Loslassen bedeutet nicht, nichts zu besitzen, sondern von niemandem besessen zu werden

· 21 Oktober, 2016
Loslassen bedeutet, nichts zu benötigen. Das heißt nicht, dass wir nichts brauchen, es reicht, sich nicht auf materielle Dinge zu versteifen und mit dem glücklich zu sein, was wir bereits haben.

Der Ausdruck „loslassen“ ist in vielen Büchern über Selbsthilfe, persönliches Wachstum und Spiritualität zu finden, wird jedoch oft mit anderen Konzepten verwechselt.

Loslassen bedeutet nicht, dass man nichts mehr besitzen darf oder auf feste Beziehungen mit emotionaler Bindung, die Sicherheit und Stabilität verleihen, verzichten sollte.

Loslassen ist für unser psychologisches und emotionales Gleichgewicht grundlegend: Es geht darum zu verhindern, dass wir von Dingen oder Personen besessen werden.

Wir müssen dazu fähig sein, uns anderen in Freiheit zu geben, um harmonische, respektvolle Beziehungen aufzubauen, die keine Abhängigkeit oder Opferrolle verlangen. Typische Sätze wie „ohne dich bin ich nichts“ haben hier keinen Platz.

Wir laden dich ein, heute mit uns über dieses Thema nachzudenken.

Verbundenheit und Ungebundenheit

Die Wurzeln für Ungebundenheit oder Loslassen sind im Buddhismus zu suchen. Im Bereich der Psychologie spricht man auch oft von „Attachment Parenting“ (Bindungsorientierte Erziehung) und von Beziehungen, die auf eine gesunde Bindung aufbauen.

Dabei handelt es sich um verschiedene Konzepte, die eine genauere Erklärung erfordern, um davon profitieren zu können und aufrechte Beziehungen aufbauen zu können, in denen gegenseitiger Respekt die Grundlage bildet.

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Gesunde Bindung

Im Buddhismus zählt die Bindung zu den Hauptquellen des Leidens. Hier geht es jedoch nicht um erzieherische Aspekte oder affektive Beziehungen.

Nachfolgend schauen wir uns verschiedene Aspekte etwas genauer an:

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Bei der Geburt benötigt der Mensch seinesgleichen, um zu überleben, sich sicher zu fühlen und zu lernen, die Welt zu verstehen.

  • „Attachment Parenting“ bedeutet, dass die Eltern die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen, ihnen nahe stehen, damit sie sich sicher fühlen, zärtlich sind, Umarmungen schenken, um eine Bindung auf der Grundlage der Liebe aufbauen, damit sich das Kind gesund entwickeln kann.
  • Affektive Beziehungen mit der Grundlage einer reifen Bindung sind jene, in denen jeder Partner Freiheit besitzt, um so eine glückliche und respektvolle Paarbeziehung aufzubauen.
  • Es ist wichtig, eine gesunde Bindung zu geliebten Personen aufzubauen, in der man sich sicher und jemandem zugehörig fühlt.

Wenn jedoch Abhängigkeit, Erpressung oder die Notwendigkeit der Kontrolle vorhanden sind, ist die Bindung nicht mehr gesund und wird toxisch.

Loslassen für die persönliche Integrität

Wir sehen uns die Mechanismen des Loslassens genauer an, indem wir wichtige Aspekte analysieren. Der Ausdruck bedeutet auf keinen Fall, dass wir auf alles, was wir besitzen, verzichten müssen, denn alles aufzugeben bedeutet nicht, glücklich zu sein.

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Mangel bewirkt nämlich Unsicherheit, Angst und Traurigkeit. Doch übermäßige Abhängigkeit, zu starkes Festhalten an Dingen, Personen oder Situationen sind ebenfalls Quelle großen Leidens.

  • Wenn du dein Leben nur auf eine einzige Person konzentrierst und dein Glück nur vom Gemütszustand, der Laune und dem Verhalten dieser Person abhängt, dann läuft irgendetwas falsch.
  • Wenn du so sehr von deiner Familie abhängst, dass du es nicht wagst, die elterlichen „Mauern“ zu verlassen und dein eigenes Leben aufzubauen, dann läuft auch etwas nicht richtig.
  • Wenn du dich an deine Arbeit klammerst, die alleinige Notwendigkeit aufzusteigen und immer noch mehr Geld zu verdienen, um dir mehr leisten zu können und deinen sozialen Status zu verbessern, dann bist du auch auf dem falschen Weg: du vergisst, glücklich zu sein. 
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Loslassen ist eine Art persöniche Integrität, denn diese Einstellung erinnert dich daran, dass das Glück nicht bei anderen oder im Horten vieler Dinge zu finden ist.

Glück entsteht in deinem Inneren, wenn du dich komplett, frei und reif fühlst.

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Wie kann man im Alltag „Loslassen“ praktizieren

  • Akzeptiere Ungewissheit. Wenn du ein Ziel vor Augen hast, konzentriere nicht deine ganze Hoffnung und dein ganzes Glück auf das Ergebnis. Lerne aus dem Prozess und akzeptiere die Ungewissheit – auch dies ist grundlegend für dein inneres Wohlbefinden.
  • Konzentriere dein Wohl und dein Glück nicht auf das, was andere machen oder nicht machen. Dies ist nur eine Quelle des Leidens, die du kontrollieren musst.
  • Versuche, von deinen eigenen Handlungen abzuhängen und sei offen für Dinge, die andere überraschenderweise machen, ohne dass du dir diese erwartest.

Wenn du dich darauf versteifst, dass andere ständig und immer gewisse Dinge für dich tun, wirst du nicht glücklich sein.

  • Verwechsle Wünsche nicht mit Notwendigkeiten. Es ist nicht dasselbe, sich zu wünschen, im Lotto zu gewinnen, oder davon abzuhängen und den Gewinn unbedingt zu benötigen, da nur so all deine Probleme gelöst werden können.
  • Unsichere Personen halten sich steif an ihren Mitmenschen fest, benötigen Dinge, um sich daran festzuklammern und ihre emotionalen Mängel damit auszugleichen.
  • Pflege dein Selbstwertgefühl, fülle deine Schwächen oder Mankos mit Sicherheit, mit der Sicherheit darüber, dass du eine komplette Person bist, die nicht nur fähig ist, glücklich zu sein, sondern auch andere glücklich zu machen.