Hyperinsulinismus: Was ist das?

9 Juni, 2020
Als Hyperinsulinismus bezeichnet man eine erhöhte Konzentration von Insulin im Blut, die gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Erfahre heute mehr über dieses Thema. 

Insulin ist ein sehr wichtiges Hormon, dessen Hauptfunktion die Regulierung des Blutzuckerspiegels ist. Wenn jedoch die Konzentration im Blut zu hoch ist, spricht man von Hyperinsulinismus. 

Der Mangel an Insulin wird als Hypoinsulinismus bezeichnet. Daran leiden zum Beispiel Menschen mit Diabetes Typ 1. Doch zu hohe Insulinkonzentrationen im Blut sind weniger bekannt und dies erschwert auch die Diagnose. Wir erklären dir deshalb heute wissenswerte Fakten über dieses Thema.

Was ist Insulin?

Bevor wir erklären, was genau Hyperinsulinismus ist, schauen wir uns kurz die wichtigsten Funktionen des Hormons Insulin an. Diese Substanz wird von den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert und auch in diesem Organ gespeichert. 

Nach dem Essen verarbeitet der Organismus die verspeisten Lebensmittel und spaltet sie in Moleküle auf, die dann vom Darm aus in die Blutbahn freigesetzt werden. Auch Glukose gehört zu diesen Substanzen. Unser Körper benötigt diese Zuckerart, um Energie zu gewinnen und verschiedenste Funktionen ausüben zu können.

Als Reaktion auf den ansteigenden Blutzuckerspiegel setzt  die Bauchspeicheldrüse Insulin in die Blutbahn frei und leitet die Glukose zu den Körpergeweben, die sie benötigen. Das Insulin ist also dafür zuständig, die korrekten Blutzuckerwerte zu erhalten.

Blutzuckerspiegel und Glykämie

Normale Blutzuckerwerte werden auch als Glykämie bezeichnet. Sie betragen auf nüchternen Magen zwischen 70 und 110 mg/dl. Zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte können ernste gesundheitliche Folgen haben. Man unterscheidet folgende Beschwerden:

  • Hyperglykämie: ungewöhnlich hohe Blutzuckerwerte
  • Hypoglykämie: ein zu niedriger Blutzuckerspiegel
Hyperinsulinismus

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Was ist Hyperinsulinismus?

Wir sprechen von einer ernsten Erkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse auch ohne Zufuhr von Kohlenhydraten zu viel Insulin erzeugt, was zu einer chronischen Unterzuckerung (Hypoglykämie) führt. Anschließend gehen wir näher auf mögliche Ursachen ein:

Insulinresistenz

In den letzten Jahren ist es vermehrt zur Insulinresistenz und zu Diabetes Typ 2 gekommen. Wenn der Blutzuckerspiegel über längere Zeit nicht kontrolliert wird, erzeugt die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin, um die Glukose zum Gewebe zu transportieren und die Blutwerte konstant zu halten.

Doch mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an diese größeren Mengen an Insulin. Er reagiert deshalb nicht mehr auf kleinere Mengen, was zu einer Resistenz führt.

Um diese Resistenz auszugleichen, erzeugt der Körper noch mehr Insulin, das im Blut zirkuliert. Es kommt zum Hyperinsulinismus mit Hyperglykämie. 

Die Insulinresistenz ist die häufigste Ursache für Hyperinsulimismus und weist darauf hin, dass ein Diabetes Typ 2 vorliegt.

Insulinproduzierende Tumore

Eine weniger häufige Ursache für Hyperinsulinismus sind insulinproduzierende Tumore, die auch als Insulinom bezeichnet werden. Es handelt sich um meist schwer zu diagnostizierende Tumore, die klein sind und anhand von bildgebenden Verfahren zum Teil nur schwer zu erkennen sind. Rund 10 Prozent der Insulinome sind bösartig.

Es handelt sich um Tumore, die in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse entstehen und viel Insulin in die Blutbahn freisetzen. Dieser Hyperinsulinismus führt dazu, dass die Glukose zur Gänze zu den Geweben transportiert wird und im Blut keine Glukose mehr vorhanden ist. Wir sprechen also von einer Hypoglykämie.

Eine Hypoglykämie ist eine ernste Situation. Mögliche Anzeichen dafür sind:

  • Nervosität
  • Herzrasen
  • Schwitzen
  • Reizbarkeit
  • Hunger
  • Blässe usw.

Wenn die Hypoglykämie sehr ausgeprägt ist, schadet sie dem Gehirn, das besonders viel Glukose benötigt. In der Folge können folgende Beschwerden entstehen:

  • Kopfschmerzen
  • Verschwommene Sicht
  • Parästhesien: Kribbeln, meist in den Extremitäten
  • Verhaltensveränderungen
  • Verwirrung
  • Zuckungen
  • Gedächtnisverlust
  • Koma, im schlimmsten Fall sogar der Tod

Es handelt sich also um einen Tumor, der entfernt werden muss, um diese Symptome zu verhindern. Außerdem ist Insulin ein Wachstumsfaktor, der zu Übergewicht führen kann.

Normalerweise wird das Insulinom in der Bauchspeicheldrüse lokalisiert, doch manche Patienten weisen ektopes Pankreasgewebe auf, was eine Diagnose erschwert. Glücklicherweise handelt es sich um eine sehr seltene Tumorart. 

Hyperinsulinismus erkennen

Hyperinsulinismus durch äußerliches Insulin

Eine weitere Ursache für Hyperinsulinismus können Insulininjektionen darstellen. Dies kann in folgenden zwei Fällen der Fall sein:

  • Ein Diabetiker erhält aus Versehen zu viel Insulin, was zu einer Hypoglykämie führt. Wie bereits erklärt, handelt es sich um eine ernste Situation.
  • Künstliche Hyperglykämie: Dazu kommt es, wenn sich eine Person Insulin injiziert, obwohl sie gar keinen Diabetes hat. Dies ist zum Beispiel beim Münchhausen-Syndrom der Fall, einer psychischen Störung, bei der sich Betroffene Beschwerden ausdenken und sich selbst behandeln oder Selbstverletzungen zufügen, um eine Krankheit zu simulieren.

In beiden Fällen ist der Blutzuckerspiegel sehr gering, die Insulinwerte sind jedoch hoch. Das Insulin wird allerdings nicht vom Körper produziert, sondern von außen injiziert.

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Hyperinsulinismus: Wichtige Schlüssel

Wenn jemand an Hyperinsulinismus leidet, liegt in den meisten Fällen eine Insulinresistenz vor. Dies bedeutet, dass zu viel Zucker im Blut vorhanden ist. Diese Hyperglykämie ist gefährlich, denn sie führt zu Diabetes und schadet dem kardiovaskulären System. Außerdem haben wir bereits erwähnt, dass Insulin ein Wachstumsfaktor ist und auch die Entwicklung von Tumoren begünstigt.

Du solltest deshalb deinen Blutzuckerspiegel kontrollieren und ein gesundes Leben führen. Wenn du Probleme mit den Blutzuckerwerten hast, wird dir dein Arzt verschiedene Behandlungen verschreiben, um sie zu regulieren. Solltest du Symptome für eine Hypoglykämie aufweisen, weißt du jetzt, dass es sich um ein ernstes Problem handelt und du unbedingt zum Arzt musst!

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