Hyperphosphatämie: erhöhter Phosphatspiegel im Blut

28 Dezember, 2019
Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu einem erhöhten Phosphatspiegel im Blut. Meist tritt eine Hyperphosphatämie zusammen mit anderen Krankheiten auf. Erfahre in unserem heutigen Artikel, welche Ursachen dieser Erkrankung zugrunde liegen können und wie sie behandelt wird. 

Als Hyperphosphatämie bezeichnet man fachärztlich einen erhöhten Phosphatspiegel im Blut. Dabei geht es spezifisch um das anorganische Phosphat. Die Normalwerte liegen zwischen 2,5 und 4,5 mg/dL, wobei diese Werte je nach Labor leicht differieren können.

Phosphor übernimmt im menschlichen Organismus wichtige Aufgaben. Es handelt sich um ein Makromineral, das der Körper benötigt, um verschiedene Stoffwechselfunktionen auszuführen, die ansonsten nicht stattfinden können.

Mehr als zwei Drittel des Gesamtanteils an Phosphor im menschlichen Körper befinden sich in den Knochen. Der Rest dient den Zellen als wichtige Energiequelle. 

Bei einem Mangel oder einer erhöhten Ansammlung von Phosphor leiden deshalb insbesondere die Knochen und Zähne. Nicht zu vergessen ist, dass Phosphor ein wichtiger Alliierter von Calcium ist, was zu Nierenstörungen führt, wenn eine Hyperphosphatämie vorliegt. 

Phosphor gelangt über die Ernährung in den Organismus und wird reichlich aufgenommen, wenn wir uns vielseitig ernähren. Unter normalen Umständen wird Phosphor, der nicht benötigt wird, über die Nieren und den Harn, sowie über den Stuhl ausgeschieden.

Besonders reich an Phosphor sind rotes und weißes Fleisch sowie Trockenfrüchte, wie Mandeln und Nüsse. Außerdem enthalten auch Milchprodukte, wie Milch, Joghurt und Käse, dieses Element. In manchen Ländern wird Phosphor industriell hergestellten Lebensmitteln zugesetzt.

Ursachen für eine Hyperphosphatämie

Die Hyperphosphatämie kommt häufiger bei älteren Menschen vor, denn die Hauptursache ist eine Niereninsuffizienz, die im Alter öfter auftritt. Doch auch andere Ursachen können zu einem erhöhten Phosphorspiegel im Blut führen:

  • Hypoparathyreoidismus: Dabei handelt es sich um eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Die Nebenschilddrüsenhormone regulieren den Stoffwechsel von Phosphor und Calcium. Bei einem Hypoparathyreoidismus erzeugen die Nebenschilddrüsen jedoch keine oder nur sehr wenige Hormone, was zur Senkung des Calciumspiegels und zur Erhöhung des Phosphorspiegels im Blut führen kann.
  • Hypervitaminose D: Nicht nur Calcium und Phosphor werden von den Nebenschilddrüsen reguliert. Eine Störung dieser Drüsen kann auch zur Beeinträchtigung des Vitamin-D-Spiegels führen. Es können auch andere Gründe für einen veränderten Vitamin-D-Spiegel vorliegen, was ebenfalls zu einem erhöhten Phosphorspiegel im Blut führt.
  • Erhöhte Einnahme von Phosphor: Die Hyperphosphatämie kann zwar durch die übermäßige Einnahme von Phosphor entstehen, doch dies kommt äußerst selten vor. Wenn der Organismus korrekt funktioniert, scheidet er Überschüsse über den Harn und den Stuhl aus, damit sich nicht zu viel Phosphor ansammelt.
  • Langes Training: Sehr intensives, langes Training kann den Muskeln schaden und den Phosphor der Muskelzellen ins Blut freisetzen. 
  • Chemotherapie: Bei einer Krebsbehandlung mit Chemotherapie schütten die rasch absterbenden Zellen Phosphor ins Blut aus und können so eine Hyperphosphatämie zur Folge haben. Dies bezeichnet man als Tumorlyse-Syndrom, das auch noch andere durch die Chemotherapie ausgelöste Symptome umfasst.
Ursachen für eine Hyperphosphatämie
Die häufigste Ursache für eine Hyperphosphatämie ist die Niereninsuffizienz.

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Symptome der Hyperphosphatämie

Ein erhöhter Phosphatspiegel im Blut wird häufig zufällig entdeckt und nicht unbedingt, weil verdächtige Symptome vorliegen. In den meisten Fällen entdeckt man diesen Zustand im Rahmen einer allgemeinen Blutuntersuchung, um andere Krankheiten zu diagnostizieren.

Bei einer Hyperphosphatämie kommt es nur selten zu Symptomen. Allerdings können Nierenprobleme oder Muskelbeschwerden vorliegen, die Betroffene zum Arzt führen.

Wenn die Phosphatkonzentration im Blut steigt, ist im Normalfall der Calciumspiegel geringer und es entsteht eine Hypokalzämie. In diesem Fall kommt es häufig zu Muskelkrämpfen oder Spasmen. 

Eine weitere, langfristige Folge ist die Veränderung der Arterienwände. Wenn zu viel Phosphor vorhanden ist, lagert sich dieser in den Blutgefäßen in Kombination mit Calcium ab und trägt zu einer Arteriosklerose bei. Dadurch erhöht sich die Gefahr für ernste kardiovaskuläre Krankheiten.

Symptome der Hyperphosphatämie

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Wenn die Hyperphosphatämie durch eine Krankheit ausgelöst wird, wie etwa durch eine Niereninsuffizienz oder Hypoparathyreoidismus, behandelt der Arzt die zugrunde liegende Krankheit. Um den Phosphatspiegel im Blut zu regulieren, gibt es außerdem folgende Möglichkeiten:

  • Phosphatarme Ernährung: Ein Ernährungsberater hilft dem Patienten, die Werte zu regulieren. Er stellt einen Ernährungsplan zusammen, in dem 1000 mg Phosphor am Tag nicht überschritten werden.
  • Dialyse: Die künstliche Filterung des Blutes ersetzt die Arbeit der Niere, wenn diese nicht ausreichend fähig ist, ihre Funktionen durchzuführen.
  • Chelatoren: Es gibt Medikamente, die sich an Phosphor binden können, der mit der Ernährung aufgenommen wird, damit dieses Element im Darm nicht absorbiert werden kann. So kann man verhindern, dass Phosphor ins Blut gelangt.

Der Arzt entscheidet über die im Einzelfall notwendige Behandlung. Meist sind keine extremen Maßnahmen erforderlich, wenn zu hohe Phosphatwerte vorliegen. Du solltest dir deshalb nicht sofort unnötige Sorgen machen. Lasse dich von deinem Arzt untersuchen und beraten. Er wird dir die nötigen Schritte aufzeigen.

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