Das „Elixier der ewigen Jugend und des langen Lebens“ aus Tibet

· 13 Mai, 2015
Immer wieder liest man von dem geheimnisvollen Elixier, dessen Rezept aus Tibet stammen soll. Es verspricht ewige Jugend und langes Leben. Doch was ist drin und was ist dran an dem Gerücht? Wir erklären es dir hier!

Immer wieder liest man von dem geheimnisvollen Elixier, dessen Rezept aus Tibet stammen soll. Es verspricht ewige Jugend und langes Leben. Doch was ist drin und was ist dran an dem Gerücht? Wir erklären es dir hier!

Elixier aus drei Zutaten

Das Rezept des Elixiers soll angeblich vor über 2000 Jahren auf einer Tontafel eingeritzt und somit für die Nachwelt festgehalten worden sein. Die Zutatenliste liest sich ganz einfach: Honig, Olivenöl, Zitrone. Um es selbst zuzubereiten, verraten wir dir das Rezept.

Du brauchst:

  • 100 ml Zitronensaft
  • 200 ml Honig und
  • 50 ml Olivenöl

Alle drei Zutaten miteinander vermischen und das Elixier im Kühlschrank aufbewahren. Es heißt, täglich ein Teelöffel auf nüchternen Magen sei die richtige Dosierung. Wir erklären dir nun, was die einzelnen Zutaten alles können:

Zitrone für Elixier der ewigen Jugend

Entdecke auch: Hausmittel mit Zitrone gegen Gelenkschmerz und Muskelkrämpfe

Zitrone

Zitronensaft enthält viel Vitamin C und andere wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Auch sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien. Oxidativer Stress gilt als Mitverursacher einer Vielzahl krankhafter Prozesse und wird auch mit Alterungserscheinungen in Verbindung gebracht.

Antioxidantien sind unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen hochreaktive Sauerstoffverbindungen. Die sogenannten freien Radikale entstehen durch Einflüsse wie UV-Strahlung, Abgase, Medikamente und Umweltgifte im Körper.

Was daraus folgt, nennt man oxidativen Stress. Zu viel davon kann Zellschäden verursachen und beschleunigt unseren Alterungsprozess. Außerdem wird er für eine ganze Reihe von Krankheiten verantwortlich gemacht.

Antioxidantien sind natürliche Inhaltsstoffe, die unsere Körperzellen vor diesen schädlichen Einflüssen schützen können. Zu den Antioxidantien zählen Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

HonigHonig

Honig wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Dadurch können leichte Schwellungen abschwellen und kleine Wunden besser abheilen. Es ist bereits ein Medizinprodukt auf Basis von Bienenhonig auf dem Markt, das in Krankenhäusern bei der Wundversorgung eingesetzt wird.

OlivenölOlivenöl

Kalt gepresstes, hochwertiges Olivenöl enthält entzündungshemmende Stoffe. Diese wirken ähnlich wie in der Apotheke erhältliche Medikamente gegen Entzündungen.

Vertreter der „Mittelmeerdiät“ erklären, Olivenöl habe ein optimales Fettsäurenverhältnis. Deshalb soll es besonders herzgesund und gut für die Gefäße sein.

Kritik am Elixier: Verfügbarkeit der Zutaten

Es gilt mittlerweile als gesichert, dass die Rezeptur des „tibetanischen Elixiers“ ein modernes Märchen ist. Tibet liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 4500 m. Deshalb können dort keine Oliven und Zitronen wachsen. Beide Pflanzen vertragen keine zu rauen Klimate und zu kalte Winter.

Vor 2000 Jahren fand noch kein extensiver Handel mit dem Mittelmeerraum statt. Diese beiden Zutaten können Tibet deshalb nicht erreicht haben.

Kritik am Elixier: Wirksamkeit der Zutaten

Das Elixier steht nach Anweisung mehrere Wochen im Kühlschrank, bis es verbraucht ist. Vitamine aus der Zitrone zerfallen während der Lagerung. Der positive Effekt der Zitrone verringert sich somit mit jedem Tag der Lagerung.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien stecken grundsätzlich in allem frischen Obst und Gemüse. Eine ausgewogene Ernährung mit viel buntem Gemüse trägt wesentlich mehr zur Versorgung mit diesen Wirkstoffen bei!

Zitrone

Honig wirkt wirklich antibakteriell und entzündungshemmend. Allerdings ist diese Wirkung nur bei äußerlicher Anwendung nachgewiesen. Nicht beim Schlucken eines Elixiers mit Honig.

Honig besteht zum Großteil aus Glukose und Fruktose. Darum schmeckt er so schön süß. Er lässt aber den Blutzuckerspiegel steigen. Regelmäßig auf nüchternen Magen angewendet, kann er zur gefürchteten „Insulinmast“ führen, die Übergewicht verursacht.

Öl (2)

Olivenöl im Wunderelixier

Auch das Olivenöl ist nicht so gesund, wie es uns die Werbung glauben macht: Entscheidend ist nämlich nicht nur die Aufnahme essentieller Fettsäuren durch unsere Nahrung. Auch das Verhältnis dieser Fettsäuren ist grundlegend.

Je höher der Anteil an Omega3-Fettsäuren und je geringer der Anteil an Omega6-Fettsäuren, desto optimaler ist das Öl. Mehr als 1:5 sollte das Verhältnis von Omega3 zu Omega6 nicht sein, um das Herz-Kreislauf-Risiko gering zu halten.

Das durch gutes Marketing hoch gepriesene „gesunde Olivenöl“ kommt dabei mit 1:11 überraschend schlecht weg: Es hat ein ungünstiges Verhältnis dieser beiden Fettsäuren.

Es liegt also ganz bestimmt nicht am Olivenöl, dass die „Mittelmeer–Diät“ so gesund ist!

Den höchsten Gehalt an Omega3 hat das heimische Leinöl (1:4)! Wer den intensiven Geschmack nicht mag, kann auch Rapsöl (1:2), Walnussöl (1:6) oder Sojaöl (1:7) verwenden. Deren Fettsäureverhältnisse sind wesentlich gesünder als das weit verbreitete Sonnenblumenöl (1:122 !!!), Maiskeimöl (1:54) oder Erdnussöl (1:32). Öle, die gerne in der Gastronomie verwendet werden, da sie billig und hoch erhitzbar sind.

Das tibetanische Wunderelixier ist somit zwar nicht gefährlich, aber auch nicht wirksam. Aber Glaube versetzt bekanntlich Berge. Auch tibetanische in die Mittelmeerregion, um darauf Olivenhaine wachsen zu lassen…