Faktoren können zu einer Frühgeburt führen. Außerdem kann auch falsche oder zu wenig Nahrungs- und Nährstoffaufnahme während der Schwangerschaft eine verfrühte Geburt auslösen.

Fötaler Stress durch Sauerstoffmangel

Diese Komplikation tritt auf, wenn das Baby eine alarmierend hohe Herzfrequenz aufweist. Wenn sich Mekonium in deinem Fruchtwasser befindet, dann wird dein Kind nicht genügend mit Sauerstoff versorgt.

Steißlage

Wenn sich dein Baby in der Steißlage befindet, dann erhöht sich das Verletzungsrisiko während einer natürlichen Geburt um das Vierfache. Dieses Risiko besteht ebenfalls, wenn dein Baby zuerst mit den Füßen oder den Knien aus der Vagina herauskommt.

Du hast nun Informationen über mögliche Komplikationen erhalten. Wenn du dich dennoch für eine natürliche Geburt entscheidest, nachdem du bereits einen Kaiserschnitt hattest, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen, um alles Weitere zu besprechen.

Der Arzt wird dann mit dir gemeinsam sorgfältig abwägen, ob du alle Voraussetzungen dafür erfüllst, um sicher ein Kind auf natürliche Weise zu gebären.

Nachfolgend findest du einige der Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit einem sicheren natürlichen Geburtsvorgang nichts im Wege steht:

Voraussetzungen für eine sichere natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt

Grundsätzlich sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Du solltest nicht mehr als einen Kaiserschnitt gehabt haben, wobei der Bauchschnitt möglichst flach durchgeführt sein sollte.
  • Keine weiteren Narben an der Gebärmutter.
  • Deine Beckengröße sollte den medizinischen Standards entsprechen.
  • Kein vorgängiger Riss der Gebärmutter (Uterusruptur), keine sonstigen medizinischen Komplikationen. Ebenso solltest du auch keine Probleme bei einer vorherigen Geburt gehabt haben. Auch Uterus-Myome sollten nicht vorhanden sein.
  • Insgesamt solltest du in guter physischer Verfassung sein und weder unter Diabetes, hohem Blutdruck, Herzerkrankungen oder Genital-Herpes leiden.

Vorteile einer natürlichen Geburt

natürliche Geburt - Vorteile

  • Du vermeidest dadurch einen operativen Eingriff in deine Bauchdecke.
  • Außerdem wird durch die natürliche Geburt das Risiko von Plazenta-Problemen bei nachfolgenden Schwangerschaften reduziert.
  • Darüber hinaus verlierst du bei einer vaginalen Geburt wesentlich weniger Blut und auch das Infektionsrisiko ist wesentlich geringer als bei einem Kaiserschnitt.
  • Grundsätzlich birgt jeder chirurgische Eingriff auch Risiken. Durch die vaginale natürliche Geburt vermeidest du unnötige operative Maßnahmen und dadurch auch die damit verbundenen Risiken. Sowohl dein Darm als auch deine Vagina könnten bei einem Kaiserschnitt verletzt werden.
  • Du wirst nach der Geburt weniger Schmerzen haben.
  • Außerdem wird dein Kind auf ganz natürliche Weise zur Welt kommen. Bei einem Kaiserschnitt hingegen wird ein Geburtstermin festgelegt.
  • Darüber hinaus werden die Lungen deines Kindes durch die vaginale Niederkunft stärker sein.

Risiken der vaginalen Geburt nach einem Kaiserschnitt

  • Jede Geburt birgt gewisse Risiken. Dennoch zeigen verschiedene Studien, dass die Anzahl der Todesfälle geringer ist in den Fällen, in denen eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt erfolgte. Diese Zahl gilt im Vergleich zu mehreren aufeinander folgenden Kaiserschnitten.
  • Darüber hinaus kann es passieren, dass deine Gebärmutter während der Geburt an der Stelle reißt, an der sie bereits durch den Kaiserschnitt aufgeschnitten wurde. Und dieser Riss führt dann zu einer Blutung, die wiederum die Sauerstoffversorgung deines Kindes beeinträchtigen wird.
  • Ärzte raten grundsätzlich von einer vaginalen Geburt nach vorherigem Kaiserschnitt ab, wenn die Mutter Oxytocin (Pitocin) einnehmen muss, um die Wehen auszulösen.
  • Falls es während der natürlichen Geburt zu Komplikationen kommt und aus medizinischer Sicht ein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss, dann kann dies zu weiteren Komplikationen führen. Es können Blutungen auftreten, außerdem erhöht sich die Gefahr von Infektionen der Gebärmutter oder der Schnittfläche. In diesen Fällen könnte dein Baby einen langfristigen neurologischen Schaden erleiden. Auch Todesfälle sind nicht auszuschließen.

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Bedingungen für die natürliche Geburt

natürliche Geburt - Baby

Selbstverständlich muss dein Baby während der Geburt permanent überwacht werden, ganz besonders der Herzschlag muss laufend gemessen werden. Denn der Herzschlag ist ein wichtiger Indikator dafür, falls irgendwelche Probleme auftreten sollten.

Darüber hinaus sollte die Mutter abgeführt werden und vor dem Geburtsvorgang auf Nahrung verzichten. So bist du für den Fall vorbereitet, dass ein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss.

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