Mikroaggressionen der Feinde von Beziehungen

· 1 Juni, 2017
Mikroaggressionen tarnen sich zwar oft durch liebevolle Worte, sie können mit der Zeit jedoch trotzdem das Selbstwertgefühl angreifen.

Mikroaggressionen sind eine versteckte Art von psychischen Misshandlungen. Sie funktionieren auf Basis von täglicher und immer wiederkehrender Geringschätzung seitens des Partners.

Oft werden Mikroaggressionen in Witzen versteckt, um dem anderen Stück für Stück die Selbstachtung zu nehmen.

Es handelt sich um eine Form von Misshandlung, über die selten gesprochen wird. Einerseits weil sie nicht offensichtlich ist und keine Spuren hinterlässt, andererseits weil oftmals weder die Ausübenden noch die Opfer sich bewusst sind, welcher destruktiven Verhaltensweise sie ausgeliefert sind.

Um besser zu verstehen, wovon hier die Rede ist, wollen wir einige Beispiele geben.

Allzu oft passiert es, dass Männer genauso wie Frauen aus Gewohnheit ihrem Partner Dinge sagen wie: „Es freut mich immer wieder, was für ein Dummerchen du bist“, „Immer erhellst du meinen Tag mit deinen Fehlern und Schusseleien“.

„Es ist besser wenn ich rede, sonst vermasselst du wieder nur alles“, „Lass es, mach es besser nicht, am besten erledige ich das, mit deinen ungeschickten Händen zerbrichst du sonst nur alles“.

Es lässt sich unschwer erkennen, dass es sich um Situationen handelt, in denen auch etwas Liebevolles mitschwingt und mit Sicherheit auch die Nähe zwischen den Partnern zum Ausdruck kommt.

Dennoch führen diese Aussagen dazu, dass ein Partner die Kontrolle behält und diese dem anderen verwehrt. 

Wir laden dich heute ein, sich etwas genauer mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Nur so kann man sich voll und ganz über diese Verhaltensweisen bewusst werden und entsprechend reagieren.

Merkmale von „Mikroaggressionen“

Merkmale von Mikroaggressionen

Die Beziehung zwischen einem Paar wird auf einigen grundlegenden Pfeilern aufgebaut: Respekt, Verständnis, Empathie, Intimität und Anteilnahme.

Wenn einer dieser Pfeiler ausfällt, beginnen auch die übrigen zu wackeln. Denn ohne eine gute Kommunikation kann zum Beispiel niemals wahre Empathie entstehen und ohne Empathie kann es auch keine authentische Anteilnahme geben.

Eine gesunde und glückliche Beziehung ist wie ein fester Webstoff aus vielen verschiedenen Farben, die alle miteinander harmonisieren. In dem die Unterschiede respektiert werden, weil ein Gleichgewicht in dem Zusammenspiel der Fäden, der Stickereien und der verschiedenen Materialien existiert.

Dementsprechend funktionieren die Mikroaggressionen so, als würde man Tag für Tag an einem Faden ziehen. Bis er schlussendlich einreißt und kleine Löcher zurücklässt, wodurch Harmonie und Glück verloren gehen.

Erfahre wie eine schlechte Beziehung mit deinem Partner dir das Herz brechen kann: „Broken Heart Syndrom“: wenn Liebeskummer dem Herz schadet

Wir stellen dir hier die wichtigsten Charakteristika vor.

Missachtung und Unterschätzung

Missachtung und Unterschätzung zeigen sich in einem offen demonstriertem Desinteresse gegenüber dem Partner.

Aus diesem Grund handelt es sich dabei auch um eine Form der Mikroaggression, die Tag für Tag in wiederkehrender Art und Weise angewandt wird.

Hier ein paar kleine Beispiele, wie sich einer der häufigsten Feinde für eine Beziehung äußern kann:

  • Etwas lächerlich machen, was dem Partner gefällt.
  • Keine kleinen Aufmerksamkeiten geben, die die Beziehung aufrechterhalten.
  • Niemals Zeit haben, um Dinge zu tun, die dem Partner gefallen: kein Moment ist gut genug.
  • Sich gegenüber anderen Personen ironisch über die Dinge äußern, die dem Partner gefallen („er liest ja den ganzen Tag nur, was für eine Zeitverschwendung“).

Den Partner herabwürdigen, indem man ihn als Tollpatsch darstellt

Tolpatsch bei Mikroaggressionen

Dies ist ohne Zweifel die häufigste Form, in der sich Mikroaggressionen zeigen.

Dieser Umstand wird komplex, da ein solches Verhalten zunächst akzeptiert wird.

Das bedeutet, dass man zunächst annehmen kann, dass es sich um einen unschuldigen Kommentar handelt, eine Art und Weise des Partners Zuneigung oder Aufmerksamkeit zu zeigen.

Hier sind einige Beispiele, über die man nachdenken sollte.

  • Einer der Partner beginnt sich plötzlich um Dinge zu kümmern, weil er behauptet, „sie besser als der andere zu machen und er so dem anderen die Arbeit erleichtern möchte“.
  • Es kommt auch häufig vor, dass ein Partner öffentlich vor Freunden oder Familienmitgliedern die Mängel, die der andere „angeblich“ hat, anspricht. „Er kann eben nicht kochen, jeder Teller, den er in die Hand nimmt, geht zu Bruch, mit dem Computer macht er immer ein völliges Chaos…“
  • All diese Dinge sind nervenaufreibende und äußerst schädliche Verhaltensweisen für die eigene Identität und Selbstachtung.

Zunehmendes Fehlen von Vertrauen gegenüber dem Partner

kein Vertrauen bei Mikroaggressionen

Wenn man die Auswirkungen von Mikroaggressionen zu spüren bekommt, wird man gleichzeitig auch viele persönliche Veränderungen wahrnehmen.

Zusätzlich dazu, dass die Selbstachtung merklich schwindet. Kommt es häufig vor, dass man sich immer bewusster wird, dass auch das Vertrauen in den Partner immer kleiner wird.

  • Man führt bestimmte Tätigkeiten nicht mehr aus, aus Angst zurückgewiesen oder kritisiert zu werden.
  • Man ist nicht mehr in der Lage mit dem Partner auf angenehme Art zu kommunizieren, denn die Sprache des anderen ist ständig voll von ironischen Sticheleien, die weh tun.

Gleichermaßen ist es häufig, dass eine Person, die derartigen schlechten Behandlungen ausgesetzt ist, erst verzögert reagiert.

Das liegt daran, dass wir glauben, dass Misshandlungen nur dann stattfinden, wenn jemand die Hand oder auch Worte gegen uns richtet oder die Stimme lauter wird oder gar unsere Freiheit eingeschränkt wird.

Entdecke auch „Subtile Misshandlungen und ihre Merkmale“

Mikroaggressionen sind ein versteckter Angriff, der kaum wahrnehmbar ist. Dennoch sind sie eine Form von Aggression, vor allem aus folgenden Gründen, die man nicht vergessen sollte:

  • Sie basieren auf Verachtung.
  • Es geht darum, den anderen herabzusetzen, um selbst mehr Macht zu erlangen.
  • Sie verhindern, dass der andere einfach er selbst sein kann, dass er sich vollständig und glücklich fühlen kann, weil er so ist, wie er ist.
  • Es kommt nicht auf die Fähigkeiten, an die man hat, nicht auf die Stärken oder Erfolge. Die andere Person wird die Mikroaggressionen dazu benutzen, dass all dies nichtig erscheint.

Lasst uns lernen, Mikroaggressionen zu erkennen und vor allem lasst uns mutig genug sein, ihnen entsprechend zu begegnen.

  • KERNBERG, Otto, F. Aggression und Liebe in Zweierbeziehungen. Psyche, 1992, 46. Jg., Nr. 9, S. 797-820.
  • KRAHÉ, Barbara. Aggression von Männern und Frauen in Partnerschaften: Unterschiede und Parallelen. In: Geschlecht—Gewalt—Gesellschaft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2003. S. 369-383.
  • NGUYEN, Toan Quoc. " Es gibt halt sowas wie einen Marionettentäter." Schulisch-institutionelle Rassismuserfahrungen, kindliche Vulnerabilität und Mikroaggression. ZEP: Zeitschrift für Internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 2013, 36. Jg., Nr. 2, S. 20.